Gleiche Rechte


In der Süddeutschen zur ersten Frau General der Bundeswehr:

Die Kollegen, nicht nur aus den unteren Rängen, beargwöhnten diese Frau, die plötzlich 550 Ärzten und Apothekern vorstand, die nun das Sagen hatte in der sonst so maskulinen Bundeswehr. Als “Sanitätstante” taten manche von Weymarn ab. Generalärztin zu werden, war in den 90er Jahren eine der wenigen Möglichkeiten für Frauen den Männern zu trotzen. Denn den Lauf einer Waffe durften Frauen damals noch nicht durchdrücken. Die Kampftruppen blieben ihnen verwehrt, allein zur Selbstverteidigung war Schießen erlaubt. Erst 2001 änderte sich das, ein Urteil des Europäischen Gerichtshofes hob die bisherige Regelung auf. Seitdem haben Frauen in der Bundeswehr die gleichen Rechte wie Männer, zumindest auf dem Papier.

Gleiche Rechte, das heißt doch, dass beide Seiten die gleichen Rechte haben, oder? Hm.
Art. 12a GG:

(1) Männer können vom vollendeten achtzehnten Lebensjahr an zum Dienst in den Streitkräften, im Bundesgrenzschutz oder in einem Zivilschutzverband verpflichtet werden.

Ich finde, hier werden Frauen mal wieder ganz typisch unsichtbar gemacht. Ihnen wird nicht zugetraut, gegen ihren Willen Dienst tun zu können. Liebe SZ, wir sind hier noch deutlich von der Gleichberechtigung entfernt. Und dass wir hier bei der BW eine 50:50 Quote bekommen, schlage ich vor, 20 Jahre lang nur Frauen Pflichtdienst leisten zu lassen. Würde den Männerclub effektiv aufbrechen, die Männer können dann sich freiwillig als Berufs- oder Zeitsoldat verpflichten.

Bei der Bundeswehr wird am ehesten deutlich, wie absurd manches in der Debatte ist. Wer legte denn bitte fest, dass der Wehrdienst eine tolle, erstrebenswerte Sache ist? Für den ein oder anderen mag das ja zutreffen, ich fand das Zelten bei Regen im November erst mit ein paar Jahren Abstand eine lustige Erinnerung. Und hier zeigt sich auch im Extrem, warum Männer in den Führungspositionen überrepräsentiert sind: Sie hatten keine Wahl. Wir Männer mussten zur Bundeswehr. Der ein oder andere blieb nach dem Grundwehrdienst hängen. Geld, bezahltes Studium/Ausbildung.. das lockte. Frauen durften, wenn sie wollten. Ok, Dienst an der Waffe nicht, fand ich auch nicht richtig. Aber vor die Wahl gestellt, nicht an der Waffe ausgebildet werden zu dürfen und gleiches zu müssen… ich hätte ersteres genommen.

Gleiches imho übrigens auch bei der beruflichen Karriere, wenn auch deutlich abgeschwächter. Von Männern erwartet die Gesellschaft, dass sie eine Familie ernähren können, bei Frauen ist das eher optional, ja eine Frau die für sich selbst sorgen kann wird schon fast bewundert. Wer zur Hölle kam auf die Idee, dass am Fließband stehen erstrebenswerter ist als Kinder großzuziehen? Oder wertvoller? Egal, welches Geschlecht das macht. Unsere Gesellschaft scheint das derzeit (oder schon immer?) so zu sehen. Meiner Meinung nach totaler Unfug. Carearbeit, auch in der Familie, sollte deutlich aufgewertet werden. Wer immer sich um andere Menschen kümmert, dem gebührt Anerkennung. Stattdessen wird aber Erziehung immer weiter abgewertet. Eltern sollten gefälligst schnell wieder zurück zum Job, so dass sie ja keinen Karriereknick erfahren. Weil nur dann zählt man. Ist das wirklich progressiv? Nun gut, so sagt das ja niemand. Niemand kommt ernsthaft auf die Idee, die Wehrpflicht für Frauen einzuführen, so dass wir irgendwann 50% weibliche Generäle haben. Die sollen doch bitte staatlich verordnet werden (auch wenn nur 10% der Soldaten weiblich sind). So wie beim Aufsichtsrat auch. Niemand will, dass Frauen in Zukunft die Haupteinkommenslast in Familien zu tragen haben, so wie es immer noch mehrheitlich von den Männern erwartet wird.

