Ist Rechnen wichtiger als Lesen?


Im Spiegel und auch in anderen Medien in anderen Medien.

Dazu kommt der Geschlechterunterschied, der seit 2003 noch einmal zugenommen hat. Betrug der Abstand vor zehn Jahren noch neun Leistungspunkte, sind es heute 14. Mädchen rechnen weniger gut als gleichaltrige Jungen, und der Abstand zwischen beiden ist größer als im OECD-Schnitt (11 Punkte).

Der Focus geht nochmal weiter:

Besonders ein Ergebnis stufen die Pisa-Studienautoren als besorgniserregend ein. Nach wie vor rechnen Jungen besser als Mädchen. Diese geschlechtsspezifischen Unterschiede führen die Experten nicht etwa darauf zurück, dass es Mädchen an Talent mangelt. Vielmehr liege es daran, dass sie zu große Angst vor dem Fach haben. Bei der Befragung gaben Schülerinnen an, dass sie keine Ausdauer für das Zahlenfach haben und dass ihnen die Motivation fürs Lernen fehle. Bereits vorangegangene Studien haben gezeigt, dass Mädchen kein Vertrauen in ihre Rechenfähigkeiten haben und deshalb auch schlechter rechnen als Jungen. Bei einer Forsa-Umfrage im Jahr 2010 „Rechnen in Deutschland“ zeigte sich, dass jeder zweite Junge Mathe als Lieblingsfach wählte. Bei Mädchen landete das Zahlenfach auf Platz 6.

Die OECD hat hier die Tabelle zum Download (allerdings ist das noch 2009, gerade gemerkt, ich schreibe trotzdem weiter):
Lesen:

Reading scale Mathematics scale Science scale
Females Males Females Males Females Males
Mean score S.E. Mean score S.E. Mean score S.E. Mean score S.E. Mean score S.E. Mean score S.E.
Germany 518 2,9 478 3,6 505 3,3 520 3,6 518 3,3 523 3,7

Mädchen haben 40 Punkte Vorsprung beim Lesen, Jungs 15 Punkte in Mathematik, aber das ist das was besorgniserregend ist. WTF!

Ich bin gespannt auf die 2013er Ergebnisse, sollten die Jungs 25 Punkte beim Lesen aufgeholt haben, nehme ich alles zurück. Wobei der Spiegel ja schreibt, dass der Unterschied in Mathematik nun 14 Punkte beträgt…

Komische Berichterstattung….

10 Gedanken zu „Ist Rechnen wichtiger als Lesen?

  1. SPON hatte vor kurzen auch einen Artikel über die eigene Einschätzung von Schüler für bestimmte Fächer und den Einfluss auf das Ergebnis bei Lösen von Aufgaben. Wenn man den Kinder sagt das sie schlecht sind in dem Fach, waren die Leistungen auch schlechter als bei einer Vergleichsgruppe die nicht beeinflusst wurde.

    Wenn in Zukunft dann so weiter gemacht wird und in der Schule Texte wie:
    http://sciencefiles.files.wordpress.com/2013/07/klimawandel-ein-mann.pdf

    unkritisch behandelt werden oder Abiturprüfungen wie hier beschrieben ablaufen:
    http://manndat.de/geschlechterpolitik/feminismus-so-funktioniert-er-in-der-schulischen-praxis.html

    bin ich zuversichtlich das dieser gravierenden Leistungsunterschied zwischen Jungs und Mädchen auch noch angeglichen wird. Notfalls durch die Benachteiligung von Jungs.

    Wie Hoffman schon festgestellt hat, könnte man Jungs ja auch einfach weniger fördern so dass die Mädchen aufholen können. Das Problem ist nur, dass noch weniger Förderung nicht geht.

    Hab selbst keine Kinder, aber ich kann nicht verstehen, wie man Jungs durch den Staat so fertig machen kann und deren Probleme einfach so bewusst ignoriert.

    • Ich hab zwei Töchter. Aber es ist nicht „der Staat“ oder „die Parteien“. WIR haben die gewählt. Es ist an „UNS“, den Wählern, klarzumachen, dass es so nicht geht. WIR müssen hörbar werden.

      • Gerade Tagesschau gesehen, Thema Pisa und nur die Rechenschwäche der Mädchen wird angesprochen…

        Wenn es nicht der Staat und nicht die Parteien sind und wenn es keine Partei gibt die Gender Mainstreaming nicht unterstützt (Ausnahme ist wohl die AfD, aber naja…) welche demokratische Lösung gibt es denn? Es gibt zur Zeit keine relevante Partei die nicht dem Mainstream folgt.

        Auch jede Aktion im Internet, die eindeutig Stellung bezieht, wird als das organisierte Agieren von rechten Maskus abgestempelt. Ich erinnere mich da an die Umfrage zur Frauenquote auf taggeschau.de, 72% Ablehnung darf es nicht geben, also wurde von außen manipluiert. Auch jeglich Resonanz in Online-Zeitungen auf irgendewelche Genderartikel wird überhaupt nicht verarbeitet. Es wird einfach weiter gemacht: weibliche Eigenschaften sind gut, männlich sind kapitalistisch usw.

        Und würde es nur dort gesehen würde, könnte ich das ignorieren. Aber in der Schulbildung, geht in meinen Augen gar nicht!

