Emanzipation


Gerhard Amendt unterscheidet zwischen Frauenbewegung und Feminismus, als ich das las, wurde mir klar, dass ich das exakt genauso sehe. Und hier sehe ich auch die Bereiche meiner Schnittmenge mit dem Feminismus (und auch mit dem Maskulismus).

Die Frauenbewegung, der die Gleichstellung zu verdanken ist, schuf Gutes. Diese Frauen wollten eine befreite Sexualität, gleichberechtigte Beziehungen, Bildung und berufliche Möglichkeiten. Sie wollten aus eigener Kraft selbständig und eigenständig werden, und was man nicht realisieren konnte, nahm man auf die eigene Kappe.

Das ist absolut unterstützenswert.

Nun haben die Frauen mindestens die gleichen Rechte wie die Männer. Gesetzliche Diskriminierung gegen ein Geschlecht findet nur gegen die Männer statt. Das reicht aber einer kleinen, jedoch sehr einflussreichen, Gruppe von Frauen nicht aus. Das Geschlecht ist für diese Gruppe so wichtig, dass es bei allem eine Rolle spielt, eben auch, wie geeignet jemand für den Aufsichtsrat eines Unternehmens ist.
Es ist ein Fakt, dass mehr Männer als Frauen in den Topjobs sind. Das mag ich gar nicht abstreiten. Die Ursache sehe ich allerdings nicht in einer gläsernen Decke. Das Konzept mag vielleicht vor 50 Jahren noch argumentierbar gewesen sein, inzwischen ist das aber nicht mehr so. Kein Unternehmen kann es sich leisten, jemanden ob seines Geschlechtes auszubremsen. Es mag ja durchaus sein, dass Frauen eben nicht nur aus evolutionären Gründen öfter die Haupterziehungsarbeit leisten. Dass hier die gesellschaftlichen Rollenerwartungen zum tragen kommen. Aber die bekomme ich doch nicht dadurch weg, dass ich Männer ausbremse.
An die Aufsichträtinnen Rollenmodelle glaube ich nicht. Letztens habe ich mal ein paar unserer Schülerpraktikanten gefragt, ob sie mir sagen können, wer im Aufsichtsrat von Daimler sitzt. Wusste niemand. Wie kann das ein Vorbild sein? Dass ich Karriere machen und mal viel Geld verdienen will, das war mir schon kurz nach der Pubertät klar. Auch ich kannte damals keinen einzigen Aufsichtsrat. Es wird auch behauptet, dass Frauen in Aufsichtsräten Frauen in den Vorstand berufen. Hmm. Der Aufsichtsrat wird von den Aktionären berufen. Großaktionär bei BMW: Susanne Klatten. Der Aufsichtsrat ist dennoch nicht übermässig weiblich. Warum auch?
Ein auf die nächsten Jahren zukunftssicherer, gutbezahlter und, was Karriere angeht sehr aussichtsreiche Branche ist die Informatik. Trotzdem ist der Anteil der Frauen hier (Studienanfänger 2012) bei nur 22%, in der Elektrotechnik liegen wir bei ganzen 12% (Quelle). 2011 waren aber 55% der Menschen mit Abitur weiblich.
Gehen wir davon aus, dass die Haupterziehungsarbeit tatsächlich von den Müttern erbracht wird. Berücksichtigen wir weiterhin, dass 87% der Grundschullehrer weiblich sind. Auf dem Gymnasium sind immernoch die Mehrheit der Lehrkräfte weiblich.. welchem Geschlecht geben wir dann die Verantwortung für die Studienwahl? Ich bin ja der Meinung, dass durchaus biologische Faktoren eine Rolle spielen (ich versuch da mit meinen Töchtern echt einiges, aber die gleiche Begeisterung, die ich damals für eine Lötkolben oder eine Stichsäge hatte, wecke ich bei den beiden nicht). Aber wenn das nur Sozialisation ist, dann liegt es hauptsächlich in der Hand des Matriachats (ja, ich glaube immernoch, dass in den Familien und vor allem in der Erziehung der Kinder die Frauen das Sagen) haben, hier etwas zu ändern.
Das von oben nach unten über wenige Frauen in Spitzenpositionen ändern zu wollen, ist nicht wirklich vielversprechend.
Die Frage ist auch, was will ich für meine Töchter? Meine Antwort darauf ist ganz klar: Ich will dass sie glücklich werden. Wir (Frau und ich) wollen Ihnen Mut und Selbstvertrauen mit auf den Weg geben. Was sie später werden, das wird aber Ihre Entscheidung sein. Ich will dass sie eigenverantwortlich und emanzipiert durch die Welt gehen. Ob sie eine Firma oder eine Familie gründen, Karriere machen oder Arbeit nur zum Broterwerb dient, ihre Entscheidung.

3 Gedanken zu „Emanzipation

  1. „Die Frauenbewegung, der die Gleichstellung zu verdanken ist, schuf Gutes.“

    Das sehe ich anders. Gleichstellung ist ein Gegenteoil von Gleichberechtigung! Gleichstellung führt zu Ungleichberechtigung und das finde ich schlecht.😦

    • bin ich auch drübergestolpert. ich vermute mal, dass er da die soziale gleichstellung meint (dass sachen wie kinder küche kirche eben nicht mehr die pflicht ist)

      • Wenn denn der Herr Amendt so ein Kenner der Materie ist, sollte ihm diese Unterschied aber geläufig sein. Weiter bin ich im Zweifel, daß der Frauenbewegung solches (Gleichberechtigung) zu verdanken ist. Dafür habe ich bisher keine Belege gesehen, immer nur solche Behauptungen.

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