Sozialpolitische Vision?


Von Elmar

Mir persönlich ist es peinlich, sagen zu müssen: Ja, DEN Maskulismus gibt es nicht. Das liegt aber nicht wie beim Feminismus an einem Märchen über inkommensurable Meinungsvielfalt, sondern daran, daß der Maskulismus immer noch irgendwo zwischen sozialer Empörungsbewegung und Menschenrechtsbewegung mit einem besonderen Fokus auf Männer vor sich hin dümpelt. Zwar gibt es vor allem für entrechtete Väter recht präzise Forderungen, aber es fehlt an einer generellen sozialpolitischen Vision. Männer, Männerrechtler und Maskulisten sind aufgerufen, das zu ändern, aber es sind kaum Ansätze dazu sichtbar, theoretisches Rüstzeug vorzulegen, daß es erlauben würde, die soziale und rechtliche Realität von Männer zu beschreiben, zu analysieren oder Forderungen mit dem Hinweis auf Gerechtigkeitsverletzungen zu erheben.

Ich bin mir nicht sicher, ob ich das so will. Der Weg, einen umgedrehten Feminismus zu bauen, wäre beinahe vorgeschrieben. Man kann sich überlegen, den Humanismus weiterzuentwickeln. Ein maskulistischer Theorie-Unterbau. Das würde wahrscheinlich auch mit soetwas wie SCUM enden. Ich glaube, wir müssen da ganz vorsichtig sein. Momentan speist sich der Maskulismus noch sehr aus verbitterten Männern. Diese sind, entsprechende Theorie vorausgesetzt, leicht zu radikalisieren. Ich glaube nicht, dass da etwas Gerechtes rauskommen würde.
Wenn einen theoretischen Unterbau für unsere Gesellschaft, dann einer, der alle Menschen mitnimmt. Und der kann dann weder Maskulismus noch Feminismus (male-ism bzw. female-ism) heissen.
Auch eine andere Forderung von Elmar kann ich nicht gutheissen:

Zum Beispiel haben Männer – so sehr sie auch bei der Anbahnung von Beziehungen aktiv sind – wenig Ahnung davon, wie sich sich innerhalb von Beziehungen verhalten sollen. Frauen beklagen das oft zu recht und wir Maskulisten sagen nichts dazu. Was soll das?

Sorry, aber so wie mir keiner ungefragt in mein Beziehungsverhalten reinredet, so will ich das auch nicht bei anderen tun. Eine Beziehung besteht immer aus mindestens zwei Individuen, und die beiden mögen das unter sich selbst ausmachen. Wenn das mal schiefgeht, lernt man daraus.

Ich bleibe dabei, Ungerechtigkeiten zu benennen, und engagiere mich nun auch in einer Partei. Gleichberechtigung ist mir wichtig, aber die Geschlechterbeziehung dominiert nicht alle Themen, die mir wichtig sind.

4 Gedanken zu „Sozialpolitische Vision?

  1. „Das würde wahrscheinlich auch mit soetwas wie SCUM enden.“

    Deine Prognose leuchtet mir wenig ein. Worauf stützt du sie?

    „Momentan speist sich der Maskulismus noch sehr aus verbitterten Männern.“

    Das ist sicher nicht ganz falsch, aber sollen wir deshalb nicht anfangen, nachzudenken? Die Gefahren, die du hier bannen willst, seh ich nicht so ganz.

    „Sorry, aber so wie mir keiner ungefragt in mein Beziehungsverhalten reinredet, so will ich das auch nicht bei anderen tun.“

    Nein, so pauschal kann man die eigene Gestaltungsfreiheit wohl doch nicht verteidigen und das hat vielleicht gar nicht mal so viel mit Männern zu tun: Wenn z.B. jede Diskussion über Konflikte in der Beziehung verweigert wird, dann kann man das kritisieren, ohne daß dir deshalb gleichzeitig vorgeschrieben wird, wie du deine Beziehung führen sollst.

    Gleiches gilt z.B. für die Verletzung der sexuellen Würde.

