Flintenuschi und die Bundeswehr


Gerade im Spiegel

SPIEGEL ONLINE: Wie wollen Sie mehr Frauen für die Truppe begeistern?
Von der Leyen: In allen Maßnahmen können sich Frauen genau wie Männer wiederfinden. Eine gute Vereinbarkeit von Familie und Dienst spricht Männer und Frauen an, genau wie das Thema Modernität und Flexibilität. Trotzdem: Im US-Militär sind 14 Prozent Frauen vertreten, in Frankreich 20 Prozent – in der Bundeswehr sind es nur zehn Prozent. Wir müssen breiter darstellen, dass hinter der Bundeswehr im Einsatz auch eine Reederei, eine Airline, ein Klinikverbund, ein Sicherheitsdienstleister und ein Logistikkonzern vom Feinsten steht. Diese Möglichkeiten auch Frauen zu vermitteln, da müssen wir besser werden.

Ich meine, ja, klar, hinter der Bundeswehr steht mehr als nur die kämpfende Truppe.

Aber von jemand mit Gleichstellungsidealen würde ich dann doch eigentlich schon erwarten, dass auch der Anteil der Frauen an der Front angegangen werden sollte..

Warum hat die Bundeswehr ein Rekrutierungsproblem? Weil die Zimmer keine Flachbildfernseher haben? Oder weil es keine Kitas gibt? Nein, glaube ich nicht. Warum gingen denn Menschen früher zur Bundeswehr?

In meiner Grundwehrdienstzeit haben sich ein paar beworben, Zeit- oder Berufssoldat zu werden. Ich übrigens auch (hab’s dann nicht gemacht, weil die mich erst haben wollten als ich nur noch 30 Tage vor mir hatte).
Gründe waren vielfältig. Beim einen war es der schlechte Schulabschluss, der im zivilen nicht auf eine Ausbildung hoffen ließ. Beim anderen die Faszination der Waffen. Dann auch wieder der Spass am Job (als Pionier gibt es nicht nur die Waffen). Die Möglichkeit eines bezahlten Studiums. Ausser den ganz Verzweifelten einte aber alle, die darüber nachdachten eines: die Kameradschaft. Auch Begriffe wie Ehre, Verantwortung.. das spukte in all unseren Köpfen.
Ich dachte mir, hey, das ist gar nicht so schlecht, wie ich mir das ausmalte. Ich kann hier Gutes tun und vielleicht bei der Bundeswehr studieren. Ich glaubte sogar, dass ich mich von denen, die sich bereits vor dem Grundwehrdienst verpflichteten dadurch unterscheide, dass ich eben nicht der rechte Waffennarr bin, und dass die Bundeswehr Leute wie mich braucht.
Menschen zu schützen, auch mit Gewalt schien etwas sehr männliches, und es schien gar etwas Gutes.
Als ich mich entschied, meine Verweigerung doch nicht einzuschicken, war die Bundeswehr noch eine Verteidigungsarmee. Ein echter Einsatz war sehr unrealistisch. Während meiner Zeit fingen dann so die ersten Einsätze auf dem Balkan an. Und da wurde es dann schon realistisch, aber auch das war für mich noch in Ordnung.
Nun fehlt der Bundeswehr der Wehrdienstleistende. Auslandseinsätze sind die Regel, der Ruf der Truppe hat sich im Vergleich zu meiner Zeit nicht geändert (dumme unteroffiziere, dumme befehle lalala), wir halte diese für etwas schmutziges, Patriotismus gibt es bei uns auch nicht nennenswert.. warum sollte das irgendwer freiwillig machen? Ich glaube zu sagen, dass man Offizier bei der Bundeswehr ist, ist noch schlimmer als zu sagen, dass man bei der FDP ist.
Wir sind früher noch mit Faschingspistolen rumgerannt. Ich hatte Spielzeugpanzer. Oder meine Revell Kampfflugzeugmodelle. Das ist nun doch sehr verpönt. Selbst Spritzpistolen sind doch eher böse, da nimmt man doch lieber Spritztiere.
Es mag schlimm sein, dass Kinder (und hier vor allem Jungs) Krieg spielen. Aber ich glaube, es gab hier einen Grund für. Ehre, Vaterland, Heldentum.. Das hat die Jungs auf den Kriegsdienst vorbereitet. Das ist nun weg. Trotzdem scheinen wir noch Soldaten zu brauchen.
Ich habe keine Lösung, und nein, ich will auch nicht mehr Kriegsspielzeug für Kinder. Aber die Bundeswehr als „normalen“ Arbeitgeber hinstellen zu wollen, das halte ich für sehr fragwürdig.
Vielleicht braucht es ein wenig Heldenkram, Dankbarkeit und Anerkennung wenn eine Gesellschaft will, dass sich Menschen für sie in tödliche Gefahr begeben.

