Paygap


Der Equal-Pay day steht an.
Es ist so, Frauen haben einen geringeren durchschnittlichen Stundenlohn als Männer, da gibt es nichts daran zu deuteln.
Was aber verwundert, dass immer nur die Wirkung des weiblichen Rollenbildes als Ursache gesehen werden. Viel zu selten wird betrachtet, dass Frauen eben auch deshalb weniger verdienen, weil das männliche Rollenbild eben verlangt, viel zu verdienen. Es ist durchaus denkbar, und für mich sehr einleuchtend, dass Männer deswegen mehr verdienen, weil auf sie Druck ausgeübt wird, dies zu tun. Dass Frauen diesem Druck eben nicht so sehr ausgesetzt sind und ihnen deswegen anderes wichtiger sein könnte, erscheint mir so abwegig nicht.
Das Ganze scheint mir so ein wenig eine Rock Situation. Frauen werden ja angeblich so von unserer Gesellschaft in Normen und Verhalten gezwängt, Männer seien da viel freier. Welches Geschlecht geht uniformiert auf feierliche Anlässe? Der Mann im Anzug. Frau steht vor dem Kleiderschrank und kann wählen. Kleid, Hose, Hosenanzug. Auch im Alltag. Ein Mann im Rock oder Eine Frau in Hosen, was führt eher zu Kopfschütteln? Das Gleiche gilt auch für die Karriere.
Hausmann oder Bereichsleiterin, wer erntet mehr Unverständnis? Wenn ich mir die Fälle anschaue, ist es recht klar welches Geschlecht mehr Wahlfreiheit geniest. Das Problem an der Freiheit ist halt auch immer, dass man frei wählt. Freiheit und Gleichheit schließen sich aber aus.

14 Gedanken zu „Paygap

  1. genau so siehts aus. Die Frauen haben in unserer Gesellschaft alle Chancen und Freiheiten dieser Welt, was sie daraus machen, ist ihre Entscheidung, alles andere ist nur noch mimimi.
    Eines muss aber immer und überall gesagt werden : Frauen verdienen im Schnitt 23 % weniger, weil sie im Schnitt 30 % weniger arbeiten. Soviel zum „equal pay day“.

  2. „Dass Frauen diesem Druck eben nicht so sehr ausgesetzt sind und ihnen deswegen anderes wichtiger sein könnte, erscheint mir so abwegig nicht.“

    Schwule Männer verdienen im Schnitt weniger als Heteros, Lesben im Schnitt mehr als Heteras.

  3. Geschichten, die der Alltag so schreibt:

    Junge Frau macht Ende 70er Jahre eine Ausbildung in Sachen Kinderbetreuung, arbeitet kurz in diesem Beruf, heiratet, bekommt Kinder – und die Ehe geht in die Brüche, als die Kinder halbwüchsig sind. Die mittlerweile nicht mehr so junge Frau schafft den beruflichen Wiedereinstieg in die professionelle Kinderbetreuung. Aufgrund Teilzeit-Job und fehlendem Unterhalt wegen Invalidität des Ex-Mannes das alles in prekären finanziellen Verhältnissen. So weit, so schlecht.

    Jahre später. Wir schreiben das Jahr 2013. Die Tochter dieser Frau hat mittlerweile die Schule abgeschlossen und die Berufswahl steht an. Tochter fragt ihre Mutter um Rat: “Mami, ich bin unentschlossen; was soll ich für eine Lehre soll ich machen?”

    Mutter antwortet im Brustton der Überzeugung:

    “Tochter, du darfst alles machen, worauf die Lust hast!”

    “Ach ja, dann mach ich eine Ausbildung in der Betreuung, die dauert nur zwei Jahre und mit Menschen wollt ich ja schon immer arbeiten!”

    Kardamom fragt irgendwann die Mutter:

    “Sag mal, bist du mit deiner Tochter die finanziellen Perspektiven ihrer Berufswahl durchgegangen? Hast du sie nach ihren Ansprüchen an ihren Lebensstandard in 10 Jahren gefragt? Habt ihr mal gemeinsam ein Monatsbudget durchgerechnet anhand den aktuellen Verdienstmöglichkeiten einerseits und den Lebenshaltungskosten in eurer Stadt andererseits?”

