Vergeben und Vergessen?


Kahane und Holm. Zwei ehemalige Stasimitarbeiter, die nun mitten in einer öffentlichen Debatte stehen.
Vorab, ich bin Wessi, Jahrgang 74. Es steht mir nicht zu, die über die Motive eines Menschen zu urteilen, der in einem totalitären System aufwuchs und dann für die Staatssicherheit arbeitete. Ich stelle mir immer mal wieder die Frage, wie ich gehandelt hätte, wäre ich in der Generation meiner Großeltern aufgewachsen. Sturmbannführer oder
Widerstand? Oder Mitläufer? Lässt sich natürlich nicht beantworten.
Genausowenig, was aus mir geworden wäre, wäre ich in der DDR groß geworden. Ich glaube frau Kahane auch durchaus, dass sie eine verdiente Kämpferin gegen Rechts ist. Halte ich durchaus auch für lobenswert. Ist eine doch sehr extrem linke Stiftung wirklich eine gute Stelle, will man darüber diskutieren, welche Inhalte in den sozialen Medien akzeptabel und welche nicht sind? Ist da nicht vorprogrammiert, dass da nur in eine Richtung geschaut wird? Gibt es in der Taskforce auch Gruppen, die nach links schauen? Schaut man sich die Kampagnen an, ja, dann kann man verstehen, dass da der Vorwurf der Gesinnungspolizei aufkommt. Ist es politisch clever, hier eine Stiftung zu fördern, an deren Spitze eine ehemalige IM steht, eine Stiftung, die sich dem Kampf gegen nur eine Form des Extremismus verschrieben hat? Sicherlich zumindest mal streitbar.
Nun die neue Personalie, diesmal gar als potentieller Staatssekretär. Holm, die Weichen für eine Karriere in der DDR gestellt, mit 18 bei der Stasi. Finde ich nicht wirklich disqualifizierend (aber auch hier fehlt mir die DDR Vergangenheit um das beurteilen zu können). Viel schwerer für mich wiegt da seine Hausbesetzerzeit, seine Verbindung zu linksradikalen Kreisen und die Liebe zu Chavez. Hier ist ein Mensch,
Die Linke in Berlin zeigt damit sehr deutlich, wo es ihrer Meinung nach wieder hinsoll. Ich habe keine Lust auf einen neuen Versuch, den Sozialismus in Deutschland zu etablieren. Als Wessi bin ich wer, dem Schlangestehen und Mangelwirtschaft zuwider ist. Jemanden zu einem Staatsekretär im Bauministerium zu machen, der keinen Respekt vor Eigentum hat, der glaubt, Venezuela wäre auf dem richtigen Weg gewesen.. nein, das ist nicht jemand, von dem ich regiert werden will.
Macht in Berlin was ihr wollt. Wenn ihr halt glaubt, man könnte private Mietpreise diktieren, und es finden sich dann schon Investoren, die das machen. Verteilt 1er Abis bis sie nirgendwo anders mehr anerkannt werden, alles kein Ding.
Aber.. wundert euch nicht, liebe Grüne, liebe SPD, wenn euch so eine Entscheidung 2017 um die Ohren fliegt. Die Linke ist, zumindest in Teilen eben doch die SED Nachfolgepartei.

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12 Gedanken zu „Vergeben und Vergessen?

  1. Jede linke Regierung entwickelt sofort totalitäe Züge und ruiniert Land, Leute und Bewusstseine in kürzester Zeit.
    Die Stasi hat es geschafft, sich in alle Bundesdeutschen Ämter einzuschleichen, und seit Bundeskanzleramt, Präsidentenamt und die neu geschaffene privatrechtlich organisierte Wahrheits und Denunziationsbehörde sind von Stasimitarbeitern besetzt.
    Sie wissen ganz genau, das es nichts gibt, das zerstörerischer und zersetzender wirkt als der sozialistische Totalitarismus und Fachismus. Klar ist für die alles rechts, das ist von linksaussen nun mal so. Rechts ist nicht schlecht, rechts steht für funktionierendes Leben, Bodenständigkeit und Heimatliebe. Das das funktioniert ist Jahrtausende lang bewiesen worden, genauso wie alles linke nicht funktioniert.
    Links ist nunmal link, verschlagen, hinterhälig, gemein, unlauter, verlogen, manipulierend, falsch. Und es hat noch nie(!!!) funktioniert.