    • „Deine Prognose leuchtet mir wenig ein. Worauf stützt du sie?“
      Weil alle Zutaten da sind. Zunächst ein ehrliches Ziel (Gleichberechtigung), eine verbitterte Masse, die solche Bücher kaufen würde. Je populärer der Maskulismus werden würde, umso mehr Bücher gäbe es, und wenn der Maskulismus eine Ideologie würde, wird es die auch in der extremen Ausprägung geben. Nein, ein soziologisches, vernünftiges Model kann kein Geschlecht haben, das muss beides beinhalten. Schau dir den Feminismus an, die Entwicklung da ist nicht Frauenspezifisch. Wir Männer sind ja soch schlecht nicht im fanatisieren. Das einzige, was uns bislang vom Scum Äquivalent abgehalten hat, ist der Beschützerinstinkt.
      Zur Beziehungskiste..
      Klang anders. Aber Beziehungen sind immer recht einzigartig. Ich glaube da auch nicht wirklich an Beziehungsratgeber. Es gibt Beziehungskonflikte, bei denen Diskussionen darüber schlicht nichts bringen. Oder gar schädlich sind.

      • „Das einzige, was uns bislang vom Scum Äquivalent abgehalten hat, ist der Beschützerinstinkt.“

        Scheint mit ein ziemlich an den Haaren herbeigezogene und groteske Vereinfachung zu sein. Ich seh nicht den mindesten Grund, warum wir auf einem Puverfaß sitzen sollten und was du an Indizien anführst, scheint mir für diese Vorhersage auch ungeeignet.

        >Weil alle Zutaten da sind. Zunächst ein ehrliches Ziel (Gleichberechtigung)
        Ist keine notwenige Bedingung: Pogrome z.B. brauchen keins.

        >eine verbitterte Masse, die solche Bücher kaufen würde.
        Die gibt es ja nicht. Die Radikalen verschwinden mehr und mehr und die normalen Männer sind von einem revolutionären Potential weit entfernt.

        „Je populärer der Maskulismus werden würde, umso mehr Bücher gäbe es, und wenn der Maskulismus eine Ideologie würde, wird es die auch in der extremen Ausprägung geben.“

        Das stimmt möglicherweise. Aber deshalb machen wir ja gerade auch das, was die Gründen, die AfD und die Piraten zu ihren Anfängen nicht getan haben: Wir trennen uns von den Radikalen.

        „Wir Männer sind ja soch schlecht nicht im fanatisieren.“
        Ich kann keinen Grund sehen, der dir das Recht geben würde, von Lautstärke auf Repräsentativität zu schließen.

        >Klang anders.
        Ist auch anders. Denn immerhin ist es kein Problem, Beziehungen vom moralischen Standtpunkt zu kritisieren und wenn humanistischer Antisexismus irgendwas bedeuten soll, dann wird das auch Konsequenzen für die Beurteilung von Beziehungen haben, das kann man gar nicht vermeiden.

        >Aber Beziehungen sind immer recht einzigartig.
        Mag ja sein, aber Beziehungen kritisieren zu können, ist nicht identisch damit, Leuten vorzuschreiben, wie sie leben sollen.

        „Es gibt Beziehungskonflikte, bei denen Diskussionen darüber schlicht nichts bringen. Oder gar schädlich sind.“

        Ich seh das wie du, aber ich schrieb ja – hast du womöglich überlesen – daß die Version von Maskulismus, die ich für vernünftig halte, eben weder ein Weltanschauung noch irgendeine Art von Welt- oder Frauenerklärungstheorie sein will.

        Von diesem Punkt aus die Notwendigkeit eines „Wehret den Anfängen“-posts, wie du ihr vorgelegt hast, zu sehen, ist nach meiner Einschätzung eher fernliegend.

  2. Theorie-unterbau? Wenn ihr damit meint was ich verstehe, dann halte ich das für keine gute Idee. Selbst wenn da keine extreme Radikalisierung wie Scum bei rausfällt wird genauso wenig eine objektive oder gerechte argumentation abfallen.

    Ich persönlich bin ja auch genervt wenn irgend eine pseudo Feminismus trulla mich ankeift wenn ich ihr die Tür aufhalte. Ihr Theorie-Unterbau besagt halt das mach ich um sie zu demütigen und in die Rolle der schwachen Frau zu drücken. (in meiner Welt ist es schlicht höflich jemand anderem, egal des Geschlechtes die Tür auf zu halten.)
    Solche Theorien führen nur zu noch mehr Reibereien und lenken vom eigentlichen Thema (dem der gleichen Rechte) ab.

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