Diversität in Unternehmen (und Familien)


Was ich von der Quote halte, ist hinlänglich bekannt. Ich halte auch Diversität in Unternehmen nicht für einen Selbstzweck. Unterschiedliche Eigenschaften und Einstellungen zu kombinieren ist durchaus sinnvoll (wenn diese Einstellungen kompatibel sind), aber das macht sich nicht am Geschlecht oder der Hautfarbe fest.
Nun wird bei Christian diskutiert, ob die Mann Frau Familie das Optimum für das Kind ist.

Wenn das stimmt und als Argument gegen die Homoelternschaft genommen wird, dann müsste von den gleichen Personen auch eine 50:50 Quote im Job gefordert werden.
Ich glaube das nicht. Ich glaube, zwei Frauen oder zwei Männer können Kinder genauso gut oder genauso schlecht wie ein Heteropaar erziehen. Wenn ich mir anschaue, welche Hürden ein Homopaar derzeit überwinden muss, dann werden die Homos im Allgemeinen gerade sogar besser abschneiden.
Ich bleibe dabei. Geschlecht ist weder Qualifikation noch Charaktermerkmal. Weder im Job, noch in der Familie.

23 Gedanken zu „Diversität in Unternehmen (und Familien)

  1. (weibliches) Geschlecht ist durchaus die Qualifikation um z.B. den eigenen Säugling zu stillen.
    Ich bin nun kein Verfechter psychoanalytischer Theorien oder halte diese für unzweifelhaft, aber diese lassen sich auch nicht so einfach als bedeutsamer fachlicher Maßstab für die psychosoziale Entwicklung eines Kindes beiseite wischen.
    de.wikipedia.org/wiki/Triangulierung_(Psychologie)

    Ich finde es durchaus ein legitimes Anliegen von Homosexuellen, das Adoptionsrecht zu fordern und unterstütze das sogar, ich möchte einer Gegenposition hierzu bloß nicht umgekehrt jegliche Legitimation absprechen. Ich denke schon, dass ein gleichgeschlechtliches Elternteil entwicklungspsychologisch essentiell ist. Das ist je Geschlecht des Kindes bei gleichgeschlechtlichen Eltern nicht mehr gegeben.
    Man kann nicht per se alle sozialen Geflechte als gleich geeignete Sozialisations-Ausgangsbedingung für ein Kind bezeichnen. Wenn man mir diesen slippery slope verzeiht frage ich mal ganz provokant, mit welchem Argument man noch einer Studenten-WG, die gemeinsam ein Kind großziehen möchte, dieses vorenthalten will.
    Denn wenn das Geschlecht von Eltern keine Rolle spielt, warum dann ihre Anzahl oder die Art und Verbindlichkeit ihrer Beziehung zueinander?

    Mal ein Beispiel: Kinder entwickeln ein natürliches Schamgefühl bezüglich ihrer Intimität, in der Regel vor allem gegenüber dem gegengeschlechtlichen Elternteil. Es gibt viele Kinder, die sich nur dem gleichgeschlechtlichen Elternteil gegenüber nackt zeigen wollen. Wie wird sich wohl ein Mädchen mit 2 Papas fühlen, das zum ersten Mal seine Tage hat?

    Wie gesagt, ich bin nicht gegen das Adoptionsrecht.
    Aber so einfach kann man es sich nicht machen.

    Das quasi als „Quotenregelung“ zu interpretieren und auf die Wirtschaft zu übertragen, ist nun wirklich sehr sehr abenteuerlich.

