Kindernothilfe


Als Josef Ratzinger Papst wurde, bin ich aus der Kirche ausgetreten. Das war die Zeit, als ich auf den Philippinen lebte, und aus erster Hand erlebte, dass der Katholizismus nicht wirklich etwas ist, das ich unterstützen mag.

Die caritativen Tätigkeiten, die die Kirche übernimmt finde ich gleichwohl sinnvoll.
Um statt mit der Kirchensteuer direkt Gutes zu tun schloss ich eine Patenschaft bei der Kindernothilfe ab.
Lange bevor ich mich mit Geschlechterthemen befasste, fand ich es schon seltsam, dass man das Geschlecht des Patenkindes wählen kann. Region kann ich ja nachvollziehen, aber Geschlecht?
Ich kreuzte an, dass mir sowohl Region als auch Geschlecht egal ist, da wo es am notwendigsten ist, soll meine Patenschaft wirken.
So unterstütze ich nun seit ein paar Jahren einen kleinen Jungen in Indien. Einmal im Jahr gibt es einen Brief über ihn (von seinem Betreuer geschrieben, handschriftlich, leider immer der gleiche Text, aber egal).
31 Euro im Monat, die vielleicht ein bisschen etwas Gutes tun.

Seit einiger Zeit versucht mich eine berliner Telefonnummer zu erreichen. Es waren so ca. 10 Anrufe, ich vermutete einen penetranten Headhunter. Nachdem ich zurückrief war es die Kindernothilfe, sie versuchen mich dann nochmal zu erreichen.
Nun haben sie es geschafft.

Er: haben Sie kurz Zeit?
Ich: Worum geht es?
Er: ich wollte mich im Namen der Kindernothilfe bedanken Projekte jenseits des Medieninteresses,
(5 Minuten Monolog)
Ich (unterbrechend) Was genau wollen Sie von mir?
Er: Projekt lalala Indien, Tagelöhner (wieder 5 Minuten)
Ich (wieder unterbrechend): Ah, das Projekt das ich unterstütze?
Er: Nein, ein neues. Arme Leute, Kinder…
Ich: WAS WOLLEN SIE DENN NU?
Er: Ja, sie unterstützen ja ein Kind mit 31 Euro im Monat, wollen sie nicht noch eins?
Ich: Hm. Ich habe sie selber gefunden, sollte ich mehr machen wollen, dann finde ich das wieder. Aber wenn es nicht aussreicht, dass 3x im Jahr per Post gefragt wird, nun auch noch Callcenter engagiert werden, dann glaube ich nicht, dass weitere Patenschaften über die Kindernothilfe das Richtige für mich sind.

Ich fühle mich gerade ein wenig doof. Ich kann verstehen, warum die das machen. Ich kann auch nachvollziehen, dass der moralische Druck der da aufgebaut wird, das Generieren eines schlechten Gewissens durchaus erfolgversprechend sind und die Abschlusszahlen nach oben treiben.
Ist das aber wirklich eine gute Idee? Ich mache ja mit. Briefe, wegen mir, aber Outboundcalls?
Ärgert mich schon ein wenig.

12 Gedanken zu „Kindernothilfe

    • Kiva und andere Mikrokredite sind auch absolut sinnvoll, aber ich wollte da tatsächlich spenden, das regelmässig und für mich dann zeitaufwandslos😉

      Was ich auch gerne mache, ist wirklich komplett direkt. Als der letzte Taifun über die Philippinen fegte, habe ich meine FB freunde mobilisiert, wir haben einem freund von mir vor ort geld auf seinen paypal acc überwiesen und er ist mit 2 lkw voll nahrung und wasser hochgefahren.
      Ganz nebenbei kaufe ich auch so viel wie möglich fair trade zertifiziertes. Ob mein kaffee nu 10 oder 15 euro das kilo kostet, ist mir relativ egal. Auch das fairphone fand ich klasse, aber mit dem gerät selbst war ich nicht wirklich zufrieden.

  1. Das erinnert mich stark an die geradezu aggressiven versuche in Fußgängerzonen, einiger globaler Tierschutz/Umweltschutz Gruppen, besser gesagt Drückerkolonen ,ein Patenabbo irgendeines Anonymen Projektes abschließen zu müssen , weil man ja sonst gegen Tiere sei. Die große Spendeninitiatven haben oft ein großen bürokratischen Wasserkopf und bekommen durch massiver Bewerbung auch reichlich Spenden. Ich spende nur für kleine transparente Initiativen , die machen die Arbeit meist ehrenamtlich , und haben mangels Werbeetats leider nur geringe Aufmerksamkeit.

  2. Ich frage mich immer, wenn es um Spenden geht, oder um Hilfe, ob die Bedürftigen wirklich eine Hilfe bekommen. Niemals war ich sicher.

    • hmm. ich weiss welches projekt das ist, ich kann das sogar besuchen. sicherlich leben da auch menschen in deutschland von, aber ich glaube, es kommt mehr an, als bei meiner ehemaligen kirchensteuer.

  3. Lieber tom174,

    durch Zufall sind wir im Netz auf Deine Kritik gestoßen. Natürlich sind wir darüber nicht glücklich und entschuldigen uns für dieses Telefonerlebnis. Zugleich sind wir beeindruckt, wie differenziert Du (vor allem in den Kommentaren) argumentierst und unsere Arbeit beurteilst. Beeindruckt hat uns auch Dein Engagement nach dem Taifun in den Philippinen.

    Was die Telefonwerbung angeht: Tatsächlich suchen wir derzeit das Gespräch mit einigen Spendern, die wir gern für ein wichtiges Projekt zur Armutsbekämpfung in Indien gewinnen wollen, das uns besonders am Herzen liegt. Denn wir möchten gern noch mehr Kindern helfen.

    Per Telefon können wir in kurzer Zeit viele unserer Spender erreichen und ihnen über unsere Projekte berichten, für die wir dauerhafte Unterstützung benötigen. Dabei hilft uns eine erfahrene Agentur. Das ist kostengünstiger als die Durchführung der Telefonate aus eigenen Kräften und Möglichkeiten.

    Die Mitarbeitenden der Agentur telefonieren ausschließlich für gemeinnützige Organisationen und bringen viel Herz und Engagement in ihre Arbeit ein. Aber wir stimmen Dir natürlich zu: Es muss auch wirklich ein Gespräch zustande kommen. Ein Monolog reicht nicht. Daher noch einmal unsere herzliche Bitte um Entschuldigung dafür. Dass bei diesen Telefonaktionen auch mal ein Gespräch verunglückt, bleibt hoffentlich ein seltener Einzelfall.

    Lorenz Töpperwien
    Pressestelle der Kindernothilfe

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