Computerkarrieren


Ein bisschen inspiriert von dem Kommentarstrang
Ich erzähle mal, wie ich zu den Rechnern kam.
Angefangen hat alles mit einer Atari 2600 Konsole:
Atari
Rein zum spielen, da war ich so 7 Jahre alt. Kurz darauf bekam ich meinen ersten „Computer“ einen Sinclair ZX81, den mein Cousin ausgemustert hat, der sah so zx81 aus. 1 KB Speicher, aber ich hatte auch eine 16kb Erweiterung. Da ging es dann ein wenig mit dem Programmieren los. Basic, relativ einfach alles. Ich hab‘ Tage an der Kiste verbracht. Mein normaler Kassentenrecorder nebendran (16KB in basic ist gar nicht soviel, da muss nachgeladen werden). Später dann der C64.
c64
Was ein großartiges Gerät. Erst normales Basic, dann ein wenig mit Assembler gespielt, Unmengen an Zeilen Code von der Input64 abgetippt. Kann sich wer noch an die Freude erinnern, als endlich die Prüfsummen nach jeder Zeile eingeführt wurden?
Mit dem Amiga dann war es vorbei mit dem Programmieren, auf der Kiste habe ich dann nur noch gespielt. Nebenbei habe ich bei meiner Mutter im Geschäft, da war ich so um die 15 rum, meine erste Erfahrung mit DBase gemacht. Einfache Suchfunktionen für Immobilien, die die verkauft haben (war auf einem Olivetti M24). Die Wing Commander Reihe brachte mich dann zum ersten 386er, Als Privateer rauskam habe ich mich dann mit Hardware befasst und das Mainboard getauscht. 486 DX40, Spea V7 Mirage, Vesa Local Bus. Die Mädels in meiner Klasse fanden unsere Computerlust ziemlich albern, konnten damit nichts anfangen. 94 Begann dann so meine Internet Erfahrung (ich hatte zu Amigas Zeiten kurz einen Akkustikkoppler, der hat aber nur eine Telefonrechnung überlebt, kein Taschengeld für ne ganze Weile.. da war so eine Box in den Staaten… hässliche Geschichte). Zugang über Modem an die Uni, gräßliche Übertragungsraten, viel mehr als Mail, IRC war da nicht drin.
IRC war aber großartig. Mit Menschen auf der ganzen Welt zu schreiben.. echt cool. Damals lag der Frauenanteil im Netz bei geschätzten 0,5%.
Weiter ging es dann mit den Netzwerken. Da wir in der WG ziemlich wenig Geld hatten, Netzwerkkarten noch recht teuer, ich gerade ein Praktikum in einer Maschinenbaufirma machte, habe ich uns ein 20m langes Nullmodem Kabel gelötet. Die Übertragungsrate war sehr gering, aber wir konnten Duke3d gegeneinander spielen. Meine Affinität zu Computern hat meine Frau immernoch belächelt, inzwischen hatte sie aber immerhin einen Rechner als Schreibmaschine.
Nach dem Praxissemester erst kurz ein Gewerbe aufgemacht und Rechner verkauft und repariert. Machte mehr Spass als der Nachtportier Job im Hotel, das Einkommen war aber sehr unsteht.
Ein entfernter Bekannter hatte eine Internetfrima eröffnet, seine Freundin und meine saßen zusammen und meine bitchte etwas über die viele Zeit, die ich am Rechner verbringe. Da meinte seine Frau: Der soll doch mal mit meinem Freund telefonieren, die suchen gerade Leute.
Leider wurde das ersteinmal nichts. Ich hielt mich zwar für den absoluten Computerpro, aber von Linux hatte ich keine Ahnung. Also mal was neues ausprobieren. Suse 4.2 Das hat mich einige Nächte gekostet, bis ich das intalliert und im Internet hatte und so richtig ganz habe ich es auch nicht geschafft (das Modem dudelte auch nach der Verbindung munter weiter, allen AT Befehlen zum Trotz). Eine weile später (inzwischen verdiente ich etwas Geld mit SPS programmieren in meiner alten Praktikumsfirma), rief mich die Internetfirma überraschend an: Tom, du bist doch so ein Nachtmensch. Ja. Wir suchen gerade leute, die von abends 8 bis morgends 8 am Telefon sitzen. 18 Mark die Stunde, freies Internet. JACKPOT!
Aus dem Nebenjob wurde ein Vollzeitjob, das Studium habe ich nie beendet (eine Geschichte für ein andermal).