    • „Das quasi als “Quotenregelung” zu interpretieren und auf die Wirtschaft zu übertragen, ist nun wirklich sehr sehr abenteuerlich.“
      Ist es das wirklich? Lies dir deinen Kommentar durch, und du wirst Argumente finden, die auch Quotenbefürworter anbringen. Das Prinzip einer Familie ist dem eines Unternehmens nicht so fundamental unterschiedlich. Menschen tun sich zusammen, um eine Aufgabe zu bewältigen, welche alleine nur schwer oder gar nicht zu meistern ist.
      Mir ging es auch nicht darum, Kritiker des Homoadoptionsrechts zu delegitimieren. Aber ich kann mich nicht hinstellen und sagen Quote ist quatsch, Männer und Frauen sind gleich fähig, die Rollenkorsette schon aufgeweicht genug und gleichzeitig behaupten, dass ein Kind unbedingt Mann und Frau braucht, da beide ja ganz unterschiedliche Eigenschaften mitbringen.

      • Das Prinzip einer Familie ist dem eines Unternehmens nicht so fundamental unterschiedlich.

        Oh doch, das ist es! Aber hallo.

        Dein Argument ist ja vollkommen beliebig und baut nur auf einem an den Haaren herbeigezogenen Vergleich auf. Du kannst auch sagen, ich würde fordern, dass ein Unternehmen von genau 2 gleichberechtigten Partnern geführt werden muss. Weil beim Sorgerecht ist es ja auch so.
        Außerdem muss für die Kinderbetreuung Mindestlohn gelten und die Arbeitszeit muss auf 10 Stunden täglich begrenzt sein, zusätzlich gibt es gesetzlich geregelte Wochenend- und Urlaubstage. Der Sorgeberechtigte hat eine Kündigungsfrist von 3 Monaten und kann sich im Rahmen dessen seiner Aufgabe ohne Angaben von Gründen entledigen.
        Ein Kind hat psychische und physische Grundbedürfnisse, die mit einer Firma rein gar nichts zu tun haben.

        Umgekehrt wird sogar ein Schuh draus: es gibt auch in der Wirtschaft Anforderungsprofile, die eine Geschlechtervorgabe haben. Gleichstellungsbeauftragte zum Beispiel. Darüber kann man streiten. Aber beispielsweise arbeiter in Frauenhäusern nur weibliches Personal. Und jeder Mensch hat bei Sicherheitskontrollen das Recht, nur von Geschlechtsgenossen abgetastet zu werden.

        Aber ich kann mich nicht hinstellen und sagen Quote ist quatsch, Männer und Frauen sind gleich fähig,

        Hä, wie bitte? Die Argumente gegen die Quote haben doch nichts damit zu tun, dass Männer und Frauen gleich fähig seien!

        Ich halte Männer und Frauen überhaupt nicht per se für gleich fähig. Im Gegenteil, ich halte es für ganz normal, dass Frauen im Schnitt bestimmte Berufe besser liegen als Männern und umgekehrt.

        Selbst wenn das ein Argument GEGEN die Quote wäre und Männer und Frauen wären gleich geeignet für den, hieße das noch lange nicht dass man das auf die Erziehung übertragen kann.

        Es geht aber dabei auch weniger um Fähigkeiten, sondern um die Entwicklungspsychologie des Kindes. Das Grundbedürfnis nach Muttermilch kann z.B. der Vater schon mal nicht erfüllen. Ich halte den Vater zwar für im Verlauf ebenso wichtig, aber für die primäre Bindung in den ersten Wochen und Monaten ist die Mutter schon hormonell prädestiniert. Die Mutter-Kind-Bindung beginnt schon lange vor der Geburt, dazu gibt es genug Literatur.

  2. „Ich glaube, zwei Frauen oder zwei Männer können Kinder genauso gut oder genauso schlecht wie ein Heteropaar erziehen. Wenn ich mir anschaue, welche Hürden ein Homopaar derzeit überwinden muss, dann werden die Homos im Allgemeinen gerade sogar besser abschneiden.“

    Da gebe ich Dir recht. Trennungskinder sind ein gutes Beispiel dafür, daß Kinder eben nicht unbedingt Vater und Mutter brauchen. Dass es ihnen damit sogar besser gehen kann. Aber eben auch statistisch ein Beispiel, daß es im Schnitt eben doch besser ist mit einem präsenten Vater und einer ebensolchen Mutter aufzuwachsen. Männlichkeit und Weiblichkeit zu erleben. Und sei es, um sich davon wegzuentwickeln zu können und eine ganz eigene auch geschlechtliche Identität zu entwickeln.

