Wie wenig es manchmal braucht..


Heute bei EMN:

Für mich brachte das einiges an Denkstoff und eine deutliche Auflockerung meiner Sicht auf “den Feminismus”. Übrigens auch etwas das mehrfach von Männerrechtlicher Seite in den letzten Tagen geäußert wurde.


Was genau lockerte denn da auf? Zusammengedampft: Es gibt auch Feministen, die sich nicht einreden lassen wollen, dass ein solcher Post jemanden als zum Nazi macht bzw. dass dies alles die Schlechtigkeit eines Menschen derart belegt, dass ein Verbreiten eines Postes von ihr zum Block führt.
Echt jetzt? Was für ein Bild hat der Feminismus derzeit, wenn es uns überrascht dass eine Bloggerin, die regelmäßig antirassistische Beiträge bringt, von Feministen gegen den Vorwurf des Rassismus verteidigt wird?

Ich meine, ok, die Männerrechtler halten die Feministen ja ganz generell oft für das personifizierte Böse, da mag es den ein oder anderen überraschen, dass es auch vernünftige Feministen gibt. Aber ist es nicht viel erschreckender, dass dieser absurde Vorwurf überhaupt Resonanz fand? Und das von in der Netzwelt nicht unbekannten feministischen Akteuren.

Ich glaube, die allermeisten, die sich mit Geschlechterthemen befassen und eben nicht radikalisiert sind, finden bei Erzählmirnix einen kleinsten gemeinsamen Nenner. Da findet, mehr als auf anderen Seiten, ein echter Austausch statt. Danke dafür, Nadja.
Es bräuchte hier viel mehr solcher Plattformen. Wo immer man hinschaut, es gibt so gut wie keine Diskussionsplattformen die sich mit Geschlechterthemen befassen, auf der nicht eine Seite massiv die Überhand hat.
Ich habe einmal geschrieben, dass ich mich nicht als Maskulisten sehe, und ungern die Fehler des Feminismus wiedeholen mag (mein erster Post). Auf die Frage welche, antwortete ich:

Der Grundfehler: Nur eine Seite zu vertreten (und dann noch unter dem Banner wir sind für Gleichberechtigung). Oder noch besser: Die Mann-Frau Front überhaupt erst aufzumachen. Es geht hier um eine Gesellschaft, wenn ich die ändern will, dann am besten zusammen und nicht gegeneinander. Ich unterstütze sicherlich eine ganze Menge maskulistischer Forderungen, und ich würde auch ganz viele feministische Forderungen komplett ablehnen.
Wenn man sich in Gruppen zusammentut, Fronten erkennt, dann führt das ganz schnell ein seltsames Eigenleben. Meinungen werden verstärkt und man überbietet sich mit Forderungen. Schau dir zum Beispiel das Emmaforenbiotop an. Das ist nun nicht nur typisch für den Feminismus, vieles ist normale Gruppendynamik.
Eine funktionale Gruppe, die wirklich für Gleichberechtigung, und nicht nur für die Beseitigung von Ungerechtigkeiten auf einer Seite, eintritt, kann imho kein Geschlecht im Namen tragen.

Ich habe ehrlich gesagt keine Lust, die Diskussion über das Geschlechterverhältnis nur jeweils einem Extrem zu überlassen. Das genau aber passiert, weil wir kaum miteinander reden. Wir sind es so gewohnt, Argumente abzufeuern, in der Erwartung absoluter Zustimmung oder absoluter Ablehnung. Dazwischen gibt es selten etwas. Kaum ein normaler Mensch tut sich die Diskussionen an. Vielleicht ergibt sich nach dem Shitstorm doch wieder soetwas wie eine Geschlechterdebatte. Vielleicht schalten wir alle einen Gang zurück. Das gute alte „Audiatur et altera pars“. Ich mag gar nicht nur in meiner Meinung bestärkt werden. Und genau das klappt bei EMN ganz gut.

8 Gedanken zu „Wie wenig es manchmal braucht..

  1. Für mich gilt das Gleiche. Deswegen auch die Eigenbezeichnung Equalist. Martin Luther King hat auch keinen „Blackismus“ vorangetrieben, sondern ist für eine allgemeine Bürgerrechtsbewegung eingetreten.
    Er sagte sinngemäß: „Ich will nicht eine Hälfte der Sitze im Bus für Schwarze, ich will freie Platzwahl für alle“.. D

        • „Ich will nicht eine Hälfte der Sitze im Bus für Schwarze, ich will freie Platzwahl für alle“

          Es war schon so, dass eine bestimmte Anzahl Plätze prinzipiell Schwarzen zugeteilt worden war. Das waren nur Scheißplätze. Von daher konnte das ja wohl auch kaum das Anliegen sein.
          Weiterhin war es ja nicht so, als wäre die Platzwahl für Weiße ein Problem gewesen. Von daher finde ich das abgewandelte Zitat eher unsinnig und mich würde das Originalzitat interessieren.

          • hat der MLK das so gesagt? Keine Ahnung. Er wollte, dass bei der Sitzplatzwahl die Hautfarbe keine Rolle spielt. Er wollte das seperate but equal aufbrechen. Und damit passt das ganz gut, denke ich.
            Ja, es gibt ihn immernoch, den Rassismus. Ich glaube aber nicht, dass man den dadurch wegbekommt, dass man die Hautfarben betont. Ein Beispiel: #blacklifesmatter sicher gut gemeint, sicher nicht falsch. aber ein #alllifesmatter ist einfach richtiger und wichtiger.
            „I have a dream that my four little children will one day live in a nation where they will not be judged by the color of their skin but by the content of their character.“
            Das ist so der Satz, der bei mir hängen blieb. Die Hautfarbe soll bei irgendeiner Beurteilung keine Rolle spielen. Das schliesst übrigens auch ein, dass die weisse Hautfarbe, jenseits aller Machtgefälle, eben auch keine Rolle spielen soll.

            Das, um das Geschlecht und die sexuelle Orientierung ergänzt, fände ich immernoch richtig.

          • @marenleinchen: „Es war schon so, dass eine bestimmte Anzahl Plätze prinzipiell Schwarzen zugeteilt worden war. Das waren nur Scheißplätze. Von daher konnte das ja wohl auch kaum das Anliegen sein.“
            Ich kann dir zwar nicht sagen, ob das Zitat korrekt ist, aber soweit ich weiss wollte Martin Luther King nicht die Reihenfolge der Plätze ändern, sodass beispielsweise Weiße in Zukunft auf den „Scheißplätzen“ hätten sitzen müssen, oder dass Weißen und Schwarzen jeweils 50% der „guten“ und der „Scheißplätze“ zugeteilt worden wäre. Stattdessen wollte er die Separation an sich abschaffen, sodass die Hautfarbe bei der Sitzwahl keine Rolle spielt, ganz im Gegensatz zum heutigen Quotenfeminismus. Ich denke das ist der Punkt, auf den der Kommentator hinaus wollte.

  2. Hat dies auf GerK_HuMan rebloggt und kommentierte:
    Das nenne ich Genderdialog, als Gegensatz zum Genderwar. Da sich der K(r)ampf um das dreht, was „soziales Geschlecht“ genannt wird, sollte auch der Dialog zu der sozialen Rolle die wir aufgrund unseres Geschlechts einnehmen, geführt werden. Um Geschlecht wieder den Stellenwert zu geben, den es haben sollten. Soviel wie Hautfarbe, Augenfarbe, Blutgruppe oder Geburtsort. Also keinen besonderen.

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