Ich bin liberal


Heute bei Christian ein Kommentar von Leszek.

– Der liberale Maskulist sieht im radikalen Feminismus und seinem Einfluss auf Medien und Politik eine potentielle Bedrohung für individuelle Freiheit im persönlichen, politischen oder ökonomischen Bereich, z.B. durch Quoten, Gesetzesverschärfungen, Einschränkungen der Meinungsfreiheit, Propagierung neuer Rollenvorgaben etc. Der “Staatsfeminismus” begünstigt in den Augen des liberalen Maskulisten die Ausdehnung der Staatsgewalt in Bereiche, die diesen nichts angehen und die der selbstbestimmten Wahl und Aushandlung der Bürger unterliegen sollten. Mit einem authentisch liberalen Feminismus, (z.B. Equity-Feminismus, Individual-Feminismus, französischer liberaler Feminismus im Sinne Elisabeth Badinters) hat der liberale Maskulist keine Probleme.

Dass ich mich damit, mit Ausnahme des Labels Maskulist, sehr wohl fühle, ist klar. Bisschen seltsam, dass ich mich auch damit:

Der linke Maskulist kritisiert radikale Strömungen und Positionen des Feminismus primär deshalb, weil und insofern sie einen Beitrag zu männlichen Diskriminierungen leisten, den Eingang männerrechtlicher Anliegen in den Mainstream blockieren und so zu Ausgrenzung und Ungerechtigkeit in Bezug auf berechtigte Anliegen von Jungen und Männern beitragen. Dem linken Maskulisten geht es dabei um gleiche Rechte und gleiche Pflichten, weil nur dies gerecht ist. Gegen feministische Auffassungen und Positionen, die mit dem Grundsatz “gleiche Rechten und gleiche Pflichten” im Einklang sind, hat der linke Maskulist nichts einzuwenden.

anfreunden kann, da ich mich so gar nicht als „links“ empfinde. Ich glaube nicht, dass ein ausgeprägtes Gerechtigkeitsempfinden etwas exklusiv „linkes“ ist. Vielleicht kollidiert da aber die politische Verortung mit der realen Parteienlandschaft. Ich finde die Rente mit 63 zum Beispiel nicht gerecht. Sicher es klingt ganz gut, wenn der Dachdecker nach 45 Beitragsjahren mit 63 in Rente gehen kann, gerade wenn er körperlich nicht mehr kann. Ungerecht wird es, wenn die heutigen Beitragszahler keine leistungsabhängige Rente mehr bekommen, sondern maximal eine Grundsicherung.

Wenn „links“ nun bedeutet, gleiche Rechte, gleiche Pflichten, dann müsste ein fairer Kompromiss zwischen den Generationen ausgehandelt werden. Lag der Beitrag zur Rentenversicherung 1962 noch bei 14%, so sind wir nun bei 18,9%, das ist ein gutes Drittel mehr. Dazu kommt, dass die heutigen Beitragszahler angewiesen sind, zusätzlich selbst vorzusorgen.
Nichts gegen den Dachdecker, aber die Rente mit 63 ist nicht berufsspezifisch. Das ist glasklare Klientelpolitik auf dem Rücken der jüngeren Generationen.

Ich finde auch den flächendeckenden Mindestlohn nicht gerecht.
Die Idee des Mindestlohns (man muss von seiner Arbeit leben können) ist durchaus gerecht, ungerecht wird der Mindestlohn dadurch, dass Menschen, die eben nur wenig Qualifikationen haben, komplett aus dem ersten Arbeitsmarkt verdrängt werden. Es ist nicht gerecht, nicht wenigstens einen Teil seines Lebensunterhaltes selbst bestreiten zu können.
8,50 Eur/h. Das macht mit Lohnnebenkosten ungefähr 10,20Euro. Um die zu bezahlen (also 10,20 netto zu haben) brauche ich einen Bruttostundenlohn von ca. 16 Euro, dass ich mir eine Putzhilfe leiste. Und so Sachen wie ein Fahrzeug für den Putzmenschen, Lohnbuchhaltung usw. sind da noch gar nicht dabei. Ok, ich putze nicht wirklich gerne, da bin ich vielleicht noch bereit, etwas mehr zu zahlen, als ich selbst netto verdiene. Aber irgendwann ist die Schmerzgrenze erreicht. Wenn ich zwei Stunden arbeiten muss, um mir eine Stunde Putzen zu ersparen, dann putze ich lieber selber. Das wird ganz sicher sozialversicherte Jobs kosten.
Es ist auch nicht gerecht, dass in München der gleiche Mindestlohn gelten soll wie in Lunzenau.

20 Gedanken zu „Ich bin liberal

  1. *Aber irgendwann ist die Schmerzgrenze erreicht. Wenn ich zwei Stunden arbeiten muss, um mir eine Stunde Putzen zu ersparen, dann putze ich lieber selber. Das wird ganz sicher sozialversicherte Jobs kosten.*

    Das find ich irgendwie süß, dass du tatsächlich meinst, dass Putzhilfen sozialversicherungspföichtig beschäftigt sind. Oder andere Jobs, wo der Stundenlohn von 8,50 eine erhebliche Verbesserung darstellen würde.