      • Nein, ich habe sie nicht gewählt. Ich bin hier lebender Ausländer. Ich hätte aber auch nicht gewusst, wen aus dem Angebot ich denn hätte wählen sollen. Gäbe es denn eine Alternative? Aber abgesehen davon, die Regierung meines Landes ist noch weitaus schlimmer.

        • Bislang ist es für Parteien scheinbar nicht attraktiv genug, sich echte gleichberechtigung und nicht gleichstellung auf die fahnen zu schreiben. das muss sich ändern, ein Grund, dass ich mit der bloggerei angefangen habe. Und nun treffe ich mich gar mit einer meiner politischen überzeugung nahestehenden partei, und überlege da mitglied zu werden.
          Tun kann man einiges.. da schon unterzeichnet: Frankfurter Erklärung ?
          Wieso ist es in deinem Land schlimmer?

          • Ist das zufällig die Partei „Die Partei“? xD

            In Mathe liegt der Abstand jetzt bei 14 und bei der Lesekompetenz bei 44 Punkten. Nur so als Info…

            • Zudem hat Lesekompetenz auch auch potentiell nicht so einen hohen monetären Nutzen wie Rechenkünste.
              Immerhin geht es ja in der Schulbildung generell nicht mehr um ein Bildungsideal, sondern darum, dem Markt möglichst früh Arbeitskräfte zur Verfügung zu stellen. ^^

    • Diesen Bericht über gar fürchterliche Benachteiligungen bei den Abiturprüfungen fand ich schon lächerlich als er das erste Mal in meine Filterblase gespült wurde.

      Auch hier nochmal:
      „A: Thema Abtreibung
      B: Unterdrückte muslimische Frauen in England
      C: Interview mit einer Politikerin die sich für die Frauenquote einsetzt“

      A: Themenbereich Genetic Engineering nehme ich an?
      B: Themenbereich Multikulturalismus
      C: Keine Ahnung, welcher Themenbereich das sein soll. Globalisierung? Dazu hätte er vielleicht mal ausführen sollen, was die Aufgabenstellung war

      *Zweiter Prüfungstag, Geschichte Leistungskurs. Hier ging es in einem Vorschlag darum, das FRAUENBILD zweier Epochen abzugleichen.*

      Ohje, in EINEM von insgesamt 3 Vorschlägen geht es um Frauen in der Geschichte? Unfassbar sowas.

      *Mathematik Grundkurs, Teilgebiet Stochastik:
      Hier sollte man rechnerisch belegen, dass Frauen bei der Jobsuche gegenüber dem Mann benachteiligt sind, wenn sie ein attraktives Bild in ihre Bewerbung einfügen.*

      Auch hier: Was gibt es denn für einen Grund, so eine Aufgabe (unter wahrscheinlich vielen) nicht zu stellen?

      *A: Gedichtinterpretation über die Rheinnixe Loreley.
      C: Textinterpretation über zwei Damen die unter Liebeskummer leiden.*

      A: Ja hm, ist ein wichtiges Werk der Romantik. Hätte man Heine vielleicht mal sagen sollen, dass es misandrisch ist, über Frauen zu schreiben -.-
      C: Auch hier: Was ist daran schlimm?

      Es ist ja schon ein bisschen albern, dass sich aus Prinzip ereifert wird, dass es zu frauenzentriert sei, aber richtig lächerlich wird es, wenn jetzt daraus geschlossen wird, dass es Jungs schwerer gemacht wird, ein gutes Abitur zu schreiben. Es gibt halt Frauen auf der Welt, ab und an wird über sie geschrieben, da machste nix.

      Ich möchte dazu anmerken, dass ich im selben Jahr Abitur geschrieben habe, sogar mit einer ähnlichen Fächerkombi, allerdings in NRW. Ich hatte ausschließlich männliche Protagonisten in den zu bearbeitenden Texten.
      Hab trotzdem ein gutes Abi geschafft🙂

      Aber offenbar bin ich als Frau da robuster und nicht so ein zartes Pflänzchen, dem sowas nicht zuzumuten ist

      • „*Mathematik Grundkurs, Teilgebiet Stochastik:
        Hier sollte man rechnerisch belegen, dass Frauen bei der Jobsuche gegenüber dem Mann benachteiligt sind, wenn sie ein attraktives Bild in ihre Bewerbung einfügen.*

        Auch hier: Was gibt es denn für einen Grund, so eine Aufgabe (unter wahrscheinlich vielen) nicht zu stellen?“

        Was wäre deine Reaktion, wenn Schüler anhand von Statistiken rechnerisch belegen sollten, dass Frauen weniger Beträge zur Forschung leisten als Männer?
        In Mathe geht’s um Mathe, und da sollte man auf gar keinen Fall über die Aufgabenstellung eine politische Agenda reinschmuggeln, egal für welche Seite.

        „Aber offenbar bin ich als Frau da robuster und nicht so ein zartes Pflänzchen, dem sowas nicht zuzumuten ist“

        Sind es nicht Feministinnen, die sich darüber beschweren, dass Frauen überall (auch in der Schule, Literatur und Kultur) unterrepräsentiert seien, und das ganz furchtbar diskriminierend sein (Stichwort Bechtel-Test)? Aber andersrum wird der Ruf nach Diversity auf einmal als „zartes Pflänzchen“ abgetan. Sorry, auch wenn ich dir grundsätzlich nicht widerspreche, damit wirfst du dein eigenes Glashaus ein.

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