Wofür mache ich den Feminismus verantwortlich?


Ist der Feminismus verantwortlich für alles Leid der Welt? Ganz sicher nicht. Er ist ebensowenig verantwortlich für die alle Ungerechtigkeiten im Geschlechterzusammenleben.
Wofür mache ich ihn verantwortlich? Mann und Frau in meiner Generation begegnen sich auf Augenhöhe. Auch wenn ich Emazipation und Feminismus nicht als kongruent betrachte, waren beide Bewegungen anfangs doch sehr verknüpft. Meine beiden Töchter werden ganz selbstverständlich eine gute Bildung erhalten, und können sich überlegen, was sie mit ihrem Leben anfangen wollen. Ziemlich sicher werden sie eine ganze Zeit lang selbstständig leben. Finde ich fantastisch.
Der Feminismus kann auch ganz sicher nix dafür, dass es eine Wehrpflicht nur für Männer gibt, oder dass es selbstverständlich ist, dass der Mann gefälligst für die Familie zu sorgen hat, selbst wenn er von dieser getrennt wurde. Oder dafür, dass Männer kürzer leben als Frauen. Oder dafür, dass nur Frauen Kinder bekommen können.
Was also ist es, das mich dazu bringt, den Feminismus zu kritisieren? Egal was ich bislang gelesen habe, überall steht, dass Frauen ungerecht behandelt werden. Wieso gibt es so wenige Dax Aufsichtsräte? Das kann doch nur damit zusammenhängen, dass Männer nur Männer befördern. Es hat nichts damit zu tun, das Frauen sich um ihre Kinder kümmern wollen. Da muss doch ganz ein Gesetz her. Ich glaube, wenn es eine Sache gibt, die es gut zusammenfasst, dann ist es die: „Der Feminismus will für Frauen alle Rechte der traditionellen Frauenrolle, plus alle Rechte der traditionellen Männerolle, ohne die Pflichten der traditionellen Männerrolle (und die Pflichten der traditionellen Frauenrolle laden wir entweder beim Staat oder bei den Männern ab). Bei den meisten Feministen wird Mann sein als überprivillegiert angesehen. Die Pflichten, die die Rolle mit sich bringt, werden nicht gesehen. Irgendwo habe ich gelesen „Welcher Mann würde für den Job seiner Frau ins Ausland ziehen?“ „Welche Frau wäre bereit, einen Mann im Ausland komplett zu versorgen ohne ihn Faulpelz zu nennen?“

Ich habe überhaupt kein Problem damit, wenn eine Frau sich in eine Männerrolle stürzt.
Ein Problem habe ich dann damit, wenn eine Feministin dann rumjammert, dass Beruf und Familie ja so schwer unter den Hut zu bekommen sind. Das gefordert wird, man muss auch mit 20h in der Woche Führungskraft sein können. Das mag mit kleinen Teams noch gehen, irgendwann dann nicht mehr so gut. Das hat dann aber nix mit Frau wird benachteiligt zu tun. Das hat was damit zu tun, dass man Prioritäten setzen muss. Der Tag hat nunmal nur 24h.
Oder der Genderpaygap. 22% sagen fast alle politischen Kräfte. Dass der, sobald man Gleiches mit Gleichem vergleicht in die statistische Irrelevanz schmilzt, unerheblich. Dann wird argumentiert, dass „Frauenberufe“ wegen des Patriachats schlechter bezahlt werden. Ich würde sagen, solche Berufe werden deshalb von Frauen besetzt, weil sie es sich leisten können. Weil Frau es im verbreiteten Modell nicht nötig hat, die Familie hauptsächlich zu ernähren. Und Erzieherin ihr mehr Spass macht als bei Daimler im 3 Schichtbetrieb am Band zu stehen.
Ich laste dem Feminismus weiterhin an, unsere Parteien kaputgemacht zu haben. Alle derzeitigen im Bundestag vertretene Parteien haben eine Frauenquote, die weit über den Frauenanteil in der Partei hinausgeht. Was bitte soll das? Geschlecht ist doch keine Qualifikation! Teilhabe? Ja dann tretet doch bitte in eine Partei ein. Wählt die besten für topjobs. Aber nein, das reicht nicht. Man müsste sich ja durchsetzen. grmblfx.
Der post ist etwas hingerotzt, das Thema gibt deutlich mehr her, ein andermal vielleicht.

