Komplimente und Kommunikation


Gestern bei der Mädchen Mannschaft; Christian schrieb auch dazu.
Als ich den Post über Twitter fand und gelesen habe, war mein Antworttweet:

Der letzte Absatz:

Nun ging es in meinem Fall gottlob nur um ein Lächeln auf ein Kompliment von einem Fremden. Das verursacht im Normalfall nicht allzu viele Störungen im Alltag. Aber besser wäre es doch, wenn ich mir keine Gedanken machen müsste. Wenn ein Kompliment unschuldig und unbelastet von Gender-Ungleichgewicht sein könnte. Ich würde gerne in einer Welt leben, in der ich bei einem Kompliment egal von wem lächeln könnte. Einfach so.

Es gibt viele Kommunikationsmodelle, viele davon wiederum beziehen sich auf das Eisbergmodel:

Die Wirkung ist immer die gleiche: Was a sagt ist nicht zwingend das, was b versteht, viel Ungesagtes spielt mit hinein.

Deutlich wird das an diesem Beispiel:

Ein Mann und eine Frau sitzen beim Abendessen. Der Mann sieht Kapern in der Soße und fragt: „Was ist das Grüne in der Soße?“ Er meint damit auf den verschiedenen Ebenen:
Sachebene: Da ist was Grünes.
Selbstoffenbarung: Ich weiß nicht, was es ist.
Beziehung: Du wirst es wissen.
Appell: Sag mir, was es ist!
Die Frau versteht den Mann auf den verschiedenen Ebenen folgendermaßen:
Sachebene: Da ist was Grünes.
Selbstoffenbarung: Mir schmeckt das nicht.
Beziehung: Du bist eine miese Köchin!
Appell: Lass nächstes Mal das Grüne weg!
Die Frau antwortet gereizt: „Mein Gott, wenn es dir hier nicht schmeckt, kannst du ja woanders essen gehen!“

Nun geht es um Komplimente. Wenn ich das Machtgefälle zwischen Mann und Frau als gegeben hinnehme, wenn ich weiterhin erwarte, dass der Mann die Frau unterdrücken und vergewaltigen will, dann kann ich mich nur belästigt fühlen.

Mann sagt Frau, sie könnte gut ein Dirndl ausfüllen
Sachebene: Du hast große Brüste
Selbstoffenbarung: Wäre ich doch bloß 40 Jahre jünger
Beziehung: Schade, dass das mit uns nix werden kann
Appel: lassen wir das Thema mit dem Alter.

Frau versteht:
Sachebene: Du hast große Brüste
Selbstoffenbarung: Ich will mit dir schlafen.
Beziehung: dein Körper das einzige, was mich interessiert, Frauen sind sowieso zu nichts anderem Nutze
Appel: Wenn du ein Interview willst, dann gehen wir erstmal auf mein Zimmer.

Ich sage da nicht, dass das eine oder das andere richtig ist, aber ganz klar ist, dass unsere Erwartungen an das Gegenüber einen massgeblichen Anteil an der empfangenen Information haben.
Jeder der hier liest, kennt das. Lese ich auf feministischen oder maskulististischen Seiten ein und die gleiche Information, läuft die dennoch durch ganz andere Filter. Einen Post von Antje Schrupp lese ich ganz anders als einen von Arne.
Wenn jemand nun in einer Welt leben mag, in der man bei einem Kompliment lächeln kann, muss man einfach seine Beziehung zur Welt ändern. Man kann sich seine Filter bewusst machen, und hinterfragen. Und, man kann, wenn man das denn mag, sich über ein Kompliment freuen. Wenn der Sender das geschickt hat, weil er wollte das der andere sich freut, freuen sich zwei. Wenn er das geschickt hat, um den anderen zu reduzieren, freut sich halt nur einer.

13 Gedanken zu „Komplimente und Kommunikation

  1. ein Kompliment machen um jemanden zu reduzieren? Manchmal glaube ich das es Leute gibt die einfach probieren viel zu viel in Dinge rein zu interpretieren.

    Ich persönlich mag es Komplimente zu bekommen – auch wenn ich nicht immer weiß wie ich damit umgehen soll. Ich halte mich stark zurück anderen, insbesondere vom anderen Geschlecht Komplimente zu machen – weil ich es sehr Awkward finde wenn darauf negativ reagiert wird. Schade das nicht jeder ein Kompliment einfach als positives Feedback sehen kann.

