Was du nicht willst das man..


Gerade kursiert ja der hashtag #campusrassimus wie beim Sexismus wird versucht, Macht als notwendige Bedingung für diesen ismus zu

etablieren. Dabei wird unterstellt, das ein Merkmal ausreicht, um die Zugehörigkeit zu einer mächtigen bzw. ohmächtigen Gruppe zu bestimmen. Und das dann universell und permanent. Sexismus gegen Männer gibt es nicht, Rassismuss gegen Weisse auch nicht. Ein weisser Mann sei immer mächtiger als die schwarzen Frau (schreibt man das so, wird der inhärente Sexismus dieser Definition ziemlich sichtbar, oder?)

Ich behaupte weder, dass es keinen Sexismus gegen Frauen, noch, dass es keinen Rassismus gegen Farbige gäbe. Gerade letzteres wäre in Zeiten einer erstarkenden AfD und Pegida Bewegungen geradezu absurd. Ich behaupte auch nicht, dass es ein PoC es nicht schwerer hätte. Oder gerade noch schlimmer, ein barttragender Muslim. Bin ich jedoch in Köln-Kalk unterwegs und treffe alleine auf eine Gruppe Muslime, die gerade etwas aggresiv sind, so habe nicht ich in dem Moment die Macht, sondern sie. Scheint eigentlich offensichtlich. Spielt es in dem Kontext eine Rolle, dass sie Muslime sind? Hätte ich mehr zu befürchten wenn es strukturell mächtigere Christen wären? Kaum, oder? Mir ist es auch herzlich wurst, ob ich von ein besoffenen Antifas oder Skins bedroht werde.

Glaubt irgendwer, Paul Nungesser hätte nach Emmas Anklage irgendwelche Macht gehabt? Wieviel Unterstützung erhielt Emma, wieviel er?
Kann man, wenn es um Einzelsituationen geht, wirklich immer als ganz einfach auf ein fixes Machtsystem zurückführen? Wofür ist das überhaupt gut? Ist nicht einfach jede Beleidigung aufgrund eines Gruppenmerkmals Scheisse? Wäre es nicht cool, wenn wir sowohl auf alle Männer sind Vergewaltiger als auch auf alle Frauen sind nur auf das Geld der Männer aus verzichten könnten? Gibt es sowas wie ein Genderkarma? Oder kann ich bitte einfach nur für das verantwortlich sein, was ich getan habe und tue?
Es wird ja oft argumentiert, dass Sexismus gegen Männer nur ein paar Männergefühle verletzt, Sexismus gegen Frauen aber tötet.
Ist es wirklich so abwegig, dass ein Großteil der höheren Suizidrate auf Sexismus gegen Männer zurückzuführen ist?
Ist es wirklich so abwegig, dass Rassismus gegen Weisse zu Hass und Gewalt führt? Habt ihr schonmal erlebt, wie eine türkische muslimische Familie auf einen christlichen deutschen Freund der Tochter reagieren kann? Ist das besser als die Reaktion der deutschen Familie auf den türkischen Freund? Macht es für das Liebespaar wirklich einen Unterschied, von welcher Seite der Rassismus kommt?

Ist es wirklich so abwegig, zu erwarten, dass ich als Einzelakteur wahrgenommen werde? Bin ich wirklich verantwortlich für den amerikanischen Sklavenhandel und den daraus folgenden Rassismus? Sind die Amerikaner dann auch verantwortlich für den Holocaust? Ist nicht dann auch die ganze Menschheit verantwortlich für jedes Leid das je einem anderen angetan wurde? Ich halte Sippenhaft doch für ein eigentlich gottlob überwundenes Ding.

Im Umgang miteinander, das Minimale, was ich akzeptiere ist „Was du nicht willst das man dir tu, das füg‘ auch keinem anderen zu“. Das reicht bei Menschen wie mir nicht ganz aus, es gibt vieles, was man mit mir anstellen kann, was für andere schon sehr grenzverletztend wäre. Aber ganz klar: Wer mir nen Finger ins Ohr steckt muss damit klarkommen, dass ich das auch bei ihm mache. Und da isses mir wirklich absolut wurst, ob der männlich, weiblich, schwarz, weiss, asiatisch, homo oder hetero ist. Wer mich beleidigt, den beleidige ich zurück. Wer mich als Kartoffel bezeichnet, aber von meinem Kartoffelgeld gefördert studiert und seinen Lebensunterhalt erhält, für den habe ich nur Verachtung übrig. Gleiches gilt für den rechten Idioten der von unserem Sozialsystem lebt und Flüchtlinge als Parasiten bezeichnet.

2 Gedanken zu „Was du nicht willst das man..

  1. Diese Behauptung das jemand nicht diskriminiert werden kann nur weil er privilegiert sei und institutionelle macht „besitzt“ hab ich so ueber. Hab ich mir grad am Wochenende wieder anhoeren duerfen.

    Bloedsinn, jeder Mensch hat angriffsflaechen fuer Diskriminierung, und wie du so schoen erklaert hast – je nach Situation kann auch jeder Opfer von diskriminierung werden.

  2. Wie man über das ständige, unaufhörliche, vor allem öffentlichkeitswirksame Beklagen von Diskriminierung zu einer enormen Machtstellung gelangt, hat uns ja der Feminismus beeindruckend vorgemacht. Heutzutage kann jeder Idiot, und vor allem jede Idiotin, einen hashtag starten, und damit eine Medienwelle lostreten. Für diese Welle sind allerdings vor allem die Journalisten verantwortlich, die aus jeder Gehirnblähung einen Gedankensturm machen. Der #Aufschrei war das beste Beispiel: 60.000 Tweets wurden landesweit von der gesamten Presse (die natürlich nicht gesetzlich gleichgeschaltet ist@ppetermann) als 60.000 Frauen vermeldet, die sexuell belästigt wurden, die folgende Welle kennen wir alle. Wochen später hat ein einziger, guter Journalist die Tweets analysiert, mit dem Resultat, dass sich darin weniger als 3000 Frauen über Belästigung beschwert hatten. Das wurde natürlich nicht landesweit berichtet.
    Ganz kurz gesagt: Es gibt in unserer Gesellschaft sicherlich eine Menge unterschiedlicher, mehr oder weniger schlimme Diskriminierungen, die jeden treffen können. In die allgemeine Diskussion gelangen aber nur die, die von einigen wenigen Meinungsmachern dazu bestimmt werden.

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