    Mutter daraufhin: “Nö. Wieso?”

    • Ich habe ein bisschen Probleme mit diesem Thema. Das hat natürlich persönliche Gründe: Ich selber komme aus einem Milieu, wo das persönliche Interesse und die Selbstverwirklichung hochgehalten wurde. Dies geschah unabhängig vom Geschlecht (wir waren nur Söhne). Mein Elternhaus ist eines, wo der Beruf als Berufung verstanden wurde und das setzte eben persönliches Interesse und Engagement voraus. Wir sind deshalb nicht unbedingt zu Pragmatikern erzogen worden. Die Berufswahl erfolgte deshalb tatsächlich aus inhaltlichen Gründen und nicht auf der Basis von Karrierechancen und Verdienstmöglichkeiten.

      Das alles ist keine weibliche Spezialität. Es mag sein, dass Frauen dafür anfälliger sind. Ich habe auch eine Frau kennengelernt, die so erzogen worden war, dass sie nur macht, was ihr Spaß macht. Immerhin habe ich noch soviel Erdung bekommen, dass ich Kompromisse eingehe. Man muss sich ja finanzieren, auch wenn der supertolle Job nicht zu haben ist.

      Gleichzeitig habe ich viele Frauen kennengelernt, die ausschließlich pragmatisch orientiert waren. Das galt z.B. für Lehramststudentinnen, Jura- und BWL-Studentinnen. Hier zählte das inhaltliche Interesse gar nichts, allein die Jobchancen spielten eine Rolle.

      Ich gehe bei der Erklärung des Pay Gap mit, dass dies auf Lebensentscheidungen beruht. Freilich trifft man diese Entscheidungen selten allein aufgrund einer Reihe von rational abwägbaren Kriterien. Hier wirkt eben auch die Prägung mit und das eigene Wertegebäude. Aus dieser Haut kommt man nicht so ohne weiteres heraus.

      Arbeitsmarkttechnisch habe ich in meiner Jugend sicher die ungünstigen Weichen gestellt. Andererseits erlebe ich Karrieristen und die sind in gewissen Bereichen professionellen Arbeitens absolut problematisch. Professionell heißt hier: Aufgrund von Fachqualifikation an Einzelfällen arbeiten, die in ihrer Struktur je individuell sind und daher nicht mit Routineabläufen bearbeitet werden können. Das beträfe z.B. Wissenschaft, Medizin, Rechtssprechung, aber auch Leitungsfunktionen usw. Und hier sind Karrieristen ein Hemmschuh, weil ihnen der professionelle Ethos fehlt und sie an der Sache selbst kein Interesse haben.

      • Ich gehe bei der Erklärung des Pay Gap mit, dass dies auf Lebensentscheidungen beruht. Freilich trifft man diese Entscheidungen selten allein aufgrund einer Reihe von rational abwägbaren Kriterien. Hier wirkt eben auch die Prägung mit und das eigene Wertegebäude.

        …sicher sind die Grundlagen solcher Entscheidungen nicht allesamt rational. Ist auch gut so.

        Jedoch sollte jede und jeder sich bewusst sein, dass er oder sie für diese – dann doch eigene – Entscheidung dann auch die eigene Verantwortung trägt.

        Und demzufolge einen personal responsibility gap nicht zu einem gender pay gap umbenennt.

        Und weiter halte ich es für wichtig, dass vor allem Mütter (und andere Erziehungspersonen, die im Laufe des Erwachsenwerdens für junge Menschen von Einfluss sind), die jungen Frauen bei ihrer Berufswahl auch dahingehend beraten, dass die freie Entscheidung für einen Beruf auch einen personal responsibility gap zur Folge haben kann.

        • „Jedoch sollte jede und jeder sich bewusst sein, dass er oder sie für diese – dann doch eigene – Entscheidung dann auch die eigene Verantwortung trägt.

          Und demzufolge einen personal responsibility gap nicht zu einem gender pay gap umbenennt.“

          Ja, da gehe ich voll mit!

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