Der Ruf des Feminismus


Emma sagte, der Feminismus wird viel zu oft mit Männerhass gleichgesetzt. Woran das liegen könnte, weiss jeder, der hier liest.
hier hat ein Kommentator ein paar Beispiele zusammengestellt. Ich führe das mal nicht weiter aus.
Ich kenne, mit Ausnahme von Sommers, keine namhafte Feministin, die sich den Auswüchsen entgegenstellt.
Was tun feministische Akteure, um den Ruf zu verbessern? Nichts. Educate yourself. Man haut lieber auf die drauf, die gegen den Feminismus argumentieren. Kann man machen, fixt das Problem aber nicht. Die Nazikeule ist ausgelutscht, versuchen wir es mit Homophobie.
Ja, es gibt viele, die aus rein konservativen Gründen den Feminismus ablehnen. Nicht meine Welt.
Wie jetzt, ich schreibe gegen „den“ Feminismus an, und erbitte mir von meinem „Gegner“ Differenzierung? Geht ja eigentlich gar nicht.
Ich schreibe mal kurz, was so die Gemeinsamkeiten „des“ Feminismuses sind, die ich als „den“ Feminismus meine:
Glaube an das Patriachat
Glaube an die fortwährende männliche Unterdrückung der Frau
Glaube, dass nur Männer Privilegien haben (oder doch zumindest deutlich mehr)
Sollte dies nicht zutreffen, dann braucht sich keiner der hier lesenden Feministen auf den Schlips getreten fühlen.
Vetritt eine Bewegung jedoch die obigen Thesen, dann ist es nur zu offensichtlich, dass diese Bewegung natürlich Menschen anzieht, die den Männern nicht unbedingt freundlich gegenüberstehen. Und ist es da nicht klar, dass der Männerhass da auch häufiger vertreten ist, als in der allgemeinen Bevölkerung? Würde mir regelmässig erzählt, ich würde wegen meines Geschlechtes weniger verdienen, dass mich das andere Geschlecht aktiv an meiner Karriere hindert, ja, dann mag ich die doch ganz bestimmt. Wenn ich für jedes meiner Probleme den Schuldigen im hegemonialen Mann finden kann?
Ist der Ruf des Feminismus noch zu retten? Ich glaube nicht. Ich glaube auch nicht einmal, dass die Protagonisten dies wollen. Da bekämen sie nach innen Probleme.

Klar, es wird Charmeoffensiven alla Emma Wattson geben. Aber nicht einmal die werden mehr geschluckt. Ich glaube, der moderne Feminismus hat sein Blatt schlicht überreitzt. Vielleicht ist es demnächst an der Zeit, neu zu mischen. Dann könnte man UN Woman vielleicht durch ein UN Humanity ablösen. Probleme nicht mehr nur unilateral angehen. Aber das dauert vielleicht noch ein bisschen.

Ich will keine feministische Gesellschaft. Ich will aber auch keine maskulistische. Ich will eine gleichberechtigte aber keine gleichgestellte.

Was mir bei dem Ganzen etwas Sorgen macht, ist, dass viele, die den Feminismus nicht wollen sich in das Konservative flüchten. Hier die AfD, in den USA die Republikaner. Nicht wirklich meine Wunschparteien. Aber hey, vielleicht macht das Beispiel der Piraten ja Schule.

15 Gedanken zu „Der Ruf des Feminismus

  1. Das hast du schön zusammengefaßt. Das ist sozusagen die Position des gesunden Menschenverstandes. Ich frage mich auch, wie einige wenige gemäßigte Maskulisten nicht sehen wollen, daß Leute wie Hoff-Sommers die Trotzkis des Feminismus sind und nie akzeptiert werden. Und erst recht werden sie nicht irgendwann obsiegen und den guten, gewandelten Feminismus geschaffen haben. Das wird eher so laufen wie mit dem Kommunismus. Er wird untergehen. Niemand bekennt sich mehr zu ihm, nur noch ein paar obskure Sonderlinge.

