Vorgesetzte zerstören Frauenkarrieren


Heute auf SPON

43 Prozent der Berufsanfängerinnen möchten laut Bain-Untersuchung den Aufstieg ins Top-Management schaffen

Fand ich schon spannend. 43% aller Berufsanfängerinnen? Die Fleischfachverkäuferin? Die Lehrerin?

Die Studie stammt von Bain, dort ist auch eine Pressemeldung
Hier liest man:

Während 43 Prozent der Berufsanfängerinnen den Aufstieg ins Topmanagement planen, haben fünf Jahre später nur noch 16 Prozent diesen Ehrgeiz. Dagegen starten 34 Prozent der Männer mit dem Selbstvertrauen eines zukünftigen Topmanagers ins Berufsleben – und sind nach mehreren Jahren noch genauso zuversichtlich, bis in den Vorstand zu kommen.

Nun mal ehrlich, dass fast jede zweite bzw. jeder dritte glaubt, Vorstand zu werden. Abenteuerlich. Aber ok.
Bain hat für die Studie in den USA 1.000 Männer und Frauen verschiedener Altersgruppen und Hierarchieebenen befragt. Da Bain eine Managementberatung ist, kann es sein, dass sie vielleicht nur Manager befragt hat, dann macht das vielleicht Sinn.
Die drei Gründe, warum Frauen die Hoffnung auf den Vorstandsjob aufgeben bei Bain:

Die Bain-Studie nennt drei Schlüsselfaktoren, die Frauen in der mittleren Karrierephase in ihrem Aufstiegswillen und ihren Karrieremöglichkeiten bremsen. Erstens erkennen sie, dass sie nicht in das vorherrschende stereotype Bild des idealen Angestellten passen, sprich: des stets verfügbaren Siegertypen auf der Überholspur. Zweitens fehlt ihnen die Unterstützung ihrer direkten Vorgesetzten. Und drittens gibt es nach wie vor zu wenig weibliche Rollenvorbilder im Topmanagement.

Bei Spiegel liest sich das dann so:

Die Studie identifiziert als Antwort auf die Frage drei Hauptfaktoren: männlich geprägte Rollenvorstellungen, mangelnde Unterstützung des Vorgesetzten und fehlende Vorbilder.

Wieso ist „ständig verfügbarer Siegertyp auf der Überholspur“ eine männliche Rollenvorstellung? Wir reden hier über einen Vorstandsjob. Nicht über den Schichtleiter bei Daimler. Fragt mal einen Gründer, wie verfügbar er sein muss. Und natürlich gehört auch Ehrgeiz dazu.

Spiegel schreibt dann aber:

Glauben von zehn Berufseinsteigern vier, dass sie die Stereotypen des Aufsteigers erfüllen, sind es bei den berufserfahreneren Männern noch drei – bei den Frauen nur etwa jede vierte. Frauen bemerken dabei nicht nur, dass sie aus der Rolle des immer präsenten Siegertyps fallen, sondern auch, dass diese Rolle sie nicht anspricht. „Viele Top-Manager sind immer im Dienst und erreichbar, das empfinde ich als wenig erstrebenswert“, so eine der Befragten. Eine andere sagt: „Ich möchte mein Privatleben nicht aufgeben, nur um die Ansprüche der Firma zu befriedigen.“

Man könnte sich nun hinstellen und sagen, ok, da hatten die befragten Frauen eine falsche Vorstellung, was es heisst, Topmanager zu sein. Das ist doch nicht meine Welt, mir ist mein Privatleben wichtiger als meine Karriere. Absolut ok, nachvollziebar und verständlich.
Aber nein. Die Arbeitswelt muss sich ändern.

So fühlen sich 64 Prozent der Berufseinsteigerinnen von ihrem Vorgesetzten unterstützt, nach wenigen Jahren sinkt der Wert auf 44 Prozent.Bei Männern läuft es besser mit den Chefs: Hier fällt der Unterstützungsfaktor um lediglich drei Prozentpunkte von 59 auf 56 Prozent. Frauen sind frustriert über die fehlende Anerkennung: „Meine Chefs sind weder ermutigend noch erkennen sie meine Leidenschaft für die Arbeit an“, so eine Teilnehmerin. Andere berichteten, dass negatives, unkonstruktives Feedback sie in ihrem Glauben an sich und ihre Fähigkeiten nachhaltig erschüttert hat. Eine fatale Entwicklung.

