Frauen als Hauptverdiener


Heute im Spiegel

KarriereSPIEGEL: Frau Müller-Münch, in Ihrem Buch „Sprengsatz unterm Küchentisch“ geht es um Frauen als Hauptverdiener der Familie. Die Große Koalition hat eine Frauenquote für Aufsichtsräte vereinbart. Hilft das auch Frauen in anderen Führungspositionen?

Müller-Münch: Selbstverständlich. Langfristig werden Frauen in den Chefetagen die Atmosphäre in den Unternehmen verändern. Und zwar so, dass sich nicht mehr nur Männer hier wohlfühlen. Sondern auch gut ausgebildete Karrierefrauen, die dennoch gern Kinder und Familie hätten und dafür das entsprechende Umfeld brauchen. Die anders Entscheidungen treffen, anders auftreten, anders miteinander umgehen, als dies Männer tun. Aber dass Frauen bislang oft im oberen Management aufgeben, ist kein Wunder: Die Arbeitszeiten sind nicht auf Familien zugeschnitten. Frauen in Spitzenjobs haben meist niemanden zu Hause, der dafür sorgt, dass abends das Essen auf dem Tisch steht.

Hmm. Frauen geben also im oberen Management auf, weil die Arbeitszeiten zu lange sind. Weil bei uns Karriere eben auch durch Mehrarbeit für die Firma verdient wird. Ich habe, in meinen jungen Jahren recht viel für meine Firma und meine Karriere getan. Ich habe das gerne gemacht, habe eine recht steile Karriere hingelegt. 90h Wochen waren da eher die Regel als die Ausnahme, ich habe vieles andere liegen lassen. Freundschaften schliefen ein, mein Sozialleben fand in der Firma statt. Ob das eine gute Entscheidung war? Keine Ahnung. Es war meine Entscheidung, und es war die richtige für mich. Die Tendenz, dass Frauen eben nicht ganz so bereit sind, auf vieles zu Gunsten der Karriere zu verzichten, lässt sich recht gut bei den Unternehmensgründungen ablesen. Der weibliche Gründeranteil liegt zwar bei knapp 40%, jedoch bleiben hier viele Unternehmen relativ klein. Ich habe in den letzten Jahren in Deutschland von keiner Firma gehört, die von einer Frau gegründet wurde und dann an die Börse ging. Halten wir aber fest: Die Frauenquote ist dafür da, dass Spitzenkräfte weniger arbeiten müssen.

KarriereSPIEGEL: Wollen Frauen diese Verantwortung überhaupt?
Müller-Münch: Ich kann mir nicht vorstellen, dass es ein tolles Gefühl ist, arbeiten zu müssen, um vier Personen ernähren zu können. Und das noch bei meist viel geringerem Verdienst als dem der Männer. Aber das Problem ist nicht die Verantwortung. Das Problem ist, dass die Männer mit dieser Situation nicht klarkommen. Ich habe Freundinnen, die ihrem Mann Geld zustecken, wenn sie essen gehen, damit er zahlen kann. Männer empfinden den Erfolg ihrer Frau als persönlichen Misserfolg, ergab eine Studie der University of Florida. Ein Mann, der den Haushalt macht, fühlt sich oft sozial deklassiert. Die Hierarchien haben sich ja doppelt verschoben, denn in unseren Köpfen besteht ein erfolgreiches Paar immer noch aus einem Professor und, möglicherweise gesellschaftlich anerkannt, einer Frau mit 450-Euro-Job. Selbst Internetkontaktbörsen verkuppeln nie einen Pfleger mit einer Oberärztin, sondern ganz traditionell Krankenschwester mit Chefarzt.

Das fette.. well… willkommen in der klassischen Männerwelt. Wer so einen Blick auf das Familieneinkommen hat, der möge doch bitte lieber Single bleiben. Eine Familie lebt von Aufgabenteilung, wer das Geld verdient, sollte egal sein. Wer aber meint, der Hauptverdiener reisst sich den Arsch auf für die Familie, während der nicht Erwerbs oder Teilzeittätige sich die Eier_stöcke schaukelt.. ne ich gehe da nicht weiter darauf ein. Solange Frauen und Männer Männer nur über ihren Status definieren, solange wird sich ein Mann, der weniger verdient als eine Frau minderwertig fühlen.

KarriereSPIEGEL: Wie geht man damit um, dass ein Job immer auch Statussymbol ist?
Müller-Münch: Wir wollen nun mal lieber erfolgreiche Menschen an unserer Seite als solche, die zu Hause rumhängen. Frauen müssten lernen, sich zu sagen: Ich bin eine tolle Type, mein Image hat mit meinem Mann nichts zu tun. Was Paare daraus machen, ist auch milieuabhängig. In Künstler- und Intellektuellenkreisen sagt man dann etwa: „Mein Mann schreibt ein Buch“ oder „er ist Fotograf“, „er ist Architekt“. Das klingt immerhin gut. Jedenfalls besser als: „Er arbeitet im Baumarkt und verkauft Kacheln.“

Wer ist da wir? Wir, die Frauen? Wir, die Menschen? Und definieren wir als Menschen „Buch schreiben“ als besser als „Er arbeitet im Baumarkt und verkauft Kacheln“? Mir persönlich ist Bildung wichtig. Ich wäre tatsächlich schon lange nicht mehr mit meiner Frau zusammen, wenn sie keine Allgemeinbildung hätte, die meiner ähnlich ist. Würde sie nun aber ihren Lehrerjob an den Nagel hängen, und stattdessen in einem Buchladen Bücher verkaufen, oder eben Fliessen, wäre mir das völlig wurst. Würde ihre Person nicht ändern.

