Vereinbarkeit


Gerade spülte es mir eine Studie zu Frauen in der Kommunalpolitik in die Twitter TL

Eine kommunalpolitische Führungsposition ist mit einem hohen Arbeitspensum und langen Arbeitszeiten verbunden. Die Dauerbelastung im Bürgermeisteramt ist hoch. Nahezu die Hälfte der hauptamtlichen Bürgermeister/innen ist nach eigenen Angaben 50 bis 60 Stunden pro Woche tätig, knapp ein Drittel bis zu 70 Stunden und 12 Prozent bis zu 80 Stunden. Entsprechend müssen die privaten und familiären Lebensbedingungen zu den Anforderungen des Amtes „passen“Vor diesem Hintergrund wird die Vereinbarkeitsfrage sowohl in der Forschung als auch von den Bürgermeister/innen selbst als einer der Hauptgründe gesehen, dass Frauen in kommunalpolitischen Spitzenpositionen unterrepräsentiert sind. In der erwähnten repräsentativen Befragung der Bertelsmann-Stiftung gaben 73 Prozent der Bürgermeister und 90 Prozent der Bürgermeisterinnen an, in der (Nicht-)Vereinbarkeit von Amt bzw. Mandat und Familie bzw. Kindern ein gewichtiges Hindernis zu sehen.

Glaube ich sofort. Das trifft nicht nur auf das Bürgermeisteramt, sondern auch auf andere Führungsstellen zu. Erstaunlich hier ist, dass es einen 17% Unterschied zwischen den Männern und den Frauen gibt. Liegt vielleicht daran, dass viele Bürgermeister einer etwas älteren Generation angehören.
Was mich aber immer wieder wundert ist, wer sagt denn, dass es ein Recht auf Vereinbarkeit gibt? Wer entscheidet, dass es zwingend notwendig ist, beides haben zu können? Karriere und aussreichend Familienzeit? Warum sind Männer eher bereit, auf Familienzeit zu verzichten? Zeit für die Karriere und das Familieneinkommen zu opfern?
Ich habe ja gar nichts dagegen, wenn sich das mehr ausgleicht. Es ist aber sehr unehrlich, wenn man behauptet, man kann alles haben. Und wenn das nicht klappt, dann sind es die Männerbünde.
Ich bin ja auch seit einer Weile Parteimitglied. Die einzige Netzwerkwerbung, die mir unterkam, war ein Frauennetzwerk. Was hier als Männernetzwerk angesehen wird, sind Parteimitglieder, die Abends eben länger da bleiben. Die gemeinsam auf alle möglichen Veranstaltungen fahren. Genausowenig wie Mütter bin ich als Vater da Teil davon. Mir ist es wichtiger, meine Wochenenden mit meiner Familie zu verbringen statt mit meiner Partei. So werde ich nicht wirklich Karriere in der Partei machen, das ist mir klar. Aber nicht, weil die FDP männerfeindlich wäre.

Eine SPD-Oberbürgermeisterin: „Wenn man als Frau in der Partei Karriere machen will, dann gilt man schnell als Feministin, die will nur Karriere machen und hat mit Kindern nichts am Hut‘ und eigentlich ist das gar keine richtige Frau, sondern ein Mann in Frauenkleidung“.

Hm. Bei uns ist Eine Frau Ortsvorstand, unser erster Landtagskanditat auch weiblich. Da wir aber keine Quote haben, sind die beiden einfach die Besten für den Job. Ich glaube auch nicht, dass irgendwer Katja Suding oder Lencke Steiner vorwarf, keine richtige Frau zu sein. Der „Vorwurf“ hat mit Kindern nichts am Hut, nunja, zumindest werden die beiden, ebenso wie andere Fraktionschefs auch, wenig Zeit für ihre Familien haben. Der Feminismusvorfwurf kam bei uns auch nicht wirklich auf. In der SPD, mit der Quote.. nunja.. da kann ich die Unterstellung, die nutzt ja nur die Quote aus, durchaus nachvollziehen.
Gerade bei der SPD spannend, hier gibt es ja nun die Quote eine ganze Weile, an dem Geschlechterverhältnis der Mitglieder hat das aber nichts geändert. Und das trotz einer Nahles als Role-Model.

Die ganz überwiegende Mehrheit der Befragten, Frauen wie Männer, hält es für sinnvoll, dass künftig mehr Frauen in kommunale Spitzenpositionen kommen. Allerdings zeigen sich erhebliche Unterschiede in den Argumenten: Während die Frauen vor allem für sich in Anspruch nehmen, „besser zu regieren“, wird bei den Männern vor allem auf das demokratietheoretische Argument zurückgegriffen, dass Frauen als die Hälfte der Bevölkerung auch entsprechend in den demokratisch legitimierten Entscheidungspositionen repräsentiert sein müssten.

Sexisten, alle beide. Meine politsche Meinung kann ein Mann, eine Frau, blaue Augen, braune, was auch immer vertreten. Geschlecht oder andere Körpermerkmale sagen nix, aber auch rein gar nix über Politik aus. Es mag Häufungen geben, aber im Einzelfall ist das wurst. Ganz klar stehe ich einer Katja Suding viel näher als einem Sigmar Gabriel. Und dann stelle man sich vor, Männer würden bei so einer Befragung einfach antworten, dass Männer nunmal besser regieren. Puh.

Liebes Ministerium für alle ausser Männer, ich glaube, dass wir, Männer und Frauen, prinzipiell gleich fähig sind. Ich glaube, dass es Charakterhäufungen bei den Geschlechtern gibt. Diese sind, so glaube ich, sozial und biologisch bedingt. Das sagt dennoch nichts über Individuen aus. Oder gar über Diskriminierung. Wenn es nun also mein politischer Wille ist, dass Geschlechterverhältnis in den Chefetagen zu steigern, es weiterhin so ist, dass das eine 60+h Woche nach sich zieht, wäre es dann nicht sinnvoll, Frauen beizubringen, das 60h Arbeit die Woche absolut ok sind? Dass man eben, für aussergewöhnliche Posten auch aussergewöhnlich viel leisten muss?

6 Gedanken zu „Vereinbarkeit

  1. Frau müsste es so machen, wie es Männer machen. Aber welche ist schon bereit, mit ihrer Arbeit einen Mann von der Erwerbsarbeit freizustellen, so dass er sich um die Kinder kümmern kann? Eben: Keine. Stattdessen wird der Nachwuchs so schnell wie möglich in die staatlichen Kinderverwahranstalten abgeschoben.

  2. „Was mich aber immer wieder wundert ist, wer sagt denn, dass es ein Recht auf Vereinbarkeit gibt?“
    Das ist eine gute Frage. Die nächste wäre, ob das denn überhaupt bei allen Berufen möglich ist. Kann man mit einem nine-to-five job ein Land regieren oder eine Firma leiten?

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