        • Schlimm genug. Aber das wird aber nicht besser, wenn die legalen angebote noch teurer werden.
          In der Gastronomie würde ich dann einfach 9 Euro zahlen und als meine Kneipe als Tip-Free deklarieren.
          In der wirtschaft wird noch mehr automatisiert werden. Investitionen in Maschinen oder Software die sich bei 7 eu/h noch nicht gerechnet haben, werden sich bei 8,50 dann schon eher rechnen.
          Ich habe gar nichts gegen tarifliche mindestlöhne, aber branchen und dann auch noch ortsunabhängig und von der politik vorgegeben, halte ich nicht für das mittel der wahl.

          • *In der Gastronomie würde ich dann einfah 9 Euro zahlen und als meine Kneipe als Tip-Free deklarieren.*

            Das wäre dann aber machbarer, als seinen Leuten 6,50 zu zahlen und die Kneipe dennoch als Tip-free zu deklarieren. Was gemacht wird.

            *In der witschaft wird noch mehr automatisiert werden. Investitionen in Maschinen oder Software die sich bei 7 eu/h noch nicht gerechnet haben, werden sich bei 8,50 dann schon eher rechnen.*

            Wir reden beim Mindestlohn in erster Linie über Dienstleistungsberufe.

            *Ich habe gar nichts gegen tarifliche mindestlöhne, aber branchen und dann auch noch ortsunabhängig und von der politik vorgegeben, halte ich nicht für das mittel der wahl. *

            Ich schon. Tarifliche Mindestlöhne sollten natürlich stechen, aber ein branchen- und ortsunabhängiger Mindestlohn als strikte Vorgabe ist absolut notwendig, um den Unternehmen keinerlei Schlupflöcher zu gewähren.
            Zudem, ich wiederhole mich, wir reden hier nicht über Branchen die gewerkschaftlich abgedeckt sind, sondern solche, wo es keine Tarifverträge gibt, oder nur solche die die Bezeichnung nicht verdienen.

            • Natürlich zieht das in jeder Branche. Es gibt einen Grund, warum in D keine Mobiltelefone gefertigt werden, und der ist nicht, dass das deutsche Unternehmen nich könnten. Die notwendige Handarbeit ist hier schlicht zu teuer. Ja, dienstleistung ist schwerer ins ausland zu verlagern, aber auch das ist möglich. Nicht bei jedem Job, aber bei sehr vielen.
              Schau dir McDo an, ich sehe immer mehr Selbstbedienungsautomaten. Wenn das da möglich ist, warum soll das bei einer Bäckerei nicht gehen?
              Wenn jobs im Einzelhandel zu teuer werden, die produkte im laden damit auch, hilft das bestimmt mit, dass leute weniger bei amazon bestellen.
              Letztendlich entscheidet der Verbraucher, was gekauft und somit produziert wird.

            • *Schau dir McDo an, ich sehe immer mehr Selbstbedienungsautomaten. Wenn das da möglich ist, warum soll das bei einer Bäckerei nicht gehen?*

              Weil in den Branchen eben nicht nur Effizienz wichtig ist, sondern weil die Menschen auch Service wertschätzen, was eine Maschine nicht leisten kann.

            • „Weil in den Branchen eben nicht nur Effizienz wichtig ist, sondern weil die Menschen auch Service wertschätzen, was eine Maschine nicht leisten kann. “
              Wenn sie das alle täten, wäre das super. Aber schau dir an, welch verschwindent kleinen Anteil Fairtrade Produkte haben. Da ist vielen der Geldbeutel näher als der Service.
              Schau dir an, wie viele bei Aldi einkaufen (auch brötchen). Und wenn ich mir den Parkplatz anschaue, dann hat das nicht was mit nicht leisten können zu tun. Schau dir an, wie viele echte Bäckereien es noch gibt, und wie viele Bäckereien zu einer Kette gehören einfach Teiglinge backen.
              Bei uns im Ort hat es noch einen Bäcker, aber dem geht es nicht wirklich gut, weil er eben mit Neff und auch aldi konkurriert.
              Ich finde Service sehr wichtig, aber so ticken leider nicht viele. Ich kauf viel lieber beim kleinen Elektroladen als bei Mediamarkt ein. Das kostet dann aber auch was mehr. Und nicht viele sind bereit, den Mehrpreis zu zahlen.

  2. “ Ich glaube nicht, dass ein ausgeprägtes Gerechtigkeitsempfinden etwas exklusiv “linkes” ist.“

    Ich würde sogar soweit gehen, das ein ausgeprägtes Gerechtigkeitsempfinden etwas ausgesprochen unlinkes, praktisch gegensätzliches ist.
    Links ist ein ausgeprägtes Gleichheits- und Ausgleichsbedürfnis, das sich als „gerecht“ tarnt und eine gewisse „Utopiephilie“. Das hat aber mit Gerechtigkeit erstmal praktisch nichts zu tun.

        • Gerecht ist immer gut, daher wird das immer verwendet. Niemand will Ungerechtigkeit. Man kann gerecht finden, den Spitzensteuersatz anzuheben, aber man kann auch ungerecht finden, dass die Top 5% der Einkommensteuerzahler bereits 80% der gesamten Einkommenssteueraufkommens tragen.

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