10 Gedanken zu „Wofür mache ich den Feminismus verantwortlich?

  1. grmblfx??? lol

    Sehe ich im großen und ganzen auch so. Am meisten stört mich diese Scheinheiligkeit in der Bildung. Das wurde hier mal böse Zusammengefasst:

    http://www.wiwo.de/politik/deutschland/bettina-roehl-direkt-der-alles-erdrueckende-konsens-der-bundesrepublik-seite-all/9226806-all.html

    „…Auf diesem Gebiet, nämlich auf dem Gebiet einer kontraproduktiven Bildungspolitik, die ein erschütternden Maß an Klugquatscherei verbunden mit einem überzogenen Anspruchsdenken erzeugt, hat sich besonders die SPD breit gemacht. Die neueste Pisa-Studie sagt, dass Schülerinnen in Mathematik nicht ganz das Leistungsniveau ihrer männlichen Kollegen erreichen. Und das, wo uns die durchgegenderte, durchintegrierte, durchantidiskriminierte, durchfeminisierte Bildungsforschung und Bildungspolitik längst eingeredet hatten, dass Mädchen die besseren Schüler und die besseren Berufsqualifikanten wären. Die Begründung der Profis, dass die Mädchen in der neuesten Pisa-Studie schlechter abschnitten, war entlarvend: Mädchen wären halt zu schüchtern, um sich am Mathematikunterricht adäquat zu beteiligen. Es handelt sich um dieselben Mädchen, denen ansonsten bescheinigt wird, besser kommunizieren zu können und den Jungs und in allen Nicht-MINT-Fächern haushoch überlegen zu sein und dies gerade auch wegen ihrer eloquenten mündlichen Beteiligung am Unterricht. Tatsachen, die nicht passen, werden eben ideologisch passend gemacht, aber bitterböse Tatsache bleibt, dass eben auch im Bildungsbereich die Gleichmacher in Wahrheit Selektion betreiben:

    Sie trennen die Mädchen, die sie fördern, die Migranten, die sie fördern, die Leistungsschwachen, die sie fördern von den bösen Bengels, die künstlich benachteiligt werden und die permanent belehrt werden, warum sie nicht richtig sind, dass das Jungesein und das Hormon Testosteron im Prinzip ein Makel wären…“

    Zugegeben, der Text ist sehr pessimistisch, aber in Sachen Bildung stimmt da etwas einfach nicht. Es gibt ca. 94 MINT-Förderprogramm für Mädchen, um deren PISA-Rückstand von 14 im Bereich Mathematik aufzuholen, aber nur 3-4 Programme um den Lese-Rückstand der Jungen von 44 gegenüber den Mädchen zu verringer. Bildungsprobleme von Jungen werden ausgeblendet oder relativiert, selber Schuld halt. Schlägt die Mädchenförderung nicht an oder gibt es einen Bereich in dem Mädchen schlechter abschneiden, liegt das nicht an den Mädchen sondern an dem Umfeld oder den Jungs.

    Ich kann auch in keiner Weise nachvollziehen, warum es sinnvoll ist Jungs im Unterricht pauschal niederzumachen (ausser natürlich das dies das Ziel ist). Was denken sich solche Lehrer/in dabei. Aus dem persönlichem Umfeld, 9-10 Klasse, Geschichte: Die Lehrerin erklärt der Klasse gerade, dass Jungs und Mänenr heutzutage nicht mehr gebraucht werden. Mädchen machen die besseren Noten, besser Abschlüsse, kriegen bessere Jobs und machen noch den ganzen Haushalt. Jungs und Männer können nicht mal Kochen, Bügel und Wäsche waschen. Als Beweis fragt sie die Klasse wer denn alles Kochen kann. Fast alle Jungs und einige wenige Mädchen melden sich. Da kriegt das Weltbild der Frau Leherin einen tritt.

    Ich finde dieses Vorgehen zutiefst schädlich, es wird von Parteien gebilligt oder gefördert und ich mache für diese künstliche Benachteiligung der Jungen eine feministische Bildungspolitik verantwortlich.

    Mehr dazu auch hier:
    http://jochenebmeier.wordpress.com/jungenproblem/

  2. Dieses „Geschlechterproblem“ in der Schule bemerke ich ganz eindeutig in der Schullaufbahn meines Sohnes. Er ist in einer Klasse mit 19 Jungs und 5 Mädchen. Das springt zwar aus dem statistischen Rahmen ist aber so. Dennoch sind die Lehrerinnen sich nicht fiest genut, die angebliche „Überlegenheit“ von Mädchen im Sozial- und Lernverhalten der Mädchen ständig über das der Jungs zu stellen. Jungs werden systematisch so erzogen, dass sie weniger wert als Mädchen sind. Die Mädchen werden so erzogen, dass sie zu einer Elite gehören. Ähnliches hatten wir bereits in anderer Form.

    Heutzutage kann man als sich sorgender Elternteil sehr froh sein, wenn man eine Tochter hat. Mädchen haben es mittlerweile leichter an Bildung zu kommen. Da ich ja schon viele „Untriebe“ bemerke, bin ich ständig damit beschäftigt, das Selbstbewusstsein meines Sohnes aufzubauen. Dabei muss ich ihm leider immer wieder sagen: „Überleg‘ Dir, wer sowas sagt und überleg‘ Dir, was Du so alles im Vergleich zu den Mädchen kannst. Du kannst mehr als in der Klasse stillzusitzen und schön zu schreiben.“

