#ausnahmslos (beinahe)


Liebe Frau Manuela Schwesig,
sie haben den offenen Brief  laut SPON mitgezeichnet. Ich finde den Ansatz, die Ereignisse von Köln nicht durch Rassisten ausschlachten zu lassen sehr sinnvoll. Besonders gut finde ich folgenden Teil:

Der konsequente Einsatz gegen sexualisierte Gewalt jeder Art ist unabdingbar und von höchster Priorität. Es ist für alle schädlich, wenn feministische Anliegen von Populist_innen instrumentalisiert werden, um gegen einzelne Bevölkerungsgruppen zu hetzen, wie das aktuell in der Debatte um die Silvesternacht getan wird.

 

Allerdings entlarvt sich der Text dann doch wieder selbst. Er verwendet durchgängig den Gender_Gap. Außer bei dem Wort Täter. Hier wird er nur einmal gegendert, nämlich da wo eine Täter-Opferumkehr stattfindet (also die Gesellschaft das weibliche Opfer zum Täter macht). Wieso ist das so? Ich habe viel von Jasna Strick und Anne Wizorek gelesen und weiss natürlich, dass in deren Welt, geht es um Sexismus, Mann immer Täter ist.

Man könnte nun argumentieren, dass ja Männer den Haupteil der Sexualstraftäter stellten, daher dies gerechtfertigt wäre. Das ginge bei der Verwendung des Binnen-I noch in Ordnung aber der Gender_gap wurde eingeführt, um auch Menschen einzuschliessen, die sich nicht als männlich oder weiblich identifizieren. Nun, dann sollten hier auch keine Zahlen eine Rolle spielen, oder?

Sind jedoch Männer nicht auch eine Bevölkerungsgruppe, gegen die wir nicht hetzen sollten?
Wäre im Sinne dieses Briefes auch das Statement von Michael Gwosdz Hetze, als er sagte, alle Männer seien potentielle Vergewaltiger?

Der Satz „Jeder Flüchtling ist ein potentieller Vergewaltiger“ ist genau das, wogegen sich die Unterzeichner  dieses Briefes richten (und das absolut zu Recht).  Jeder Mann ist ein potentieller Vergewaltiger, nun, der würde doch von der ein oder anderen unterschrieben werden, oder?

Er entschuldigte sich ja inzwischen, aber ich glaube, spätestens seit „Against our will“ ist das doch durchaus ein übliches feministisches Narrativ, daher kann ich sein Erstaunen nun doch nicht sog ganz glauben.

Dann richtet sich das Schreiben zurecht dagegen, dass #köln von populistischen Forderungen missbraucht wird, nur um im selben Atemzug eine Verschärfung des Sexualstrafrechts zu fordern. Da wird die Stimmung in der Bevölkerung nicht ausgnutzt, oder?  Auch wird die FRA Studie mal wieder bemüht. Die wurde natürlich auch immer rein sachlich bewertet.

Ist es wirklich so schwer, Gewalt, unabhängig der Herkunft oder des Geschlecht des Täters zu verurteilen?

Sehen Sie die Widersprüche wirklich nicht? Sie verstehen schon, dass ich als Mann, der mit seinen 42 Jahren noch nie gewalttätig gegenüber Frauen wurde, die Sippenhaft gehörig satt hat? Als Mann, der 12 Monate seines Lebens Mensch zweiter Klasse war, um unsere Gesellschaft zu schützen, weil man einer Frau ja wohl einen Zwangsdienst nicht zumuten mag? Als Mann, für den sie eigentlich auch zuständig sein sollten, denn ich bin auch Familienvater mit zwei Töchtern. Als Privatperson mag das noch ok sein, aber von einer Bundesminsterin finde ich das schon sehr bedenklich.

Ich bin schon sehr enttäusch.

T. Burck

 

7 Gedanken zu „#ausnahmslos (beinahe)

  1. Danke dafür!

    Ich möchte in diesem Zusammenhang noch auf Herrn Lucas Schoppe verweisen. Dessen Kind wächst in einem Land auf, in dem es allein aufgrund seiner Geschlechtszugehörigkeit von Politikern führender Parteien als Verbrecher hingestellt wird. Wie bekommt eine „Familienministerin“ es eigentlich hin, das zu unterstützen?

  2. Pingback: Kurznachrichten vom 12.01.2015 | Geschlechterallerlei

  3. „Sehen Sie die Widersprüche wirklich nicht?“

    Natürlich nicht. Ideologische Fanatiker nehmen immer nur einen Bruchteil der Realität wahr, der der eigenen emotionalen Mobilisierung dient, und als Propagangdatechnik wird versucht, diese selektive Wahrnehmung bei anderen ebenfalls zu implementieren.
    Selbstreflexion – in diesem Fall entsteht der performative Widerspruch ja vor allem bei den eigenen Aktionen, die den angeblichen Sexismus anderer bekämpfen – geht schon gar nicht, das würde Selbstzweifel auslösen, die kann man sich als Aktivist nicht leisten.

  4. Pingback: #ausnahmslos | Alles Evolution

  5. Pingback: Ausnahmslos Unsinn | Lollipops for equality

  6. Pingback: Kernschmelze. Rückblick auf einen überfordernden Monat « man tau

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