FRA Studie Gewalt gegen Frauen.


Gestern im Spiegel ein Artikel über Gewalt gegen Frauen. Hier die Zusammenfassung der Studie.
Der Spiegel titelt den Artikel: EU-Studie: Jede dritte Frau in Europa ist Opfer von Gewalt
In der Studie selbst (Seite 20) wird steht dann, dass 8% aller Frauen in den letzten 12 Monaten, 25% seit ihrem 15 Lebensjahr körperliche/und oder sexuelle Gewalt erfahren haben.
Was ich nie verstehen werde, wie kann man „Sie geschubst oder gestoßen?“ mit „Sie durch Festhalten oder durch Zufügen von Schmerzen zum Geschlechtsverkehr gezwungen“ in einen Topf schmeissen?
Wäre die Studie wirklich ehrlich ausgefüllt worden, bin ich mir sicher, dass 100% der Frauen in Europa Opfer von körperlicher und oder sexueller Gewalt sind. Ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand seit dem 15. Lebensjahr ungeschubst durch das Leben kommt. Was soll das?

Auch interessant: 67% der Täter bei körperlicher Gewalt waren männlich, 26% weiblich, bei 7% waren beide Geschlechter Täter. Bei der sexuellen Gewalt gibt es immernoch 2% weibliche Täter (wohlgemerkt, es wurden nur Frauen befragt und in der Studie ist sexuelle Gewalt wirklich Gewalt und nicht „nur“ Belästigung).

5% der Befragten gaben an, dass sie vergewaltigt wurden. Eine von 20 Frauen. Weit weg von dem 1 in 5 Ding, aber immernoch mehr als schlimm. Das ist ein echtes Problem, aber das bekommen wir nicht weg, mit einseitigen Kampagnen (Stoppt Gewalt gegen Frauen).

Vielleicht hat wer anders noch Lust, sich durch die Studie zu lesen, vielleicht gibt es irgendwann auch detailierte Ergebnisse.
Vielleicht gibt es eine ähnlich groß angelegte Studie, wie das bei den Männern aussieht? Vermutlich nicht ganz anders. Naja, geschubst wurden wir wahrscheinlich häufiger. Steht dann im Spiegel „99% aller Männer Gewaltopfer“ kaum, oder?

EDIT: Weitere Beiträge dazu:
Martin
Pelz
Genderama

18 Gedanken zu „FRA Studie Gewalt gegen Frauen.

  1. Die Studienautoren isolierten die Kategorien „Schubsen“ und „Stoßen“ von den übrigen und kamen zum folgenden Ergebnis: „Removing the most common experience of being ‘pushed’ or ‘shoved’ from the overall count of women’s experience of violence lowers the prevalence rate for violence only to 25 % in the past 12 months“ (S. 39, Main Report). In der deutschen Kurzfassung findet man das im Übrigen auch auf der von Ihnen zitierten Seite 20. Im Bericht wird jede einzelne Gewaltkategorie relativ sauber aufgeschlüsselt, sodass man klar ersehen kann, wieviele Frauen in ihrem Leben lt. eigenen Angaben welche Art der Gewalt erfahren haben. In einem Topf wird das meines Erachtens erst von den Journalisten geworfen, die nur Zusammenfassungen lesen oder bunte Diagramme ansehen.

    Eine Darstellung der erlebten Gewalt von Männern wäre wohl interessant, aber man muss schon auf dem Boden der Tatsachen bleiben. Gerade was physische und sexuelle Gewalt im Allgemeinen betrifft, geht sie doch hauptsächlich von Männern aus. Männer erfahren meiner Einschätzung nach eher Gewalt durch andere Männer und das eher außerhäuslich.

    Detailliertere Ergebnisse finden Sie übrigens im (englischsprachigen) „Main Report“.

    • Nein, auch in der Überschrift in der Studie steht das so.
      Dass Männer die hauptsächlichen Täter sind, dachte ich auch mal, die letzte RKI Studie hat das aber widerlegt. Ebenso sind auch in der Studie bei gewalt gegen frauen, 1/4 der Täter weiblich.
      Das schubsen rausgenommen, sind wir bei 20%. Dann nehmen wir noch das „gepackt oder an den Haaren gezogen“ was wieder von festhalten bis zu krassen schmerzen geht und „mit einem harten gegenstand nacht ihnen geworfen (und vielleicht absichtlich daneben gezielt)“ heraus, sinken die werte noch deutlicher. Da werden dinge zusammengeschmissen, scheinbar nur um auf masse zu kommen. finde ich falsch.
      Den Main report.. wenn ich zeit habe.

