Gleichbepflichtigung


Wir reden ja of über Gleichberechtigung. Ist für mich ein hohes Gut, daher lohnt sich das auch immer. Über Pflichten wird nur recht selten geredet, es scheint, als wäre das impliziert. Passiert auch oft. In gleichem Masse wie für die Frau das Recht erkämpft wird, dass sie auch am Erwerbsleben teilhaben kann, wird für den Mann die Pflicht erkämpft, dass er seine Rolle in der Hausarbeit verstärken muss.
Ist aber nun nicht wirklich das ichtige Recht-Pflicht Paar.
Früher war es so: Der Mann hat das Recht, Karriere zu machen, die Pflicht, seine Familie zu ernähren. Die Frau das Recht (finanziell) versorgt zu werden, die Pflicht sich um den Haushalt zu kümmern. In den meisten Beziehungen wird das wahrscheinlich auch funktionieren. Arbeiten beide, dann wird die Hausarbeit geteilt. Die Waschmaschine wird wahrscheinlich mehrheitlich von Frauen bedient werden, dafür dürften die Männer mehr am Herd stehen. Wenn einer von beiden auf Dauer mehr leistet als der andere, dann sollte man das in der Beziehung thematisieren (oder eben diese dann beenden).
Was in Beziehungen wahrscheinlich schon ganz gut funktioniert, ist in der Geschlechterdebatte aber nicht ganz so angekommen.
Es gibt nicht genug Frauen in Führungspositionen? Die (meist von Männern gegründeten) Unternehmen haben die Pflicht, das zu ändern. Es gibt nicht genug weibliche Bewerber? Die Unternehmen haben die Quasipflicht, ihre Stellenanzeigen zu ändern
Allen sollten die gleichen Möglichkeiten offenstehen. Aber zu jedem gewähltem Karrierweg, zu jeder gewählter Rolle gehören Vor- wie Nachteile, Rechte und Pflichten.
Nehmen wir die berufliche Karriere. Will man Führungskraft werden, ist das nur schwerlich möglich, wenn man nur einen 9-5 Job macht. Gerade am Anfang wird hohe Leistungsbereitschaft und auch Mehrarbeit erwartet. Wer das als Präsenzwahn abtut, der möge bitte ein Unternehmen selbst gründen und schauen, was passiert, wenn man in einem Auftrag steckt, alleine ist und die Zeit knapp wird. Den Stress und die mehrarbeit muss man abkönnen können, wenn man das will. Neben der tatsächlich mehr geleisteten Arbeit stellt man damit auch die Loyalität gegenüber seines Betriebes unter Beweis. Darunter leiden natürlich andere Dinge wie zum Beispiel Freizeit und vor allem Freundschaften ausserhalb des Unternehmens. Die Rechte die man sich damit erarbeitet sind dann zum Beispiel die Karriere an sich, die berufliche Anerkennung, mehr Gehalt und auch ein paar Freiheiten, die man als Chef so hat.
In der Karriereaufbau Zeit ist eine Familiengründung nur bedingt möglich. Man kann das machen, aber entweder hat man wenig von seiner Familie, oder seine Karriere leidet. There is no free Lunch.
Auf der Haushaltsseite ist das nicht viel anders. Hat man Kinder, werden Freiheiten beschnitten, unendlich viel Zeit gefressen, aber auch eine unendliche Belohnung und Befriedigung. Auch wenn ich Hauptverdiener und nur Nebenhaushälter bin, große Karrieresprünge sind für mich zur Zeit nicht drin. Dazu wäre ein Jobwechsel mit Umzug vonnöten und die Einarbeitungszeit in einer neuen Firma wäre wohl nur schwer mit einer 50h Woche vereinbar. Dafür vergesse ich jeden Tag jeglichen Stress wenn ich nach Hause komme und mich meine zwei kleinen mit einem freudigen Paaaaaapiiiii!!! begrüßen.
Meine Frau ist Haupterzieherin und Nebenverdiener. Ihre Vorteile sind mehr Zeit mit den Kindern, deutlich mehr Anerkennung von den beiden als ich (klassisches Beispiel, wenn eine der beiden kleinen die Wahl hat, von wem sie getröstet werden wollen, dann ist natürlich meine Frau die erste Wahl). Dazu kommt, dass sie deutlich Freier ist in ihrer Arbeitseinteilung, sie kann deutlich mehr Zeit mit ihren Freunden verbringen.
Wenn ich das Recht auf Karriere will, dann habe ich die Pflicht, meine Arschbacken zusammenzukneifen. Die Pflicht auch dann und wann mal ein Risiko einzugehen. Mir mehr zuzumuten als vielleicht vernünftig wäre. Wenn ich in die Topetagen will, sogar noch die Pflicht, zumindest zeitweise, all meine Energie genau darauf zu konzentrieren.
Kinder bringen ganz andere Pflichten mit sich. In einer Familie kann man durch Aufgabenteilung einiges erreichen, aber die Berufliche Familiengesamtkarriere wird darunter leiden. Wenn beide Eltern das 50:50 aufteilen, dann können beide beruflich erfolgreich sein, aber es ist sehr unwahrscheinlich, dass es dann einer von beiden zum Vorstandsposten schafft. Auch bei einer 80:20 Verteilung wird das hart werden. Hält einer von beiden dem anderen den Rücken frei, kann das dann doch möglich sein.
Ich mag niemandem vorschreiben, was in seinem Leben wichtig zu sein hat. Das möge jeder für sich selbst entscheiden, und schauen, wie er das erreicht. Klar muss aber sein, dass der Tag nur 24h hat, alles gleichzeitig wird da nicht gehen.

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