Computer waren in meiner Generation ganz lange was für (männliche) Geeks. Die Mädels konnten das nie verstehen. Auch heute noch bin ich der, der irgendwelche Software auf Frau’s Rechnern installieren muss, auch wenn sie das problemlos selbst könnte. Inzwischen hat sich das gewandelt. Meine 2 Zwerge haben keine Berührungsängste mehr (wir sind da auch sehr restriktiv, Frau Pädagogin, klar, dass ich da etwas laxer wäre). Selbst die 5 jährige hat einen Heidenspass daran, auf dem Rechner zu tippen, dass sie ein Ipad bedienen kann, ist selbstredent. Großes Vaterglück ist es, von seiner 6 jährigen solche Mails zu bekommen, wenn man gerade für 2 Tage nach Berlin muss:

Hallo Papa!
ist es bei dir auch so heiß?
bei uns kann man schwitzen wie in einer Sauna.
Habe heute keine Hausaufgaben auf.
Gute Reise
und viele Grüße

Dass die Bloggerszene männlich dominiert ist/war? ist einfach eine Folge des Zeitvorsprungs. Das gleicht sich ganz von alleine aus. Wenn ich mir anschaue, was und wie meine 7 jährige jetzt schon an Geschichten schreibt, habe ich keinen Zweifel daran, dass sie, sollte es bis dahin noch Blogs geben, mir da deutlich überlegen sein wird. Massnahmen jetzt, um Frauen Blogs zu fördern, warum nicht? Tut ja keinem weh. Anders als Aufsichtsratsposten sind Blogs nicht limitiert. Besser und nachhaltiger ist es, seinen Töchtern Dinge wie Neugierde (auch) auf Technik nahezubringen. Dann brauchen wir bei der nächsten Entwicklung dann nicht wieder spezielle Frauenförderprogramme.

3 Gedanken zu „Computerkarrieren

  1. Pingback: “Mädchenblogs” « p e l z blog

  2. Hi Tom,

    ich hab dich mal zu meinem Feed dazugetan und hoffe, du schreibst mehr. Von den Computern her bist du (ein klein) wenig älter als ich (kam von Papas Bitsy zu Papas 286er und wollte immer Papas 386sx16-Notebook und war neidisch auf meine Freunde mit den Amigas, Ataris und alle anderen mit Farbbildschirmen, bekam Internet erst 1995/96, unser erstes Modem hatte schon 14,4 und mein erstes eigenes war ISDN (mit ähnlichen Kostenkonsequenzen)), aber das gelötete Nullmodelkabel für hatte ich schon für Doom (von Papa eines Freundes), und als sich dann die RJ45-Kabel durchsetzten, hab ich als Hiwi an der Uni mit den Computern gespielt und bekam den „Müll“, also die runden Dinger mit den Endwiderständen und die dazugehörigen (schweineteuren) 10 Mbps Switches… war ne schöne Zeit😉

    • SWITCHES????
      Boah. Unser erstes Coax lag einfach so brav an den 3 rechnern an einfach am strang, ungeswitched (bei 3 rechner brauchte man das damals auch net, die kollisionen hielten sich in grenzen). Funfact.. letztes half mir das wissen mit den terminatoren noch.. mamis firma hat immernoch sowas liegen (mit nem novell 3.11 netwerk) als da telekomiker da waren, ging der eine server nimmer… terminator abgerutscht😉
      Mein amiga hing sehr lange an nem 11″ schwarzweiss fernseher…

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