Grüne – Bildung


Heute bei Hadmut Leider hat Hadmut inzwischen die Kommentare deaktiviert, darum hier meinen Senf zu:

Erstaunlich. Man hat in Baden-Württemberg mal die CDU abgewählt, weil deren Korruption nicht mehr erträglich war.

Nein. Man hat die Grünen gewählt, weil es das Fukushima Unglück gab. Die EnBW Geschichte kam iirc erst später heraus. Hinzu kommt, dass Kretschmann, für einen Grünen, doch recht vernünftig ist, und damit hier bei vielen ankommt.
Allerdings entfernt sich Kretschmann immer mehr von seiner Parteibasis. Das Statement von Jörg Rupp bei seinem Rücktritt.
Auch hier:

Gemeinschaftsschule
Die von uns geforderte Gemeinschaftsschule ist nur ein Abklatsch der Schule für alle, die wir gefordert haben. Es ist zwar wundervoll, was da in den Schulen geleistet wird. Aber was ist die Leistung wert, wenn unter tätiger Hilfe geheiligt wird, dass aus einer Schule für alle dann doch einfach nur ein Ersatz für die Hauptschulen geschaffen wird. Die SPD erhält das G9, die SPD erhält das Gymnasium und seine Sonderstellung – und vor allem: mit der Realschule wird ein Konkurrenzsystem am Leben erhalten und sogar gefördert, das verhindert, dass eine Ganztagesgemeinschaftsschule zur Regelschule in BW werden wird. Es wird ein wenig besser sein als bisher – aber es ist kein großer Wurf für eine Bildung für alle und mit gleichen Chancen für alle. Ein Schrittchen, mehr nicht. Allerdings ein teurer Schritt.

Fukushima ist eine Weile her, neben der Flüchtlingspolitik wird Bildung sicherlich das Wahlkampfthema in BW sein. Wir sind auf unsere Bildung ebenso stolz wie unsere östlichen Nachbarn. Und das Gestümpere hier geht schlicht auf keine Kuhhaut mehr. Die Gemeinschaftschule wurde ohne Plan über das Knie gebrochen. Die Auswirkungen sind für jeden sichtbar. Durch die Abschaffung der verbindlichen Grundschulempfehlung ist die Gemeinschaftsschule die neue Hauptschule, nicht mehr. Die Schüler, die es dort zur Hochschulreife schaffen, hätten das auch über BK I/II geschafft. Ohne die Empfehlung drängen Eltern nun auch Kinder auf die Gymnasien, die dort komplett überfordert sind und dann halt nach ein paar fast verlorenen Jahren wechseln müssen. Das Niveau des Gymnasiums insgesamt wird aber nach unten gezogen. Und, ganz nebenbei wird die soziale Auswahl sogar verstärkt. Natürlich schickt ein Akademiker Paar sein Kind auf das Gymnasium.
Die Schule für alle, am besten ohne Noten, ist eines der grünen Kernanliegen. Ergebnisgleichheit, nicht Chancengleichheit.
In dem von Hadmut verlinkten Taz Artikel findet sich noch eine weitere Forderung der GJ:

Die Jugendorganisation will ihre Forderung im Dezember im Landtagswahlprogramm der Grünen unterbringen. Ebenso wie eine Kindergartenpflicht für Kinder ab drei Jahren.

Staatskontrolle über die Jugend. Ab 3 (wobei, eigentlich doch noch lieber früher, die Kita Pflicht ab 1 kommt bestimmt auch noch (aber auch nur, weil Stillen ja gerade In ist). Orwell, Huxley..

6 Gedanken zu „Grüne – Bildung

  1. Pet Peeve:
    Verbindliche Grundschulempfehlungen sehe ich sehr kritisch, nicht zuletzt, weil ich einen Fall kenne, in dem ein Mädchen auf der Realschule gelandet ist, weil offenbar Akademikereltern auf die Lehrerin eingewirkt haben, es könne doch nicht sein, daß dieses Arbeiterkind mit ihren Sprößlingen auf dieselbe Schule geht. Sie hat zwar inzwischen Abitur, studiert und ein Einserdiplom, aber eben auch eine Jugend hinter sich, in der sie unnötigerweise von ihren Freunden getrennt war und Mobbing erlebt hat.

    (Das ist sowieso ein Thema, das mich interessieren würde: Wie ist das soziale Klima etwa auf einer integrierten Gesamtschule, die von absehbar zukünftigen HartzIV-Empfängern und vermutlich angehenden Akademikern gleichermaßen besucht wird? Kaum zu glauben, daß es da keine Spannungen gibt.)

    Andererseits sollte aber natürlich auch verhindert werden, daß Eltern aus flasch verstandenem Stolz ihrem Kind dadurch die Schulzeit versauen, daß sie es unbedingt auf eine Schulform schicken wollen, die es (für objektive Beobachter voraussehbar) massiv überfordert.
    Kein einfach zu lösendes Dilemma, aber staatlicher Zwang kann doch nicht die richtige Antwort sein. (Staatliche Gleichmacherei freilich noch viel weniger, weil die nicht nur individuelle, sondern im Endeffekt gesamtgesellschaftliche Probleme verursacht.)