    Das ist von der Aussage her sexistisch. Wer beschwört aber diesen Sexismus herauf? Es sind die s. g. Pädagogen – hier zumeist in der weiblichen Ausgabe. Würde er als Junge nicht schon so in seinem Selbstbewusstsein untergebuttert werden, müsste ich solche Dinge nicht von mir geben. (Andererseits bin ich damit beschäftigt, ihm sein „Mädchen sind alled doof!“ auszutreiben, was ich aber nicht ernsthaft betreiben, weil ich annehme, dass wir eine solche Einstellung alle aus unserer eigenen Kindheit kennen. ;))

    Es ist aber auch tatsächlich so, dass gerade feministische Frauen ganz groß darin sind, Dinge aufzuzählen, die sie nicht können müssen, weil diese ja alle so ganz fies böse schlimm patriarchalisch sind! Kochen, putzen, nähen und dergleichen sind keine Dinge, die nötig sind, um seinen Alltag gesund zu gestalten: Nein! Sie sind patriarchal! Ich war bisher übrigens noch mit keiner Frau zusammen, die irgendwie in der Lage war, einen Haushalt einigermaßen hygienisch zu halten. (Okay, ich war in der Partnerwahl auch wohl sehr ungeschickt…)

    Sie müssen es aber auch nicht mehr sein. Der Feminismus befreit sie ja von allem. Studiengänge werden so für Frauen angepasst, dass sie auch hier „eine andere Leistung“ erbringen müssen, damit die Studiengänge attraktiv für sie werde. Ich weiß zumindest aus der Informatik, dass dort aus einem technischen Studiengang so langsam ein „sozialer Laberstudiengang“ wird, der attraktiv für Frauen sein soll. Das einzige was aber passiert ist doch, dass abgeschlossene Informatiker in Deutschland qualitativ hinter den Abschlüssen anderer Länder hinterherhinken werden. Da die Frau sich aber von allem Unangenehmen entligen kann, weil es ja patriarchal ist…

    Die Quote in den Parteien… Ja, ich selbst habe eine Gleichstellungsbeauftragte in einer Partei erlebt, die die Zahlen an die Wand projiziert hat, in denen aufgeführt war, wie die Positionen in der Partei besetzt sind. Alle Zahlen waren so, dass übeer 50 % mit Frauen besetzt waren. Sie sprach aber davon, dass diese Wert viel zu niedrig seien.
    Was schließt man daraus? Frauen bekommen ohne sich der Konkurrenz „Mann“ stellen zu müssen gewisse Positionen. Sind diese Positionen schon mit über 50 % der Frauen besetzt, reicht es den Damen immer noch nicht. Äh. Ja. Wo führt sowas wohl hin?

    Von der SPD und den Grünen brauchen wir gar nicht anzufangen.

    Gender pay gap. Ich weiß ja nicht, ob die Menschen, die so etwas propagieren einfach nur zu blöd sind oder ob sie einfach „nur“ mit Absicht eine finstere Ideologie verkaufen. Beides ist schlecht. Beides führt zu weniger Demokratie und weniger Geschlechtergerechtigkeit.

  3. Man entschuldige bitte meine Tipp und sonstigen Fehler. Ich bin halt emotional bei der Sache. …und das als privilegierter weißer, heterosexueller Mann.😉

    • Es ist ja soweit, dass Feminsmus gar nicht als sexistisch wahrgenommen wird. Sobald man dies aber anmerkt, wird man ein Ecken gesteckt, in die eigentlich der Feminismus gehört.

      Ich merke anhand meines Blogs, dass Kritik am Feminismus immer direkt als Frauenfeindlichkeit wahrgenommen wird, obwohl es sich um das genaue Gegenteil handelt. Ja, es stört. Es stört ungemein. Es stört vor allem auch eine gesunde Entwicklung in der Gesellschaft.

      • das liegt aber sehr am Umfeld. Wir diskutieren hier ja mit menschen, die sich mit dem feminismus beschäftigen. Und wenn du Feministen kritisierst, dann wird dich eine Feministin natürlich als frauenfeindlich sehen. Im RL sieht das anders aus. Als ich meiner Frau die femen seite gezeigt hab, ist sie ausgetickt😉

        • Ich habe wegen meines Blogs kürzlich den Kontakt zu einer Dame verloren.

          Sie war halt „anderer Ansicht“ als ich und es war Grund genug, den Kontakt einseitig einschlafen zu lassen.

          Mag aber sein, dass es „draußen“ auch anders ist. Ich traue mich ja zumeist gar nicht das Thema überhaupt anzuschneiden, weil ich immer wieder in eine Ecke gedrückt wurde, in die ich gar nicht gehöre.

  4. „Ich laste dem Feminismus an, dass er jeglichen Verdienst des Mannes negiert. “

    Aber hey, Du weißer und privilegierter Hetero-Mann, Dir sind doch die gebratenen Tauben seit der Geburt in den Mund geflogen, oder nicht? Zumindest habe ich manchmal den Eindruck, dass diverse Feministinnen das ernsthaft glauben, dass ein Penis der Schlüssel zu einem privilegierten, ja sorgenfreien Leben sei. Bei Rassisten würde man sagen, sie seien auf dem rechten Auge blind. Wie sagt man das einer Feministin am besten?

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