Sexualität und Macht


Eigentlich wollte ich einen bei Nicht Feminist erwähnten Artikel bei den Störenfriedas lesen. Da da aber die Hauptseite und nicht der gemeinte Artikel verlinkt ist, kam ich auf diesen.

Wieder einmal Prostitution. Wieder einmal schreibe ich was dazu. Warum eigentlich? Würde es mich betreffen, wenn es keine Prostitution mehr gäbe? Nein. Aber wird das Thema Prostitution von Feministischen Gegenern der Prostitution behandelt, zeigt sich sehr deutlich, was mich an der Sorte des Feminismus abstößt.

Aber wozu braucht die Gesellschaft Prostitution, Stephanie?

Wozu braucht eine Gesellschaft Putzmenschen? Müllabfuhr? Goldminenarbeiter?

Wozu braucht es die Tatsache, dass Männer Frauen kaufen dürfen (denn die meisten Prostituierten sind weiblich, und die, die männlich sind, bedienen das Homosexuellenmilieu). Wie erklärst Du Dir denn diese Tatsache und was sagt sie für Dich aus? Anscheinend ist das für Dich kein Merkmal eines Machtverhältnisses. Und da ist er schon, der erste blinde Fleck auf Deiner Linse.

Dass ein Freier nicht die ganze Frau, sondern nur eine Dienstleistung kauft, egal. Ist das Ausdruck eines Geschlechtermachtverhältnisses? Ja, ganz klar. Aber es ist genau umgekehrt. Nicht die Männer haben hier die Macht, sondern die Frauen. Nehmen wir an, ich hätte einen Baum, auf dem etwas wächst, was andere haben wollen. Sie sind bereit mir dafür Geld zu zahlen. Bin ich der Mächtige, oder haben die anderen die Macht? Es mag wohl niemand bestreiten, dass es für eine Frau im Allgemeinen viel leichter ist, einen Sex Partner zu finden als für einen Mann. Das mag biologisch oder gesellschaftlich begründet sein, aber es ist schlicht ein Fakt. Männer gehen mit ihrer Sexualität freizügiger um als Frauen. Es streitet doch wohl kaum wer ernsthaft ab, dass viele Frauen aus ihrer Sexualität Vorteile ziehen, die nichts mit ihrer eigenen Befriedigung zu tun haben.
Ja, auch Frauen haben sexuelle Bedürfnisse, das stelle ich nicht in Frage. Aber stellt euch mal Anna’s perfekte Woche mit einem Mann als Protagonisten vor. Ich habe keine Ahnung, wie viel da real und wie viel Fiktion ist, aber ich habe kaum Schwierigkeiten mir vorzustellen, dass das möglich ist. Wir Männer sind leicht rumzubekommen. Frauen eher nicht. Und ja, ich fände es toll, wenn es viel mehr Annas auf der Welt gäbe.
Die Hippiezeiten. Was den Sex und die Freizügigkeit anging, fantastisch. Wie cool wäre das denn?
Hat sich nun leider nicht durchgesetzt. Die meisten Heteromänner leben in monogamen Beziehungen (oder sind alleine). Die Monogamie Sache.. ich glaube die meisten Männer leben nur für ihre Partnerin monogam, nicht weil sie das selbst wollen. Kann natürlich auch sein, dass eine neue Frau ins Bett zu bekommen als eine besondere Leistung ist, dass man daraus Selbstbestätigung zieht. Oder der Reiz des Verbotenen. Wäre Sex auf einer Stufe mit einem Handschlag, vielleicht wäre Monogamie dann immernoch da.
Aber zu leugnen, dass die Verknappung einer Sache, in dem Fall Sex, für den Teil, der die Sache besitzt, Vorteile bringt, ist.. gewagt.
Ich bin echt gespannt, wie dies in 10, 20 Jahren sein wird. Bis dahin wird es Holodecks, Androiden oder sonstige Illusionen geben, mit denen man auch Sex nachspielen kann. Wenn es den Feminismus bis dahin noch gibt, wird er auch dagegen opponieren? Christian hat irgendwann mal das Sex/Geschlechter/Feminismusding mit der Spieltheorie schön beschrieben.

12 Gedanken zu „Sexualität und Macht

      • Ah, sorry, fehlender Kontext. Ich habe gestern abend über Suffragetten gelesen, das war noh im Kopf.

        PorNo, Anti-Prostitution, No Page 3, Sexismus in Spielen und so weiter und so fort sind m.E. alles zumindest zum Teil Machtkämpfe.
        Es wird immer Frauen geben, die zu allem bereit sind, um ihre sexuelle Macht nicht geschmälert zu sehen.
        Falls es mal funktionierende Sexroboter geben sollte, wäre ich mir sicher, dass im Zweifelsfall (i.e. das politische Verbot geht nicht schnell genug) irgendwelche rechtschaffende Frauen versuchen würden, die Fabriken in die Luft zu jagen.

        Es gibt in jeder Generation Mary Richardsons.

  1. Wobei man sicherlich ergänzen muss, dass der Markt auch drehen kann: Wenn es eine sehr hohe Anzahl Prostituierter gibt, die dringend auf Geld angewiesen sind, dann wird der Freier eben zu dem, der die Verhandlungsmacht hat. Ebenso wahrscheinlich bei weniger gut aussehenden Prostituierten, die weniger Nachfrage haben

    • Oder es gar Frauen gibt, die ohne Geld mit einem schlafen?

      Die Lösung für das Problem wären ja mehr Freier oder weniger Prostituierte. Nach der Kaufverbotslogik ist obiges ding ja ein Schritt in die feministische Richtung. Die Nachfrage sinkt im Verhältnis zum Angebot. Bedingt die Nachfrage die Prostitution, dann müsste es Bei einem Überangebot ja weniger Prostituierte geben.
      Was du beschreibst ist ja ein Überangebot an käuflichem Sex, also das, was vermutlich eintreten wird, wenn man die Nachfrage (also den Freier) unter Strafe stellt.
      Die Armutsprostitution ist eine schlimme Sache, wird aber durch die Armut bedingt. Will ich diese bekämpfen, muss ich die Armut bekämpfen.

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