    Ich lehne ironischerweise auch den Begriff des Maskulismus ab. Man sollte erst gar nicht damit anfangen und auf der konkreten Sachebene bleiben. Ich träume ja immer noch von Leuten, die so sophisticated sind, daß sie in einer Talkshow sitzen und auf die empörte Nachfrage, ob sie ein Maskulist seien, einfach mit nein antworten.🙂 Und eben trotzdem ihre Agenda fortführen.

    So kann man schön feministisch gleichgeschaltete Personen vorführen.

    Aber na ja. Der konservative Antifeminismus ist leider eine reine Ressentiment- und Sentiment-Angelegenheit. Kaum durchdacht, reiner Traditionalismus, kein offensives Engagement und Bewußtsein für die Probleme von Männern.

  2. Ich bin deswegen ein Anhänger des Equalismus geworden. Leider gibt es dazu keine passende politische Bewegung oder Partei. Daher muss ich Kompromisse machen.
    Aber ebenso wie du, sehe ich den Ruf des Feminismus als ruiniert an. Eine Männerbewegung ist ebenso sinnlos, da die Problem ja nicht bei einem Geschlecht liegen, sondern in der negativen Seite des Menschsein, angelegt sind.
    Daher ist nur eine Menschenrechtsbewegung für alle etwas was mich interessiert. Scheinbar entsteht diese gerade. Der Name ist eigentlich egal. Aber Egualismus ist so ein unbeschriebenes Blatt, man findet dazu nicht mal eine Definition in der Wikipedia. Das passt eigentlich sehr gut. Eine neue Bewegung darf nicht vordefiniert sein. Und wenn echte Männerrechtler und Feministen aufeinander zugehen sollen, dann darf da auch keiner die Deutungshoheit haben .
    Auch ich will eine gleichberechtigte, keine gleichgestellte Gesellschaft. Denn Gleichstellung heißt Ergebnisgleichheit, egal welche Voraussetzungen oder Fähigkeiten man mitbringt. Das kann in Einzelfällen sinnvoll sein, als gesellschaftliches Ziel ist es verheerend, Gleichmacherei und analog zu sehen zur Vision der Eigentumslosigkeit im Kommunismus.
    Beides, das Ableugnen das es unterschiedliche Fähigkeiten gibt die zu unterschiedlichen Ergebnissen führen müssen, wie das Ableugnen des Triebs des Menschen zu Mehr, ist fatal und geht am Menschsein krass vorbei. Menschen möchten gerne was ihr eigen nennen und Menschen möchte gerne etwas können und dafür belohnt werden. Das ist zutiefst menschlich und wer das wie der Kommunismus oder der Feminismus den Menschen wegerziehen will scheitert nicht nur, sondern führt die Menschheit in totalitäre Regime.

    • Ich gestehe, ich tue mich da sehr schwer.
      Ist ja nicht so, dass sich ein Feminist selbst definiert. Gerade auf twitter ist es immer ein „du hast einfach nicht verstanden, was feminismus ist“ Welcher Feminismus nun?
      Die Frage ist, wer ist verantwortlich für die Aussenwirkung des Feminismus?
      Wer für die Aussenwirkung des Maskulismus?
      Beim Feminismus wird immer sehr viel vorrausgesetzt, was aber dann nicht definiert wird.

      Ich bestreite nicht, dass es durchaus Positionen gibt, die ich mit Feministen teile. Ich teile auch viele islamische, buddhistische, und wenn ich suche finde ich bestimmt auch was bei der scientologie, was ich gut finde.

      • @ tom174

        „Ich gestehe, ich tue mich da sehr schwer.“

        Das war ja auch kein Versuch dich zum liberalen Feminismus zu bekehren,🙂
        (ich bin ja noch nicht mal ein Liberaler), sondern sollte nur verdeutlichen, dass für eine wahrheitsgemäße und faire Beurteilung feministischer Strömungen schon berücksichtigt werden sollte, dass z.B. echter klassischer liberaler Feminismus (auch wenn er heute eher selten ist) etwas anderes ist als der heute in westlichen Gesellschaften leider vorherrschende Radikal/Gender/Staatsfeminismus. (Auch echter klassischer sozialistischer Feminismus ist übrigens etwas anderes).