Liegt vielleicht daran, dass man sich um frische Mitarbeiter mehr kümmert und später dann mehr Selbstständigkeit erwartet?
Die nicht erkannte Leidenschaft für den Job daran, dass den befragten Frauen das Privatleben wichtiger ist? Und bei dem negativen Feedback einfach auch mal wirklich negatives Feedback angesagt war. Das mit dem konstruktiven Feedback. Unkonstruktives Feedback ist weit verbreitet. Habe ich schon oft erhalten, schon oft verteilt. Wer meint, einen Tobjob machen zu können, ohne da drüber zu stehen, der liegt schonmal komplett falsch. Schaut euch an, was unsere Politiker an Feedback erhalten. Alles konstruktiv, oder?
Wer ins Management will, braucht ein dickeres Fell als ein Sachbearbeiter.

„Mich überrascht, wie wichtig die Unterstützung durch den direkten Vorgesetzten ist“, so Naujoks. Er sieht jetzt die Führungskräfte in der Pflicht. „Die Bekenntnisse des Top-Managements zum Thema Frauenförderung haben wir alle gehört, jetzt sind die Ebenen darunter gefragt. Wie kommunizieren die? Wie besetzen sie eine neue Stelle? Transparent oder doch wieder durch die immer gleichen Buddies? Welche Fähigkeiten haben sie im Umgang mit weiblichen Mitarbeitern? Diversity ist kein Hobby der Personalabteilung, sondern eine zentrale Aufgabe der Führung.“

Überrascht das wirklich? Wird nicht überall gefordert, dass Frauen gefördert werden müssen? Ist es wirklich überraschend, dass daraus dann eine Anspruchshaltung entsteht?
Diversity ist eine zentrale Aufgabe der Führung. Hm. Nein, glaube ich nicht. ja, es ist eine zentrale Führungsaufgabe, Potentiale zu erkennen und zu fördern. Diversity ist für mich die Diversity von Fähigkeiten, nicht das Vorhandensein von sekundären Geschlechtsmerkmalen. Im Topmanagement will aber niemand jemanden haben, der wie ein Einkaufswagen durch die Gegend geschoben werden muss.
Jetzt mal ehrlich. Die Befragten der Studie WOLLEN Karriere machen. Dafür müssen SIE etwas tun. Frei nach Kennedy, „Frag nicht, was deine Firma für dich tun kann, sondern was du für deine Firma tun kannst“.
Der Karriereweg in einer Firma kann durchaus hart sein. Das ist mitunter ein Haifischbecken. Firmenpolitik kann manchmal hässlich sein. Was ich aber von einem angehenden Topmanager erwarte, ist, dass er auch eine Firma gründen und führen könnte. Wenn Mann oder Frau glaubt, in einer ungerechtfertigten Sackgasse zu stecken, dann wird es vielleicht zeit für einen Job- oder Richtungswechsel.

Vielleicht fehlt es bei den Frauen einfach am Erwartungsmanagement. Wenn ich in der Corporate-Welt Karriere machen will, dann muss ich deren Erwartungen erfüllen. Wenn ich das nicht will, alles anders machen, mit einem 9-5 Job reich werden will, weil es besser ist, dann steht es mir frei, ein eigenes Unternehmen zu gründen und alles so zu machen, wie man das will.
Vielleicht funktioniert das ja besser. Und komme mir nun niemand „aber das kann ja nicht jeder“. Wir reden hier von den 43%, die glaubten, sie könnten Vorstand werden. Wer glaubt geeignet zu sein, ein großes Unternehmen zu leiten, der muss auch ein kleines Unternehmen gründen und dieses großmachen können.