Ich verstehe das ganze Interview nicht wirklich. Was will diese Frau für alle Frauen? Ich glaube, schlicht alles. Sie will dass Frau a) vom Mann versorgt wird, b) dass er einen Job hat, der mindestens den gleichen Status hat wie ihrer. c) dass sie neben einem topjob auch noch genügend Zeit hat, um sich hauptsächlich um die Familie kümmern zu können (also, 30h pro woche müssen doch für einen Vorstand ausreichen) Ich weiss nicht… das ist irgendwie nicht so ganz stimmig..

6 Gedanken zu „Frauen als Hauptverdiener

  1. Ein Mann, der den Haushalt macht, fühlt sich oft sozial deklassiert.

    Ja und ist das ein Wunder? Die gute Dame hat ja weinbar selbst nicht gerade die beste Meinung von Hausarbeit – wenn sie von Frauen gemacht wird. Die Rolle als Hausmann verkauft man nicht besonders geschickt, wenn man sie so charmant mit „Menschen, die zu Hause rumhängen“ umschreibt.

  2. Leider scheint die gute Frau auf dem Trip zu sein es wäre Möglich sich nur die Rosinen rauszupicken – Karriere, ja; aber bitte ohne die sozialen Nachteile; Famillie? Ja, aber..

    Eben nicht aber. Die Abwägung Karriere/soziales (und darunter fällt auch Familie) ist eine die auch der Mann ganz unabhängig vom „Status“ genauso wie die Frau treffen muß. Ich kenne sowohl Männer die Karriere vorn anstellen, und keine Famillie haben (oder wenig Zeit für diese), wie auch Männer die Arbeit hinten anstellen, einen 9to5 Job machen und sich um die Kinder kümmern. (Und ja auch die bei denen Vaterschaftsurlaub genommen wurde damit Daddy sich um das Kind kümmert, und nicht die Mutter).

    Die Idee das beides auf einmal perfekt geht ist schlicht Weltfremd.

  3. Du meinst ja, das deine Frau einen Lehrerjob hat. Für sie ist es tatsächlich kein großes Problem jahrelang eine Auszeit zu nehmen und wieder zurück in den Job zu kehren. Gerade in Jobs mit staatlichen oder kirchlichen Arbeitgeber ist dies gesetzlich oder Familienwertlich machbar, teilweise sogar erwünscht. Aber im Privatwirtschaftlichen Bereich ist die Lage ganz anders, weil Frauen/Mütter Kosten- und Unsicherheitsfaktoren sind. Die jungen Frauen, die ich aus dem Freundes- und Arbeitskreis kenne und die BWL studiert haben, die haben sich ganz klar für Karriere und gegen Familie entschieden.
    Einer meiner besten Freunde belastet dies sehr, er verdient wirklich genug, wünscht sich eine Familie und würde sogar Hausmann spielen, aber seine Freundin stebt ganz klar nur Karriere an und sie ist schon 29.
    Deswegen finde ich es schon krass, das sich Frauen teilweise nach der Schule mit 17/18… ihren Job aufgrund ihres Familienwunsches auswählen müssen,worauf es hinausläuft. Oder ihren Partner.

    • Das hat aber alles nichts mit ihrm GEschlecht zu tun, sondern ihren Entscheidungen. Meine Frau war nie an so an Karriere und auch Geldverdienen interessiert wie ich. Kinder waren mir aber trotzdem wichtig.Für mich wurde die Firma dann etwas unwichtiger, mein leben besteht nun aus Familie und Job. Für andere Freunde habe ich nur noch wenig Zeit.. Man muss sich entscheiden, was man will, das halte ich aber nicht für schlimm. Ich finde es aber vermessen, das recht zu fordern, dass wer der nur 20h die Woche arbeitet die gleiche Karrieregeschwindigkeit haben muss, wie jemand der 60h+ arbeitet. Klar, arbeitszeit ist nicht leistungszeit. Wenn ich aber eine firma aufbauen will, dann reichen 20h eben nur selten. Ich hatte letztens eine Gründerstudie zur hand, da mach ich demnächst auch einen Blogeintrag draus.
      Zu deinem Freund: Meine Frau und ich waren 32 als wir das erste kind bekamen. Wenn er den Haushalt schmeisst, dann kann seine Frau auch weiterhin Karriere machen. Das geht. Eine Studienfreundin von mir hat gerade ihr 3. Kind und zieht nun demnaechst nach NY, sie leitet die HR einer großen Beratungsfirma. Klar, als lehrer hat man es da wirklich leicht. Aber, meine Frau muesste auch überhaupt nicht arbeiten. Dein Freund sollte halt, so wie meine Frau auch, dafür sorgen, dass er auch im alter gut versorgt ist. Das lässt sich aber alles regeln.

  4. Pingback: Mütter haben gelernt, theoretisch | Mein Senf

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