      • »Widerlegt« ist etwas gewagt formuliert, würde ich meinen. Sie sprechen vermutlich die Studie »Körperliche und psychische Gewalterfahrungen in der deutschen Erwachsenenbevölkerung – Ergebnisse der Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland (DEGS1)« (http://edoc.rki.de/oa/articles/repfVFL9MKm0A/PDF/24FsYksH0Ap7s.pdf) an, zu der es allerdings auch eine Stellungnahme einer daran beteiligten Forscherin gibt (http://www.rki.de/DE/Content/Gesundheitsmonitoring/Studien/Degs/degs_w1/Basispublikation/Stellungnahme_Schroettle.pdf?__blob=publicationFile). Monika Schröttle beklagt darin, dass in der Endfassung der Studie »keine differenzierte Erfassung von Schweregraden und Folgen von Gewalt im Geschlechterverhältnis« vorgenommen wurde, was ja doch ein erhebliches Versäumnis darstellt. Wenn man Gewaltakte von Männern und Frauen schlicht aufsummiert und die Summen gegenüberstellt und man dann womöglich feststellt, dass annäherend gleich viel Gewalt ausgeübt wird, dann ist das ja ein interessantes Verhältnis, aber ohne Gewichtung der Schwere der Gewalt sagt es nicht allzu viel aus – und das bemängelt auch die Forscherin und letzten Endes bemängeln ja auch Sie dieses »Zusammenschmeißen« von Dingen, die nicht zusammengehören. Ich selbst bin offen für jede neue Erkenntnis auf diesem Gebiet, aber durch unsaubere Studien und eine tendenziöse Aufbereitung derselben erweist man der Gesellschaft, denke ich, einen Bärendienst.

        Zumindest in einem Teil des Fazits sollten die Studienautoren jedoch Recht behalten:

        »Während es, nicht zuletzt angestoßen durch die Ergebnisse der feministischen Gewaltforschung, bereits eine hohe Aufmerksamkeit und vergleichsweise gut entwickelte Hilfestrukturen für gewaltbetroffene Frauen gibt, sind trotz der Tatsache, dass Männer insgesamt häufiger Opfer von körperlicher Gewalt werden als Frauen, Gewaltopfererfahrungen von Männern im gesellschaftlichen und wissenschaftlichen Diskurs wenig repräsentiert. Es wäre daher wünschenswert, wenn sich im öffentlichen Bewusstsein eine höhere Sensibilität und Empathie für Männer, die Opfer von Gewalthandlungen wurden, entwickelte und Opfererfahrungen von Männern nicht länger als »unmännlich« stigmatisiert würden.«

        Dagegen kann man, glaube ich, nichts einwenden.

        • das mit dem schweregrad ist tatsächlich ein problem, aber aus irgendwelchen gründen wird das in studien nie gemacht. Ob Frau Schröttle das nun auch bei der Studie bemängelt?
          Das Thema etwas aufzudröseln würde tatsächlich sinn machen.

      • Konnte heute im Zug die Printausgabe von FAZ und Welt lesen, FAZ war am wenigsten reiserisch und hat auch auf die einzelnen Kategorien und das fehlen von Daten über Männer hingewiesen, Welt war schon sehr polemisch dramatisch mit jede 3 frau, psychische angriffe etc. und wenn man bedenkt das das ja eher rechts/konservative blätter sind will ich garnicht wissen wie das in sueddeutsche,spiegel, zeit oder taz aufgebauscht wird

  2. Pingback: Wenn man es nur oft genug wiederholt… | Flussfänger

  3. Wie in der Studie Körperliche Gewalt definiert wird:

    Wie oft haben Sie es seit Ihrem 15.  Lebensjahr
    erlebt, dass Ihnen jemand eines der folgenden Dinge
    angetan hat?
    • Sie geschubst oder gestoßen?
    • Sie mit der flachen Hand geschlagen?
    • mit einem harten Gegenstand nach Ihnen
    geworfen?
    • Sie gepackt oder an den Haaren gezogen?
    • Sie mit der Faust oder einem harten Gegenstand
    geschlagen oder Sie getreten?
    • Ihnen Verbrennungen zugefügt?
    • versucht, Sie zu ersticken oder zu strangulieren?
    • Sie mit einem Messer verletzt oder auf Sie
    eingestochen, oder auf Sie geschossen?
    • Ihren Kopf gegen etwas geschlagen?

    abgesehen von den verbrennungen und dem strangulieren habe ich als Mann das alles schon abbekommen – die meisten dinge davon mehr als einmal. Das ist kein Problem das nur bei Frauen passiert. Ich wage sogar zu behaupten das die mehrzahl der Männer mindestens einen der genannten Fälle im Verlauf des Lebens mal abbekommen hat.

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