Feministische Nichtlösung II: Quote


Quoten, für zum Beispiel Aufsichträte oder Führungskräfte, liegt ein Anliegen zu Grunde, das ich bedingungslos unterstütze:
Bei der Besetzung einer Stelle soll das Geschlecht keine Rolle spielen
Nun schaut man sich die Wirtschaft, die Parteien, die Professoren an und stellt fest, dass Frauen gerade in den Topetagen unterrepräsentiert sind.
Eine Annahme ist nun, dass sich Gleich und Gleich gerne gesellt. Und das ist auch nicht wirklich von der Hand zu weisen. Sicherlich, die moderne Führungskraft sucht sich auch Mitarbeiter, die Fähigkeiten mitbringen, die einem selbst fehlen. Dennoch, zu glauben, man würde rein objektiv einstellen oder befördern, das wäre ein Irrglaube und imho auch ein Fehler, das Bauchgefühl auszublenden.
Ich mag nun nicht einer Vetternwirtschaft das Wort reden, aber die emotionale Ebene aus Personalentscheidungen auszublenden würde sicherlich zu einigen Problemen führen.
Noch vor gar nicht allzulanger Zeit war Frau beinnahe synonym mit Hausfrau oder Sekretärin. Hochqualifizierte Frauen waren eine Seltenheit. Einer Frau einen Führungsjob geben? Ging gar nicht, die soll doch bitte Kinder bekommen. Frau wurde gleichgesetzt mit nicht kompetent.
Darüber sind wir hinaus, dennoch gibt es nur sehr wenige Frauen, die es in die Topetagen geschafft haben.
Das liegt meiner Meinung nach daran, dass Karriere für viele Frauen schlicht nicht die Priorität hat wie für viele Männer (das lässt sich auch ganz gut an der Studienplatzwahl oder an der Zahl der Firmengründungen sehen).
Der feministische Ansatz geht davon aus, dass die Männer in den Topetagen immernoch den alten Vorurteilen nachhängen und Frauen für inkompetent halten. Die Lösung: wir zwingen die Männer Frauen an die Spitze zu setzen. Egal, ob es genug passende (und wollende) Frauen gibt. Wenn diese Vorurteile gibt, diese ein Grund sind, dann ist die Quote genau dafür geeignet, diese Vorurteile zu bestätigen, ja sie genau erst aufkommen zu lassen. Wenn es in einem Unternehmen eine Quote gibt, weiss ich dann bei Frauen nicht ob sie gut sind oder nur eine Quotenfrau. Ich würde jeder Frau von vorneherein ein Geschlechtsmalus unterstellen. Das kann nicht im Sinne des Erfinders sein.

4 Gedanken zu „Feministische Nichtlösung II: Quote

  1. „… dass Frauen gerade in den Topetagen unterrepräsentiert sind“

    Bei dem Begriff „unterrepräsentiert“ bekomme ich inzwischen steife Nackenhaare. Korrekt wäre: es gibt dort wenige Frauen, oder nur eine Minderheit. Inkorrekt ist die implizite Unterstellung, Vorstände oder ähnliche Gremien hätten irgendwelche Bevölkerungsstrukturen proportional zu repräsentieren. Nur auf Basis dieses Denkfehlers kann man von „unterrepräsentiert“ reden.

    „Hochqualifizierte Frauen“

    Der Begriff „Qualifikation“ kommt mir immer tückischer vor, je länger ich mich mit der Thematik befasse. Üblicherweise wird darunter ein bestimmtes Fachwissen (Jura, Mathematik, BWL, …) verstanden, das am besten durch einen formellen Bildungsabschluß dokumentiert wird. Dieses dokumentierte Fachwissen hängt aber oft nur lose zusammen mit dem Erfolg, den man bisher bei seinen Tätigkeiten hatte, z.B. gemessen am Umsatz oder der Zahl der Patente oder …. oder …. Zwei formal gleich qualifizierte Personen können unterschiedlich viel Erfolg haben, weil auch Einsatzwille, Geschick, Kreativität und nicht zuletzt Glück eine Rolle spielten, was alles nicht mit dem gängigen Begriff Qualifikation erfaßt wird.