    Auch halte ich es im Job für völlig egal. Was sich eben nur dann ändert, wenn die eigene Persönlichkeit und nicht das Arbeitsergebnis wichtig für die Arbeit ist. Eben bei Lehrern, Kindergärtnern und anderen Pädagogen.

    Ein recht interessantes Ergebnis habe ich hier gefunden. http://scienceblogs.com/pharyngula/2015/02/07/sexism-is-derailing-mathematicians-from-an-early-age/

    Mädchen werden in Mathe schlechter eingeschätzt. Was an den weiblichen Lehrern liegt. Mal so ganz grob zusammengefaßt. Ja, eine Quote, Diversität, in pädagogischen Berufen könnte ich mir als nutzbringend vorstellen. Beim Jugendamt übrigens auch. Wenn ich den Gedanken weiterdenke, wäre sie in HR vielleicht auch nützlich.

  3. Ich würde Vater+Mutter als „die sicherste Wette“ ansehen. Aber am Ende geht es wohl darum, dass ein Kind sowohl positive Männer als auch Frauen in seinem Leben erlebt. Das kann durch vielerlei Gründe nicht eintreten – deswegen halte ich es für scheinheilig, homosexuellen Paaren Kinder zu verwehren, ohne gleichzeitig bei jedem anderen Kind sicherzustellen, dass auch ja Vater- und Mutterfigur im Leben vorkommen.

    • völlige Zustimmung!!
      Es gibt absolut keine Grundlage zu behaupten, dass Homosexuelle für die Erziehung eines Kindes ungeeignet seien.

      Solange es aber ein Überangebot an geeigneten, heterosexuellen Adoptionspaaren gibt, KANN man so argumentieren, dass die Adoption erstmal diesen vorbehalten sein sollte.

          • Hilft alles nix. Wenn wir Homos Kinder bekommen wollen, bekommen wir welche. So schwer ist das auch nicht. Sperma ist günstig und ich würde meines freimütig verschenken, wenn nicht die Vaterschaftsgesetze so stringent wären.

            • Ist ja auch nichts gegen einzuwenden, so lange Kind und leibliches Elternteil das Recht auf Kontakt haben.
              Meinst du mit Leihmutter?

            • Ah okay, was die Samenspende angeht, bin ich sogar allgemein gegen das Informationsrecht und für Datenschutz.
              Wenn das Kind dann allerdings 2 Mamas und keinen Papa hat, bin ich fast geneigt doch wieder dem Bundesverfassungsgericht zuzustimmen. Schwierig…

  4. Wenn ich der Meinung bin, dass eine „Mann Frau Familie das Optimum für das Kind ist“, lässt das nicht den Schluss zu, dass ich finde, dass ein „Mann Frau Team“ das Optimum für irgendwas anderes ist (oder für überhaupt alles).

    Bienen sind hervorragend geeignet, Blumen zu bestäuben. Davon können sie keine Atomkraftwerke bauen.

    Ich würde auch gerne glauben, dass das Geschlecht nichts ausmacht, aber die Fakten sprechen halt dagegen. Alleinerziehende Mütter „produzieren“ überproportional viele kriminelle Kinder. Alleinerziehende Väter tun das m.W. nicht (was aber an der mangelnden Datenlage liegen mag).

    Auf dieser Basis könnte ich argumentieren, dass man zwei Männern durchaus Kinder anvertrauen könnte – was soll schon passieren – zwei Frauen hingegen lieber nicht, das Kind wird nur kriminell². Ach, lass es uns doch ausprobieren, Menschenexperimente hatten wir schon lange nicht mehr.