5 Gedanken zu „Flintenuschi und die Bundeswehr

  1. In Frankreich gibt es die rein männliche Fremdenlegion, wo sich Männer aus der ganzen Welt zu Kriegseinsätzen melden. Oftmals Waffennarren oder verzweifelte die von einer Chance auf einen franz. Pass hoffen, oder beides. Harte Ausbildung, aber zumindest in der Aussendarstellung, kein Rekrutierungsproblem.

    Auch der Rest der Armee hat zwar Probleme, jedoch nicht so massiv, was sicherlich auch mit dem Bild der Armee zusammenhängt. Jeder Feuerwehrmann ist in der Armee, die Gendarmen, ebenfalls Armee, haben einen besseren Ruf wie die Polizei und auch an Bahnhöfen patrouilliert die Armee. Wenn die dann mit der Metro zum nächsten Einsatz fahren sind es sogar ganz nette Jungs…Die Armee ist in der Bevölkerung anerkannt, denn in der Vergangenheit hat sie „nur“ für die Befreiung gekämpft. Unter anderem auch in den Überseedepartments, als einige sich befreien wollten… Der Ruf der Armee hat aber nie so gelitten und Frankreich braucht der Welt nicht krampfhaft zu zeigen dass sie heute die Guten sind…

    Und nein, in der FDP sein ist schlimmer als bei der Armee. Freiheit und Bürgerrechte sind was ganz schlimmes und gehören genau so wie die Armee abgeschafft!!! Ne, Spass beiseite, der Ruf der FDP hat durch absoluten Marktliberalismus, das 100% ausrichten auf die CDU und die letzte Regierungszeit mit Klientelpolitik absolut gelitten. Hoffen wir, auch wenn ich kein FDPler bin, auf eine Neuausrichtung auf die „alten“ Werte einer Partei, die mal irgendwas mit Bürgerrechten und Freiheit am Hut hatte… Aber jetzt wo Du da bist, kann es ja nur besser werden😉

    Obwohl ich denke, die AFD übernimmt den FDP Kuchen, wobei ich noch unentschieden bin ob ich das nun gut oder schlecht finde, da ich zwar die Eurokritik (und nur die Kritik und nicht das raus aus dem Euro) mit denen teile, aber sonst nicht weiss wo bei denen die Reise hingeht…

    Gruss
    Kai

    • Dachte auch, dass die AfD die Konkurrenz ist.. die AfD Wähler kommen aber eher von der CDU, die ex-FDP Wähler wurden zu nichtwählern *seufz*
      Die FDP hat verzweifelt versucht, sich von der AfD zu distanzieren, das reicht halt nicht wirklich.
      Aber ernsthaft, meine Frau hat schon Schmerzen damit, dass ich mit Computerspielen Geld verdiene.. wäre ich berufssoldat geworden…. nene

    • Ich denke, wenn sich die FDP neu ausrichtet, vom Marktradikalismus ablässt und ihr Profil in Sachen Bürgerrechte, Freiheit, Datenschutz usf. stärkt, dann wird sie für eine Menge Menschen attraktiv werden. Und sie wird ein ganz anderes Wählerspektrum ansprechen als die AfD, deshalb sehe ich es nicht so, dass die AfD das Ende der FDP sein wird. Vielleicht nimmt sie von deren marktliberalem Kuchen was weg, von mir aus. Aber bei +/- 70% Wahlbeteiligung bei Bundestagswahlen liegt noch reichlich Kuchen auf der Straße, man muss ihn nur einsammeln.
      Ich denke schon, dass eine wahrhaft liberale Partei, die zuerst den Bürger (und nicht das Großkapital) im Blick hat, eine Menge Potenzial hätte. 10% allemal.

  2. Ich spiele mit meiner Tochter (7) ohne weiteres auch mit Schießspielzeug und dergleichen. Die Dame darf und soll lernen, das es richtig ist, sich zu wehren. Und das es Menschen gibt, die einem übles wollen und die man im gerechtfertigten Fall auch töten darf. Und soll.
    Es gibt m.E. kaum etwas infantileres und bigotteres als den „unechten“ Pazifismus. Und kaum etwas letzten Endes selbstzerstörerisches als echten, konsistenten Pazifismus.
    Wo Pazifismus „funktioniert“ hat, hat er das letzten Endes nur, weil eine kriegerische Alternative da war, wie z.B. in Indien.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s