    Staatskontrolle über die Jugend. Ab 3 (wobei, eigentlich doch noch lieber früher, die Kita Pflicht ab 1 kommt bestimmt auch noch (aber auch nur, weil Stillen ja gerade In ist). Orwell, Huxley..

    Wohl eher de Beauvior, würde ich denken. Ich habe den Verdacht, Leuten, die solche Ideen haben, geht es höchstens in zweiter Linie um die Kinder.

    Wobei ich das in dem Fall nicht so eng sehe. Irgendwie sind die Jugendorganisationen von Parteien doch auch dazu da, die extremeren und absurderen Ideen zu vertreten, wobei es da sicher auch mal Fälle gibt, in denen das als plausibel verleugbares Medium für Testballone aus der Mutterpartei benutzt wird.

    Problematischer ist es doch, wenn der Bundesvorsitzende ebendieser Partei es befürwortet, eine allgemeine Kitapflicht sachlich zu diskutieren (wobei aus dem Kontext klar ist, daß es um U3 geht — eine Unterscheidung, die mit dem Wort „Kita“ ja gern überbügelt wird), und als einzigen Hinderungsgrund den noch mangelnden Ausbau derselben sieht. IIRC hat er auch bei Plasberg mal etwas ähnliches gesagt.

    Ich meine, sicher, man kann über alles sachlich diskutieren, aber es gibt doch Dinge, über die man gar nicht erst diskutieren müssen sollte.

    Bombe 20

  2. „Verbindliche Grundschulempfehlungen sehe ich sehr kritisch, nicht zuletzt, weil ich einen Fall kenne, in dem ein Mädchen auf der Realschule gelandet ist, weil offenbar Akademikereltern auf die Lehrerin eingewirkt haben“ Die Empfehlung ergibt sich eigentlich aus dem Notenschnitt.. das, was du beschreibst ist doch eher etwas, das passiert, wenn man den eltern alleine die entscheidung überlässt. Meine beste Freundin kam auf die Realschule, weil ihre Eltern meinten, sie sollte doch eine Ausbildung machen.
    “ Wie ist das soziale Klima etwa auf einer integrierten Gesamtschule, die von absehbar zukünftigen HartzIV-Empfängern und vermutlich angehenden Akademikern gleichermaßen besucht wird?“
    So wie jetzt an den Grundschulen. Das geht schon, nur wird es mit der Zeit schwierig, die Schüler bedarfgerecht zu fördern. Die Schwachen kommen kaum mit, die Starken langweilen sich. Man kann diskutieren, ob es nach 4 Jahren zu früh ist, aber ich bin heilfroh, wenn die Große nächstes Jahr endlich auf das Gymnasium kommt und gefordert wird. Alle zusammen führt eben zu einem Kleinsten gemeinsamen Nenner, ein bisschen differenzieren schadet da nicht.

  3. Falsch. Man hat die Schwarzen wegen der Korruption und deren Herrschaftsverhalten abgewählt. Insbesondere die Aktionen am Stuttgarter Bahnhof und die Uneinsichtigkeit von Mappus, der der Meinung war, den bahnhof druchsetzen zu müssen, ohne auf die bevölkerugn zu hören waren die Gründe. Das hat viele treue CDU-Wähler vergrätzt, das der Mappus und die von oben Befehlen wollte, wie das Volk sich zu verhalten haben. Fukushima hatte bei den Landtagswahlen in BaWü nur eine untergeordnete Rolle.

    Daß man den Teufel mit dem Beelzebub ausgetrieben hat, merkten die Leute erst hinterher.

    • hmm. Zu glauben, dass Grün die ohne Fukushima die stärkste partei geworden wäre, halte ich für gewagt. Das hat ganz sicherlich viele Wähler motiviert. S21 spielte bei uns in Baden kaum eine Rolle. In meinem Umfeld war wirklich Fukushima der Treiber…

  4. Jeder vernünftige Mensch (also weder Politiker noch Erziehungswissenschaftler) weiß eines genau: Für den Erfolg der Schule ist der Klassenschlüssel entscheidend! Wenn sich ein Lehrer um 15 Schüler kümmern kann, haben die Kinder gute Chancen, wenn es 30 sind, dann leider nicht. Dafür braucht man nicht die dreißigste sinnlose Schulreform, sondern mehr Lehrer. Was machen also Kretschmann und seine Grünen in ihrem Ländle? Richtig, sie „reformieren“ und wollen Lehrer entlassen.800. Weil nämlich beim allerbesten Willen das Geld fehlt. Tut ihnen wirklich uunendlich leid, aber das Geld für unsere Kinder ist einfach nicht da. Sorry, Pech gehabt, Kinder, wir müssen nun mal alle sparen.
    Nachtrag: In Anbetracht der Flüchtlingskrise werden jetzt doch keine Lehrer entlassen, sondern es sollen 400 weitere eingestellt werden.

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