Liebe Mädels, liebe Jungs.
Ich habe Karriere gemacht. Ganz klar, da war viel Glück dabei. Und auch ganz klar, ich habe Spass daran. Aber es ist auch anstrengend gewesen. Mein Privatleben hat da schon darunter gelitten.
Karriere ist nicht zum Nulltarif zu haben, man muss da ganz schön viel für opfern. Für mich war das ok. Work/Life Balance funktioniert für mich, weil ganz viel Life in meiner Work steckt. Ist das ein Ideal, nachdem jeder streben sollte? Nein.
Ich hatte Chefs die mich unterstützt haben, und ich hatte Chefs die mich auf ein Abstellgleis geschoben haben. Am häufigsten hatte ich Chefs, die mich meinen Kram haben machen lassen. Den Glauben an mich, den habe ich aber nie lange verloren. Ich glaube, die wichtigste Eigenschaft, die man für eine Karriere braucht, ist SELBSTvertrauen. Und damit meine ich ein intrinsisches Selbstvertrauen, nicht eines, das (nur) auf Anerkennung basiert.
Es gibt genug, die wirklich Karriere machen wollen und bereit sind, dafür andere Dinge zu vernachlässigen. Das ist eure Konkurrenz (wenn ihr Karriere machen wollt). Ob die einen Penis hat oder nicht, das spielt keine Rolle.

Zum Thema Vorbilder, ich hatte eine Weile mit dem Gedanken gespielt Lehrer zu werden. Mein Vorbild da wäre aber eine Lehrerin gewesen, nicht ein Lehrer. Die beiden besten Lehrkräfte, die ich hatte waren weiblich. Auf die Idee, dass ein taugliches Vorbild das gleiche Geschlecht wie ich haben müsste, kam ich bislang nicht. Liebe angehende Topführungskräfte, wenn ihr ein Vorbild gleichen Geschlechtes braucht, dann werdet ihr später auch Geschlechter diskriminieren. Das ist nicht gut! Meine Chefin ist für mich kein Vorbild, weil Eierstöcke. Ne, sorry. Lernt bitte, Rollenklischees abzulegen. Die haben im Beruf nichts verloren.

Zu guter Letzt:
Der Link bei Spiegel heisst „frauen-im-management-vorgesetzte-zerstoeren-frauenkarrieren“ das „nicht unterstüzt fühlen“ wird zum Zerstören gemacht. Ist das wirklich im Sinne der Frau? Der Artikel deutet an, dass „den“ Frauen Freizeit wichtiger als der Job ist. Dass Frauen nicht von alleine können, sondern immer Hilfe brauchen. In mir produziert ein solcher Artikel Vorurteile. Aber mit Reflexion bekomme ich es hin, mir klar zu machen, dass jeder Mensch einzigartig ist, und weder Bain noch Helene Endres vom Spiegel für alle Frauen sprechen.

12 Gedanken zu „Vorgesetzte zerstören Frauenkarrieren

  1. >>“So fühlen sich 64 Prozent der Berufseinsteigerinnen von ihrem Vorgesetzten unterstützt, nach wenigen Jahren sinkt der Wert auf 44 Prozent.Bei Männern läuft es besser mit den Chefs: Hier fällt der Unterstützungsfaktor um lediglich drei Prozentpunkte von 59 auf 56 Prozent. Frauen sind frustriert über die fehlende Anerkennung: “Meine Chefs sind weder ermutigend noch erkennen sie meine Leidenschaft für die Arbeit an”, so eine Teilnehmerin. Andere berichteten, dass negatives, unkonstruktives Feedback sie in ihrem Glauben an sich und ihre Fähigkeiten nachhaltig erschüttert hat. Eine fatale Entwicklung.“

    Also das ist ja mal ein Ding…

    Meine Interpretation:

    Frauen kommen frisch von der Uni nach ca. 17 Jahren Schule+Hochschule sind optimistisch und gepämpert (Ihr könnt alles (besser), euch gehört die Zukunft, vgl. Panel-Studie des Bundesfrauenministeriums) und treffen dann auf die betriebliche Realität. Der Unterstützungswert bricht mit steigender Berufserfahrung um zwanzig Punkte, mensch früher wurde mir doch immer so doll geholfen. Bei den Männern ist er vorher schon geringer, nimmt dann aber weniger stark ab. Demnach ist die Schlüsselfrage:

    WIE definieren „die Geschlechter“ optimale Unterstützung? Offenbar haben gibt es hier unterschiedliche Auffassungen, denn mal Hand aufs Herz:

    Wer glaubt denn ernsthaft das Frauen nur beim Einstieg durch ihren Chef unterstützt werden, während Männer Dauersupport erhalten. Und dieser Faktor der Unterstützung ALLEIN durch das Geschlecht definiert wird, und nicht etwa durch das individuelle Commitment zB. Außerdem ist man immernoch innerhalb der Fachabteilung ein Team, normalerweise unterstützt ein kluger Chef alle seiner Untergebenen. Welcher Chef in großen Unternehmen kann sich hier ernsthaft Frauendiskriminierung leisten, bei der ganzen sozialen und legislativen (Betriebsrat) Überwachung?

    Demnach ist meine Interpretation eindeutig: Frauen gehen mit unrealistischen Erwartungen die Sache an und sind dann erschrocken, dass Führungsposition und Karriere mehr ist als schwarze Stöckelschuhe und Zahnpasta-Lächeln. Aber wie gesagt, das ist nur eine mögliche Interpretation.

    Ich sehe nicht wo diese Studie (Eine Befragung!) eindeutig zu den vom Spiegel Interpretationen führt. Daher begrüße ich es auch, das dieser Artikel von anfang an nicht kommentiert werden durfte. Zeigt ja auch das so langsam beim „Wahrheit ist alles“ Spiegel der 2.0 Journalismus bei den sensiblen Themen zurückgefahren wird.

    • PS: Oder aber umgekehrte Interpretation: Männer erhalten ein geringeres Maß der Unterstützung und daher erwarten sie nicht nach fünf Jahren die rundum-Betreuung. Für mich ist diese Umfrage mal wieder ein Fall für die Junk-Science-Polizei, Kommissar Klein, übernehmen Sie!

  2. Andere berichteten, dass negatives, unkonstruktives Feedback sie in ihrem Glauben an sich und ihre Fähigkeiten nachhaltig erschüttert hat.

    Wer ausschließlich konstruktives Feedback einfordert ist zu faul zum selber denken.

  3. Ein paar ähnliche aktuelle Studien in Deutschland habe ich hier beschrieben:

    https://auschfrei.wordpress.com/2014/11/13/studie-deutschland-deine-manager/
    https://auschfrei.wordpress.com/2014/11/14/erfolgreich-in-der-mannerdomane/

    Ein Unternehmen zu führen ist absoluter Stress.
    Solange man nur für sich selbst verantwortlich ist, ist das ja in Ordnung, aber sobald man sich um Mitarbeiter kümmern muss – nee, freiwillig sollte sich das niemand antun.

  4. Pingback: “Frauen werden diskriminiert” als einzig zulässiger Erklärungsansatz | Alles Evolution

  5. „43 Prozent der Berufsanfängerinnen möchten laut Bain-Untersuchung den Aufstieg ins Top-Management schaffen“

    Haben die mal nachgezählt wie viele Stellen es da oben eigentlich gibt? Es ist nicht so, dass ein Manager 2 Leute Betreut, eher so, dass ein Manager auf 50 Angestellte kommt, und das sind nicht einmal die Top-Manager. Dass die Leute ihre Illusionen verlieren würde ich nicht als Problem sehen, sondern eher als Einsicht in die Wirklichkeit. Es ist ganz klar, dass es nur für 1 von 50 einen Schritt nach oben gibt, wenn oben ein Platz frei wird, noch weniger für die noch höheren Posten. Also nicht für 43%, auch nicht für 4,3% sondern für 2% oder weniger.

    Mann/Frau muss also besser sein als 98% der Mitbewerber auf der Karriereleiter. Sonst wird es nix. Und besser zu sein als 98% der Anderen ist nicht einfach.

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