Das mit der Bundeswehr ärgert mich wirklich. Und es zeigt deutlich, was für Scheuklappen manch Feminist auf hat. Dieser Text zur Musterung ist immer wieder lesenswert. Nein, die 12 Monate da waren kein Selbstverwirklichungstrip für mich.

3 Gedanken zu „Gleiche Rechte

  1. man könnte einen Wehrdienst als ultrafeministisch aufziehen:
    – lernen kämpfen
    – brechen das Gewalt- und Waffenmonopol der Männer
    – durchbrechen Geschlechterrollen
    – härten sich körperlich und mental ab
    – besetzen eine Männerstruktur und machen sie weiblicher
    – im Krieg sind bekanntlich Frauen und Kinder die schlimmsten Opfer, eine hohe Frauenbeteiligung erlaubt Kontrolle und Einfluss auf das Kriegsgeschehen und damit auch reduzierung von Vergewaltigungen

    Wenn man das große feministische Umerziehungsprogramm machen wollte, wäre Wehrdienst doch eigentlich perfekt

    • ich glaube ja nicht so wirklich, dass dass mädchenmannschaftsmehrheitsfähig wäre. Aber spannend wäre es. Würde sich da wer ernsthaft für einsetzen, würde sich die Spreu vom Weizen trennen. Die Patriachen würden eine rein weibliche Wehrpflicht als Angriff auf ihr Monopol sehen, die nuraufdeneigenenvorteilbedachtenFemis würden das als ungerecht ablehnen.

  2. Gleiche Rechte, das heißt doch, dass beide Seiten die gleichen Rechte haben, oder?

    Nein Tom, hier stülpst Du feministischem Wissen gewaltförmig die männergemachten patriarchalen Strukturen der misogynen Mathematik über, wenn Du übergriffig unsichtbar machst, daß die subversive Verwendung eines üblicherweise eine wohldefinierte, aber sexistische Äquivalenzrelation bezeichnenden Wortes hier eine Herrschaftsstrukturen aufdeckende Intervention darstellt. (Uff, der Satz war hart.)

    Wenn man tatsächlich davon ausgehen würde, das feministische „gleich“ solle alltags- oder mathematisch fachsprachlich gemeint sein, würden Formulierungen wie „die Gleichberechtigung der Frauen“ ja keinen Sinn ergeben. Sollte hier etwa gemeint sein, daß die Klofrau vom Hauptbahnhof die gleichen Rechte haben soll wie Angela Merkel? Seit wann interessieren sich Feministinnen denn für Klofrauen?

    Und gerade der von Dir zitierte Text ist doch sogar so hilfreich, das Gemeinte auszuformulieren: „haben Frauen […] die gleichen Rechte wie Männer“

    Auch auf die Gefahr hin, daß ich jetzt WordPress kaputt mache, ist dieser Zustand der feministischen Verwendung von „gleich“ nach (für M := die Menge aller Rechte von Männern und F := die Menge aller Rechte von Frauen) doch genau dann gegeben, wenn ∀ r∊M . r∊F, was wiederum äquivalent ist zu M⊆F.
    Was exakt den heutigen Zustand beschreibt. Das war ja einfach.

    (Intersektionalität erreicht man übrigens einfach dadurch, daß man M durch P := die Rechte der privilegierten Gruppe und F durch M := die Rechte der marginalisierten Gruppe ersetzt. Und weil F zu M wird, hat man so ganz nebenbei noch Trans*personen sichtbar gemacht, dabei allerdings nicht_binäre diskriminiert.)

    rein weibliche Wehrpflicht

    Eure Argumente dafür sind zwar zwingend, aber am Branding müßt Ihr noch arbeiten, wenn die Idee eine Chance auf Erfolg haben soll. Ich spreche mich deshalb ja schon seit Jahren (und zum heutigen Tag besonders passend) für ein Girls‘ Year bei der Bundeswehr aus.

    (Sorry, aber nach der Anstrengung der Diskussion um den Hurtz-Artikel brauchte ich dringend etwas Entspannung. BTW, bin ich eigentlich der einzige, der dabei ständig „Der Wolf. Das Lamm. Auf der grü-nen Wie-se.“ denken muß?)

    B20

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