  2. Tja, Layer 8 hat wohl noch eine recht komplexe Feinstruktur.

    Auch individuelle Erfahrungen spielen mit hinein, wie man auf eine Aussage reagiert.
    Bei dem Dirndl-Beispiel bin ich etwa immer am Dirndl selbst hängengeblieben (vermutlich, weil ich im Kindergarten mal eines am Fasching tragen musste, und die seither nicht mehr leiden kann).

    Da wären mir eher Gedanken wie „Dirndl – ich bin doch kein Bauerntrampel“ oder „Tja, das kommt davon, dass ich keinen <BH| trage" durch den Kopf gegangen.

  3. Meine Güte, wie krank hat der Feminismus unsere Welt gemacht.Wer macht denn Komplimente um „den Anderen (müßte wohl heißen :die Anderin) zu reduzieren“.
    Wer sich über Komplimente nicht freuen kann, der/die ist ein armer Tropf/arme Tröpfin.

    • naja. wo läuft die grenze?
      Ich finde dich total Interessant?
      Du siehst gut aus?
      Geiler Arsch?
      Letzteres könnte schon als Reduktion verstanden werden (ich hör sowas ja trotzdem geren…)

  4. Das Problem an diesem Kommunikationsmodell ist, daß es nicht ohne Metaphern auskommt und daher nicht explizit sagen kann, wie es sich das Zustandekommen der kommunikativen Konsequenzen eigentlich vorstellt. Man kann den Ausdruck „Ebene“ nicht weglassen, ohne das das Modell uninformativ wird.

    Das ist eine Schwäche viele Modelle.

    Die naheliegendste Verbesserung besteht vielleicht in folgende Modifikation: Die Äußerung des Mannes ist ein Grund für die Frau, einige ihrer Meinungen einem update zu unterziehen. Sie gibt nicht explizit zu erkennen, welche Meinungen das sind. Aber sie reagiert auf diesen update mit einer eigenen Äußerung. Damit ist dasjenige Kommunikationsmodell gut, welches rekonstruiert, welche Meinungs- und vielleicht Einstellungsveränderungen bei der Frau durch die Äußerung des Mannes hervorgerufen wurden, damit ihre Äußerung rational ist.

    Solange man das nicht hinbekommt, sind die üblichen psychologischen Kommunikationsmodelle eigentlich nur Raterei und erzeugen keinen ernstzunehmenden Fortschritt.

    • Ich habe weder eine ahnung, was du sagen willst.
      Modelle, die nicht alles immer vollständig und mit 100% sicherheit alles erklaeren sind unnütz?
      Ebene ist eine Metapher? Nicht wirklich.
      Du kannst dir auch die Transaktionsanalyse anschauen. Kommunikation ist immer mehr als das gesprochene wort, mehr auch als das wort und die gestik.
      Und dass eine Aktion immer auch unterschiedliche Reaktionen haben kann, auch das sollte selbstverständlich sein.
      Sich bewusst machen, dass eben aus solchen gründen zu Missverständnissen und eben auch zu Konflikten kommen kann, ist für Menschen, die kommunizieren, ein unendlicher Fortschritt.

      • „Ich habe weder eine ahnung, was du sagen willst.“

        Ich schlage dir eine neue Richtung vor, über Kommunikation mit geschlechtern nachzudenken.

        „Modelle, die nicht alles immer vollständig und mit 100% sicherheit alles erklaeren sind unnütz?“

        Nein, aber wenn sie eigentlich gar nichts erklären, wie das Eisbergmodell, dann schon.

        „Ebene ist eine Metapher? Nicht wirklich.“

        Doch, Metaphern, die uns zum Gehen bringen, während normale Wortverwendungen uns erlahmen oder wie blind umhertappen lassen: Potente Metaphern bilden nicht einfach Sachverhalte ab, die uns klar vor Augen liegen, sondern sie geben Zusammenhängen Gestalt, von denen wir ohne diese Metaphern nichts wüßten. Insofern erscheint uns die Metapher wie eine Affaire zwischen einem Prädikat mit Verwendungsvergangenheit und einem neuen Gegenstand, der sich ihm unter Protest hingibt. Das gilt vor allem, aber nicht nur im Raum des von Menschen Gemachten und irritierenderweise ist Exaktheit in solchen Fällen die bevorzugte Art, das Thema vollkommen zu verfehlen.