  2. „Als Wessi bin ich wer, dem Schlangestehen und Mangelwirtschaft zuwider ist“

    Das ist ein ökonomischer Aspekt, der typisch für Diktaturen ist, der aber auch andere Gründe als die Ideologie haben kann.

    Viel mehr würde mich in der DDR die geistige Verklavung stören. In dem berühmten Film „Das Leben der Anderen“ gibt es eine Schlüsselszene dazu, die das besser als alle Statistiken illustriert: Zwei Hauptpersonen, relativ hoch stehende Stasi-Offiziere, treffen sich in einer Kantine zu einem Gespräch. Zwei Tische weiter sitzen 4 jungen Männer, einer erzählt einen Witz über die Partei, dessen Pointe i.w. darin besteht, sich über die Realitätsverdrängung der offiziellen SED-Propaganda zu mokieren. Die beiden Stasi-Offiziere bekommen das mit, schnauzen die jungen Männer an, fragen nach den Namen und bestellen sie für morgen vor ein Strafgericht und kündigen die soziale Vernichtung an.

    Jedes „Gedankenverbrechen“ konnte einen sozial vernichten, man mußte immer höllisch aufpassen, zumindest offiziell keinen Millimeter von der SED-Propaganda abzuweichen und die richtigen Lügen herunterzubeten. Dieser totalitäre Gesinnungsterror ist für mich das Hauptmerkmal der DDR aus der Perspektive normaler Menschen. Nach exakt dem gleichen Muster funktionktionierten die Fälle Tim Hunt, Brüderle und div. andere.

    „Macht in Berlin was ihr wollt.“

    Nein.

    Der institutionalisierte Feminismus setzt alles daran, Männer rechtlich zu Menschen zweiter Klasse zu machen, also eine Art Gender-Apartheit zu errichten, in der die Frauen (und ggf. weiter oben auf der Opferstatushierarchie stehende Personen) sakrosankt sind.

  3. OK, einerseits stimm ich zu, weil der wurde mit 14 gefragt, wie wärs denn mal für die StaSi zu arbeiten, mit 16 hat er sich verpflichet, mit 18 nahm er den Dienst auf, aber es kam die Wende, was hat er da groß anrichten können ?
    Aber die Pauschale Sozialismuskritik finde ich nicht gut.
    Es wäre aber eine sehr lange Diskussion…

    • Kann man aber durchaus mal führen. Ich halte den Sozialismus wie den Kommunismus für eine nette, aber leider unmögliche Utopie. Marx hielt den Kommunismus als unweigerliche Folge des Kapitalismus, Ich halte das Animal Farm Szenario für die unweigerliche Folge jeglicher Sozialismus Versuche.
      Man kann gerne an der Sozialen Marktwirtschaft noch Stellschrauben drehen, der Glaube aber, dass man den Egoismus aller einzelnen ausschalten kann, halte ich für gefährlich naiv.

        • Liegt die Wachstumsforderung im Kapitalismus? Gewinnmaximierung ist ja per se nichts schlimmes, aber es muss da schranken geben. Der Reine Kapitalismus ist sicherlich ähnlich fatal wie der Kommunismus, aber ich denke, die soziale Marktwirtschaft ist das derzeit beste Modell….

  4. Der Casus Knacktus liegt meines Erachtens darin, dass erst eine Demokratie einem die volle Breite an Handlungsmöglichkeiten bietet. Was man unter weniger und eingeschränkten Optionen gemacht hätte, ist völlig utopisch. „Im Schnitt“ weiß man ja, wie viele Menschen sich irgendwie arrangieren oder ins innere Exil gehen.

    Der Einsatz für Demokratie hat auch den Hintergrund, dass man daran glaubt, die Menschen wären am besten dran, wenn sie selbst Verantwortung für ihre Taten übernehmen. Das geht schon dann in die falsche Richtung, wenn der Staat sich anmaßt, zu entscheiden, was denn „gut“ oder „richtig“ sei und dann die Leute unbedingt in die Richtung schubsen will (und dann, wenn es nicht klappt, zwingt).

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