    • Unternehmen sind sehr vielvältig. In einem sind sie gleich: Eine Gruppe von Menschen erfüllt zusammen Aufgaben. Nichts anderes macht die Familie.
      „Alleinerziehende Mütter “produzieren” überproportional viele kriminelle Kinder.“
      Korreltaion und Kausalität. Mal abgesehen davon, dass das „alleinerziehend“ wohl schwerer wiegt als das Geschlecht, könnte es genauso sein, dass sozial eher unerträgliche Mütter diejenigen sind, bei denen die Partnerschaften nicht halten.
      „Ach, lass es uns doch ausprobieren, Menschenexperimente hatten wir schon lange nicht mehr.“
      Machen wir doch jeden Tag. Meine Frau, Lehrerin kann Geschichten von Eltern erzählen, die imho ganz offensichtlich ungeeignet sind, Kinder zu erziehen.

      • Gute Punkte. Mit Ausnahme der steilen These zur Parallele zwischen Unternehmen und Familien; da sind die „Aufgaben“ dann doch zu unterschiedlich. Wobei… hmmm… interessant jedenfalls. Im Rest stimme ich Dir zu.

        • Beides, Diversität im Job und Frau Mann Erziehung fusst auf der Annahme, dass Mann und Frau sich unterscheiden und Dinge unterschiedlich angehen. Bei der Jobquote wird das wahlweise aber negiert (frauen sind genau gleich, werden aber unterdrückt). Die einen sagen, die Unternehmen brauchen Diversität, weil wirtschaftlich besser, die anderen sagen, die Männer haben nur angst um ihre Pfründe, deswegen werden Frauen, die das alles genauso machen könnten, unterdrückt.
          Ich glaube ja schon, dass es Eigenschaften gibt, die sich bei Männern bzw. Frauen häufen. Aber diese Gruppenhäuffungen zwingend jedem Individuum zu unterstellen geht schief.

            • Natürlich wird das getan. Ich bekomme weniger Geld, weil ich eine Frau bin. Ich werde nicht befördert, weil ich eine Frau bin, die Vorstandstatistiken belegen das. Teach men not to rape. Jeder Mann ist ein Vergewaltiger. Jeder Mann hat Pivillegien. Frauen fehlt es an Durchsetzungskraft. Es wird doch, gerade in der Geschlechterdebatte extrem häufig von Gruppenverteilung auf Einzelschicksale geschlossen.

            • Also ich sage aber nicht, dass irgend ein individueller Vater oder eine individuelle Mutter für die Erziehung geeignet ist.
              Ich bin aber geneigt zu sagen, dass ein Kind per se das Recht auf Vater und Mutter hat.
              Nach deiner Logik könnte der Staat die Stellen ja auch ausschreiben. Nicht die leiblichen Eltern sind automatisch Eltern, sondern zwei Personen die dafür bestmöglich qualifiziert sind.
              Wie bei einem ganz normalen Job. Ist ja nicht fundamental anders. Beides sind Aufgaben.

            • Du meinst also, der Staat vergibt die Aufgabe Kinder zu erziehen?
              Interessant wird das ganze eigentlich nur bei der Adoption. Und ja, da würde ich erwarten, dass hier nach den geeignetsten Eltern gesucht wird.

      • „Eine Gruppe von Menschen erfüllt zusammen eine Aufgabe“

        Darunter kann ja alles fallen.
        Von einer Gruppe Demonstranten die Polizisten mit Steinen bewerfen oder eine Gruppe alter Damen beim Kaffeekränzchen.
        Das kann auch ein Fußballteam sein, wobei ich da dann auf die Herrenmannschaft setzen würde und nicht auf die Frauenmannschaft oder die gemischte Mannschaft.

        Könnte aber auch ein Paar sein das ein Kind zeugen will., würde ich dann wieder auf das gemischte Team setzen und bei der Erziehung einfachen aus entwicklungspsychologischen Tatsachen.

        Weniger Geld weil Frau?
        Keinen Vorstandsposten weil Frau?

        Bist du eine Frau und hast das erlebt oder schaust du aufs Ergebnis und erfindest du eine nette aber nicht zwingend richtige Erklärung für die Situation wie das die Genderista macht?

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