        Eine Metapher probiert einen bewährten Begriff in einem neuen Kontext aus. Das hilft – aber nur wenig. In der Kommunikationstherorie warte ich schon lange auf den nächsten Schritt.

        „Du kannst dir auch die Transaktionsanalyse anschauen.“

        Kenne ich – ich halte wenig davon, aber das kann ich unmöglich alles in einen Kommentar pressen. Und nur weil Arne mal Transaktionsanalyse erwähnt hat, ist das Teil gleich auch ein Renner.😉

        „Kommunikation ist immer mehr als das gesprochene wort, mehr auch als das wort und die gestik.“

        Ich rede von was anderem – der metaphorischen Verwendung von „Ebene“.

        „Und dass eine Aktion immer auch unterschiedliche Reaktionen haben kann, auch das sollte selbstverständlich sein.“

        Aha! … und wie erklärst du dir das ohne Ebenen? v.Thun sagt statt „Ebene“ einfach „Aspekt“ – und kann soviel wie das Eisbergmodell.

        Ist doch seltsam, oder?

        „Sich bewusst machen, dass eben aus solchen gründen zu Missverständnissen und eben auch zu Konflikten kommen kann, ist für Menschen, die kommunizieren, ein unendlicher Fortschritt.“

        Na ja … das kennt ja jeder aus dem Alltag und soweit du es schilderst, hat es ja nicht mal was mit Geschlechtern zu tun, sondern kann so auch zwischen denselben Geschlechtern ablaufen.

        • Wusste nicht, dass Arne was zur Transaktionsanalyse geschrieben hat.
          Ich arbeite seit 18 Jahren im Kundensupport und als Führungskraft, da bleiben Seminare mit den Themen nicht aus.
          Ich habe meinen Artikel auch nicht auf Mann-Frau Kommunikation bezogen, dass funktioniert Mann mann, frau frau genauso, da hast du recht.
          Die Modelle helfen, Reaktionen zu verstehen, sie helfen auch, damit umzugehen.
          Der Mann mit dem grünen zeug.. die natürliche reaktion in der situation ist doch „Was ist denn los, hat die einen an der waffel?“

          Zum beispiel kann es in schwierigen situationen sinn machen, einfach einmal seine Stimmungslage bekannt zu geben.
          In extremen situationen kann man dann zum beispiel hingehen und ganz steif sowas von sich geben:
          Ich nehme wahr, dass du zu spät zu einem meeting erschienen bist.
          Das wirkt auf mich, als hättest du kein Interesse an dem Projekt.
          Ich würde mir wünschen, dass du in zukunft pünktlich erscheinst.
          der andere bedankt sich und entscheidet, ob er das annimmt (wünschen-wahrnehmen-wirken / danke entscheidung). Das beispiel oben ist trivial, aber das hilft in manchen situationen tatsächlich, schon alleine weil das ritualisiert werden kann.
          Ein Allheilmittel ist das nicht. Aber es kann helfen.

          • Ich nehme wahr, dass du zu spät zu einem meeting erschienen bist.
            Das wirkt auf mich, als hättest du kein Interesse an dem Projekt.
            Ich würde mir wünschen, dass du in zukunft pünktlich erscheinst.

            Oh wie ich solche Aussagen hasse.
            Gerade diese pseudo sachlich formulierungen kommen bei vielen Empfänger immer Negativ an da sie total ich bezogen wirken sind und vom Angesprochenen noch nichtmal eine Antwort benötigt wird…

            Ich nehme wahr, dass du zu spät zu einem Meeting erschienen bist.
            = Ich habe genau gesehen das du zu spät bist
            Das wirkt auf mich, als hättest du kein Interesse an dem Projekt
            = Ich hab zwar keine Ahnung warum du zu spät bist aber es ist garantiert Absicht.
            Ich würde mir wünschen, dass du in Zukunft pünktlich erscheinst.
            = Komm beim nächsten mal gefälligst Pünktlich.

            Da reicht normalerweise ein, freundliches „Bitte achte drauf beim nächstenmal Pünktlich zu sein“

            • Das funktioniert natürlich nur, wenn das format bekannt ist. Und natürlich habe ich da auch überspitzt. Wichtig da ist auch, dass der Empfänger sich nicht verteidigt, sonder es einfach akzeptiert. Ob er was aus dem Feedback macht, bleibt seine entscheidung.
              Das Freundliche „Komm doch bitte das nächste mal pünktlich“ lässt viel mehr raum für missverständnisse.

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