    Erfolgreiche Arbeit ist aber ein Hauptargument, befördert zu werden, weil man dann extrapoliert, daß diese Person auch in Zukunft erfolgreich arbeiten wird. Das haben viele Karrierefrauen gut verstanden, und die machen auch entsprechend Karriere. Für sehr viele Frauen ist der Job aber nicht der Sinn des Lebens, wie schon im Post zum Thema Priorität gesagt, dementsprechend hinken die beim Konkurrenzkampf hinterher.

    „Der feministische Ansatz geht davon aus, dass die Männer in den Topetagen immernoch den alten Vorurteilen nachhängen“

    So ist es, diese feministische Theorie besagt vor allem, daß die Personen, die über Stellenbesetzungen entscheiden (darunter nicht wenige Frauen), unqualifiziert arbeiten, weil sie Bewerber nicht adäquat beurteilen. Diese Unterstellung halte ich noch aus ganz anderen Gründen als den oben genannten für Unfug: Die Besetzungsverfahren in vielen Unternehmen und Behörden werden ziemlich streng mit mehrfachen Kontrollen ausgestaltet. Gerade Frauen haben durch die Macht der Frauenbeauftragten in diesen Verfahren sogar regelmäßig Vorteile gegenüber männlichen Bewerbern. Der feministische Vorwurf verdreht die Fakten daher regelrecht.

  2. Bei Männer/Frauen und Karriere ist mir inzwischen eines aufgefallen:
    Ich gehe seit jeher davon aus, mal einen guten Job haben zu müssen, mit dem ich ein gutes Einkommen erwirtschafte. Dem folgend habe ich einige Entscheidungen getroffen – und sehe mich in einem permanenten Rechtfertigungszwang, weil ich auch Entscheidungen so getroffen habe, dass sie nicht diesem Ziel folgen.
    Aber warum ist das denn so? Eigentlich ist das doch mein ganz eigenes Bier. Wenn ich Entscheidungen so treffe, dass sie mir gefallen, auch wenn das bedeutet, am Ende vielleicht weniger Geld zu haben, ich damit aber gut leben kann – wo ist dann das Problem? Und dennoch fühle ich mich in diesem Rechtfertigungszwang.

    Es ist ganz klar, woran das liegt: Uns Männern wird von klein auf vermittelt, dass wir einmal ein entsprechendes Einkommen erwirtschaften können müssen, um eine Familie zu ernähren. Hey, ich bin 26 verdammt, das ist immer noch so!
    Das heißt, wir Männer haben gar keine wirkliche Wahl – bzw. wir haben es ziemlich schwer, uns dagegen zu entscheiden. Wir müssen Karriere machen – Frauen können, wenn sie wollen. Könnte es sein, dass diese starke Ungleichverteilung daran liegt? Nicht daran, dass Männer Frauen daran hindern, sondern vielleicht daran, dass das einfach nur wenige Leute überhaupt machen wollen – aber die Männer nicht danach gefragt werden, ob sie wollen?

  3. Bei der Besetzung einer Stelle soll das Geschlecht keine Rolle spielen

    Aber genau das tut es aufgrund der Quotenregelung.

    Die Quotenregelung ist nur gut für diejenigen Frauen, die lediglich aufgrund dieser Maßnahme befördert werden (und nicht aufgrund ihrer Eignung).
    Sie ist schlecht für die Männer, die deshalb zurückstehen müssen.
    Sie ist aber auch schlecht für die Frauen, die auch ohne Frauenförderung auf entsprechende Position gekommen wären. Ihnen wird immer wieder unterstellt werden, nur Quotenfrauen zu sein.
    Eine Frau die etwas auf sich hält, wird also solch ein Angebot ablehnen (was dann wieder den minderqualifizierten zugute kommt).

    Gerade in den MINT-Berufen beträgt der Frauenanteil teilweise unter 10 Prozent. Wo sollen da genügend Frauen für eine 30- oder 40-Prozent-Quote überhaupt herkommen?
    Kümmert sich dann die Kunsthistorikerin um den Vertrieb, und die Sinologin um die Entwicklung?

    Laut einer Studie des VDE will ohnehin nur gut die Hälfte aller Ingenieurinnen Führungsaufgaben wahrnehmen.

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