        „Ist ja nicht so, dass sich ein Feminist selbst definiert.“

        Es gibt potentiell schon verschiedene Möglichkeiten der Selbstdefinition, es ist nur so, dass die vorherrschenden Strömungen des Radikal- und Genderfeminismus gerne das Definitionsmonopol an sich reißen.

        Mir ist egal, wie sich jemand nennt, ich gehe nur nach dem, was jemand vertritt.

        • „Das war ja auch kein Versuch dich zum liberalen Feminismus zu bekehren,“
          Ist mir schon klar.
          „Es gibt potentiell schon verschiedene Möglichkeiten der Selbstdefinition“
          Potentiell, ja. Aber erlebe ich nicht wirklich. Wird der Feminismus kritisiert, kommt oft erst „educate yourself“ und wenn man dann noch nicht geblockt ist ein „das ist nicht mein Femininismus“
          Mir ist schon klar, dass ich da Dinge in einen Topf schmeisse, die nicht unbedingt in einen Topf gehören, aber ich kritisiere die meinem Erleben nach vorherrschende Meinungen.

  3. „Ich will keine feministische Gesellschaft. Ich will aber auch keine maskulistische. Ich will eine gleichberechtigte aber keine gleichgestellte.“

    Hört sich im Prinzip gut an, der Teufel steckt aber im Detail. Trotz aller gegenseitiger Aufklärung übereinander leben Männer und Frauen ja in mancher Hinsicht in verschiedenen Welten und nehmen die gleiche Realität unterschiedlich wahr. Selbst in der schönsten aller denkbaren Welten müßten daher Männer und Frauen ihre Interessen zu manchen Fragen selber ergründen und formulieren. Sonst läuft das auf gutgemeintem Sexismus hinaus, der vielleicht etwas ruppig, aber nicht zu Unrecht als mansplaining bzw. womansplaining kritisiert wird.

    Mit dieser eigenen Interessenvertretung wäre man aber wieder bei einer neuen Form von Feminismus bzw. Maskulismus, die idealerweise in einem respektvollem Dialog miteinander nach Kompromissen suchen.

    Fatalerweise sind aber nicht alle Menschen sozialkompetent, und fast immer übertönen die schrillsten Chaoten die schweigende Mehrheit und ruinieren das Diskussionsklima.

    Deshalb halte ich wie auch immer organisierte Strukturen, die die beiden Seiten repräsentieren und die nicht von Extremisten gekapert werden können, für wichtig. Analog zu Gewerkschaften und Arbeitgeberverbänden, die Interessengegensatz verkörpern und meistens allgemein akzeptierbare Kompromisse finden. Idealerweise hätte eine Gesellschaft also gleichwertige feministische und maskulistische Interessenvertretungen. Davon sind wir allerdings angesichts 1000er Frauenbeauftragter und feministischer Hegemonie in fast allen Parteien noch mindestens eine Generation entfernt.

  4. Sehr gut beschrieben. Die Einschätzung halte ich auch für richtig.

    Kann ich unterschreiben wie auch diesen schönen Satz daraus

    „Ich will keine feministische Gesellschaft. Ich will aber auch keine maskulistische. Ich will eine gleichberechtigte aber keine gleichgestellte.“

    Nur damit das passiert muss sich dem Feminismus entgegengestellt werden. Ganz genauso wie es mit den richtigerweise vorgebrachten Analogien von Kirks Kommentar auch war. Von selbst passierte das nicht. Und von selbst wird es auch hier nicht passieren.

  5. Was ist denn mit „vielleicht macht das Beispiel der Piraten ja Schule“ gemeint ???
    Dass ein paar Feministinnen eine ganze Partei in die … also den Mist reiten können ? Das soll Schule machen ??

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