Emma: Ein Brief geht um die Welt


Nachdem sogar Robin den Emma Artikel twittert, gebe ich nun doch auch meinen Senf dazu.
Den übersetzten Text findet man in der Welt.
Eine ehemalige dänische Prostituierte berichtet da:

Lieber Sex-Käufer,
falls Du glaubst, dass ich jemals Lust auf Dich hatte, liegst Du schrecklich falsch. Nicht ein einziges Mal bin ich mit Lust zu meinem Job gegangen. Das Einzige, was mich beschäftigt hat, war, schnelles Geld zu verdienen. Verwechsle das nicht mit leicht, denn leicht war das nicht. Aber schnell, ja. Weil ich viele Tricks lernte, wie Du so schnell wie möglich kommst – sodass ich Dich, auf mir, unter mir oder hinter mir, so schnell wie möglich wieder loswerden konnte

Ok, legitim. Ich glaube, die wenigsten Sexworker machen ihren Job aus Lust am Sex (sonst wäre das wohl umsonst).

Nein, auch während des Sex empfand ich keine Lust. Ich war nur gut darin, Dir das vorzuspielen, weil ich das viele Jahre lang umsonst üben konnte. Tatsächlich kann man das auch als Multitasking bezeichnen, denn während Du da lagst, waren meine Gedanken an einem anderen Ort. Ein Ort, an dem ich mich nicht darum kümmern musste, dass ich es Dir erlaubt hatte, meine Selbstachtung aus mir herauszusaugen

Lust vorgespielt, auch legitim ist ja sowas wie Schauspielsex. Aber Selbstachtung aussaugen? Warum sollte dein Kunde das wollen? Dem ging es um Sex mit dir. Deswegen hast du ihm doch Spass vorgespielt und nicht Erschütterung, Passivität, und Erniedrigung.

Ich hatte nur Verachtung für Dich übrig. Gleichzeitig hast Du etwas in mir zerstört, du hast nämlich Zweifel in mir gesät. Zweifel, dass alle Männer so zynisch und untreu sind wie Du. Wenn Du mein Aussehen gelobst hast, meinen Körper oder meine sexuellen Fähigkeiten, hättest Du genauso gut auf mich spucken können. Du hast nicht den Menschen dahinter gesehen. Du hast nur das gesehen, was Deiner Illusion der geilen Frau mit der nicht zu stoppenden Sexlust entspricht.

Er hat nur gesehen, was du ihm gezeigt hast. Wenn ich eine Dienstleistung anbiete, diese erbringe, dafür gelobt werde, dann empfinde ich das eigentlich nicht als „Bespucken“.

Wenn Du geglaubt hast, Du wärst ein Heiliger, weil du mich fragtest, was so ein niedliches Mädchen wie ich denn da mache, dann hast Du Deinen Heiligenschein verloren, als Du mich kurz darauf gebeten hast, mich auf den Rücken zu legen

Die Dinge, die ich hören wollte, hast Du einfach nicht gesagt. Im Gegenteil: Du hast nur das gesagt, was Du selbst hören wolltest. Dinge, die Deine Vorstellungen bestätigten und die bewirkten, dass Du der Frage aus dem Weg gehen konntest, wie ich im Alter von 20 Jahren dort gelandet war. Das war Dir völlig egal. Denn Du hattest nur ein Ziel: Deine Macht zu beweisen, indem Du mich bezahlst und meinen Körper benutzt, wie es Dir gerade gefällt.

Welche Dinge denn? Sowas wie hey, ich bin ein Schwein, hab‘ dich zwar gebucht, du hast andere Termine abgelehnt, aber hey, Sex sollte nur was zwischen liebenden Menschen sein, lass mal gut sein, ich geh wieder.

Wenn Du Sex kaufst, sagt es sehr viel über Dich aus, Deine Ansichten über Menschen und über Deine Sexualität. In meinen Augen ist es ein ziemlich großes Zeichen von Schwäche, selbst wenn Du es mit einer kranken Form von Macht und Status verwechselst.

Da bin ich fast auf ihrer Seite. Müsste ich für Sex zahlen, würde ich mich tatsächlich unter- und nicht überlegen fühlen.

Du glaubst, Du hast ein Recht dazu. Die Prostituierten sind ja ohnehin da. Aber weiß Du was? Die Prostituierten sind nur da, weil Männer wie Du einem gesunden und respektvollen Verhältnis zwischen Männern und Frauen im Weg stehen. Die Prostituierten existieren nur, weil Männer wie Du sich berechtigt fühlen, ihre sexuellen Bedürfnisse in den Körperöffnungen anderer Menschen zu befriedigen.

Da platzt mir ein bischen die Hutschnur. Gäbe es „Recht“, sexuelle Bedürfnisse in den Körperöffnungen anderer Menschen zu befriedigen“ dann könnten Frauen wie Du damit kein Geld verdienen. Du wolltest schnelles Geld verdienen, und deine Kunden waren bereit, es dir zu bezahlen. Sie waren bereit für etwas zu zahlen, was eigentlich umsonst sein sollte. DU hast ein Preisschild an deine Sexualität geklebt. DU wolltest das verkaufen, machst den Kunden aber den Vorwurf, dass sie auf DEIN Angebot eingingen?
So geht das eine ganze Weile weiter.
Es endet mit:

Lass uns rufen, dass Sex keine Ware ist, aber dass es großes menschliches Leid gibt, wenn es wie eine solche angesehen wird. Lass uns in die Welt rufen, dass Geld und Sex nicht zusammengehören, sondern dass Sex unter ganz anderen Gesichtspunkten stattfinden sollte. Dann gewinnst Du meinen Respekt wieder, und ich werde Dich als den Menschen ansehen, der Du bist – und nicht als Sexkunden, der sich von einer Illusion leiten lässt.

Meine Vermutung: Du wolltest das schnelle, einfache Geld verdienen. Im Nachhinein war das doch nicht so leicht, wie du es dir vorgestellt hast, die Kohle war aber ok, also hast du das weitergemacht. Irgendwann nach Deiner Tätigkeit hast du was über Rape-Culture gelesen und sprichst dich nun selbst von deiner Verantwortung frei. Kann man mal machen, halte ich aber für komisch. Gäbe es Prostitution nicht, hättest du dich wahrscheinlich an einen reichen alten Sack rangeschmissen, und hättest ihn später genauso verurteilt (und mit ihm gleich alle Männer).
Was nicht angeboten wird, kann man nicht kaufen. Ich hätte gerne ein Wasserstoff Auto, gibt es leider nicht zu kaufen (zumindest nicht für Geld, das ich habe), also habe ich keines. Sollte mir aber eines bezahlbar anbieten, dann würde ich das tun. Gäbe es keine Frauen, die an der Nachfrage nach Sex Geld verdienen wollen, gäbe es nur noch die Zwangsprostitution und ich könnte dich absolut verstehen.
Solange Frauen ihre Sexualität als etwas ansehen, was Sie „geben“ und Männer „erhalten“, solange wird es Frauen geben, die sich ihre „Gabe“ bezahlen lassen.
Was kann man also tun, um Frauen dein Schicksal ersparen? Ich bin da für Aufklärung. In Dänemark sollte eigentlich bekannt sein, was man so als Prostituierte tut, aber gerade in den ärmeren europäischen Ländern sollte man, darüber aufklären, was für Folgen der Job mit sich bringen kann. Dass es eben nicht für jede leicht verdientes Geld ist.
Eine schöne Utopie ist es, dass wir irgendwann dahin kommen, dass mehr Frauen dahinkommen, dass Sex nicht etwas ist, was sich Mann erarbeiten muss, sondern dass Sex etwas ist, dass schon alleine des Sexes wegen Spass machen kann.

9 Gedanken zu „Emma: Ein Brief geht um die Welt

  1. Einfach mal auskotzen und damit Kohle verdienen! Ich kaufe das der nicht ab und verbuche das mal unter Männerbashing oder unter Personen die anderen ihre ach so moralischen Überlegenheit unter die Nase reiben wollen.

    • ich und wordpress haben noch spass miteinander… ich hab keine ahnung, warum da manchmal der code verschluckt wird. passiert mir immer mal, wenn ich den beitrag nach dem publizieren nochmal bearbeite….

  2. Huch Gott nein, sie hatte Sex mit Männern, wollte schnelles Geld und ist nu sooooo enttäuscht… Ich wusste nicht das Alice im Puff gearbeitet hat, und dann auch noch in Dänemark?

    Nun mal im Ernst.
    Zu einer Prostituierten kommen in der Regel verschiedene Typen von Freiern, wenn sie sich spezialisiert sieht das evtl. anders aus. Sie hatte aber nur eine Sorte von Freiern… Huch Gott, wo war sie? Im Laufhaus?

    Und ja, ein Bauarbeiter der nur Steine geschleppt hat, kann den Brief auch so schreiben, etwas umschreiben, aber im grossen und ganzen ähnlich.

    Also wenn sie keinen Bock auf den Job hat, dann aufhören, Konsequenzen ziehen und nicht Sex gegen Geld anbieten. Wenn sie das Geld will, arbeiten gehen, Studieren um mehr Geld zu kriegen und gut ist. Aber wer beides will ist halt Feminist und ausgebeutete Prostituierte…

    Das es auch anders geht sieht man in „Fucking Berlin“, da ist nun mal nicht das übliche Weltbild von Alice abgebildet. Jeder Job ist nun mal für jeden geeignet. Ich könnte weder Dachdecker (Höhenangst) und .Krankenpfleger (zu viel Mitleid)…

    Ohne Werbung machen zu wollen, hier Fucking Berlin…
    http://www.amazon.de/Fucking-Berlin-Teilzeit-Hure-Sonia-Rossi/dp/3548372643

    Hier beschreibt eine Frau ihren Job, den sie machte um das Studium zu finanzieren. In der Presse wurde das Buch gelobt, ich selbst fand es nicht so dolle, nett geschrieben, aber das war es schon. Aber die Geschichte ist halt anders, keine Knete, Miete fällig und schwups, ab in den Puff… Sie ist übrigens auch ne, ich bin wichtig Mutter, evtl. lag es ja daran, dass ich das Buch nicht mochte…

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