Die Religion Feminismus


Ich sehe immer mehr Parallelen zwischen Anhängern des Feminismus und Anhängern von Religionen. Der einzige Unterschied: Bei einem hat sich in unserer Gesellschaft die Glaubensfreiheit durchgesetzt.
Nun gibt es einige Ketzer. Frauen gar, die behaupten, sie glauben einfach nicht an den Feminismus. Sowohl die Theologen als auch die Gläubigen versammeln sich gerade und starten die Inquisition.
Es gab auch eine Zeit, in der die Kirche behaupten konnte, was sie wollte. Die Erde ist eine Scheibe. Die Argumentation nun ist „das Christentum sagt, du sollst nicht töten, wie kann die Erde da rund sein??“

Das Christentum ist da übrigens ein recht schöner Vergleich. Zu Beginn auf Nächstenliebe ausgerichtet, anfangs mit allen Mitteln unterdrückt, zur Staatsreligion aufgestiegen, und schliesslich als Legitimation für Kreuzzüge genutzt.

Die FES Studie ist ein schönes Beispiel für ein Stück feministische Theologie. Es gibt ein paar Dogmen, und es werden Hinweise gesucht, dass diese stimmen könnten. Was nicht passt, wird ignoriert.

Statistiken und Umfragen werden so verbogen, dass ein maximal grosses Schockergebnis herauskommt. Ergebnisse, die nicht zu den Dogmen passen bleiben unerwähnt
Immer schon ging es schief, wenn Glaube und Wissenschaft vermischt wurden. Ein Beispiel hier ist das Genderpaygap. Wissenschaft: Die Gruppe der Frauen erwirtschaftet in Summe 22% weniger Einkommen als die der Männer. Glaube: Das Patriachat will nicht, dass Frauen aufsteigen. Feminismus: Die einzelne Frau bekommt weniger Geld für die gleiche Arbeit.

Immer wieder interessant, wie Feministen ihre eigenen Erfahrungen als allgemeingültig ansehen, andere Erfahrungen aber komplett diskreditieren
Onyx macht das gerade ganz nett:

1. “Ich bin nicht unterdrückt”
Übersetzt: “Was ich nicht sehe, gibts auch nicht. Mir geht es gut, also geht es allen anderen auch gut. Mein Mikrokosmos ist maßgebend für alle”. Eine hübsche Filterbubble, in der da einige leben. Wird Feministinnen immer wieder vorgeworfen, also eher ein Eigentor.

kurz danach:

Dazu muß man ja eigentlich nicht mehr viel sagen. Das ständig hochgehaltene (aber dennoch unwahre) Schild der allgemeinen Männerfeindlichkeit des Feminismus, ausgehend von künstlich am Leben gehaltenen Extrembeispielen.

#killallmen, I bathe in Male tears, Männer können nicht diskrimiert werden… Ja, ich fühle mich von Feministen angegriffen. Bloss weil Onyx das nicht so geht, ist es eine Randerscheinung.
Passt nicht so ganz zusammen.

Die Frage Adrians in den Kommentaren, wie Frauen in unserer westlichen Gesellschaft noch unterdrückt werden, bleibt (bislang) unbeantwortet.

Auch wenn ich viele christlichen Werte teile, so bin ich doch für eine strikte Trennung von Kirche und Staat. Ebenso von Feminismus und Staat.
Braucht der Feminismus eine Aufklärung, Reformation oder benötigt es schon einer kulturellen Revolution?

24 Gedanken zu „Die Religion Feminismus

  1. Ich finde den Vergleich mit Religionen wenig informativ, denn die paar Religionen die ich kenne, implizieren alle die Idee eines überempirischen Akteuers. Davon steht aber in keinem feministischen Text etwas.

    Den Feminismus als empiriefreie Ideologie einzuordnen und nicht etwa – wie die Feministen es gerne hätten – als Folge einer empirischen Bestandsaufnahme, scheint mir sehr viel mehr Sinn zu machen.

    Insofern würde ich sagen, daß gegen Feminismus Aufklärung hilft. Eine kulturelle Revolution brauchen wir hingegen, um loszuwerden, was die Menschen den Feminismus bejubeln läßt.

    Und in Deutschland haben wir Erfahrung damit: Als wir uns von einer Mentalität lossagten, die den Nationalsozialismus willkommen hieß, gab es die APO, Studentenunruhen und wir haben alles verändert, was damals normal war: wie wir Kinder erziehen, wie Lehrer mit Schülern umgehen, unsere Mode, unser Strafrecht, das Strafprozeßrecht, die Universitätsorganisation, und so weiter.

    Etwas ähnliches könnte passieren, wenn wir uns vom Feminismus verabschieden. Nur mit Religion hat das alles vermutlich nichts zu tun.

    • Hmm. Ich glaube nicht, dass Religion einen Gott zwingend benötigt. Aber die meisten haben einen oder mehrere, das stimmt schon. Oft, weil sonst einiges nur schwer zu belegen ist.
      Scientologie würde mir hier einfallen.

      • Na gut, ich kenn ja nicht allzu viele Religionen, aber auch wenn wir was anderes nehmen – sagen wir Spiritualität – dann kenne ich da nichts Vergleichbares im Feminismus.

        Worauf ich hinaus will: Vielleicht können wir Feminismus effektiver kritisieren als durch Analogien zu Religionen.

        • hmm. mein Blog ist mein blog. meine meinungen sind meine. Meine posts sind meine und eben nicht unsere.
          Man kann denen zustimmen oder sie ablehnen, man kann ideen weiterspinnen..

            • diskutieren gerne. vereinamen lassen nicht. “ Vielleicht können wir Feminismus effektiver kritisieren als durch Analogien zu Religionen.“

            • dann is alles fein😉
              Woher kam das „wir“ in deinem Kommentar?
              Ich meine, ich hatte da mal nen post als Antwort auf dein „wir brauchen einen theoretischen Unterbau“
              Ich glaube das nicht. Gleichberechtigung braucht keine Theorie.

            • „Woher kam das “wir” in deinem Kommentar?“

              Oh, das war es? Dabei hab ich mir gar nichts gedacht.

              In fast allen mathematischen oder philosophischen Artikeln schreibt man „wir“, weil mehrere Autoren beteiligt sind und selbst dann, wenn es nur einen Autor gibt, schreibt man „wir“, um klarzumachen, daß man mit dem Leser gemeinsam einen Gedanken verfolgt.

              Mir fällt das schon gar nicht mehr auf….. lange Gewohnheit.

            • im moment des schreibens tatsächlich nicht. Ich sträube mich ja schon seit langem gegen das label maskulist, da brauche ich nicht noch eine gemäßigte/radikale sonstwas komplexitaet. mist. leer.

            • Kannst du machen – wir (wir – mit Absicht) finden das völlig unproblematisch.

              Aber die Sache ist wichtig – auch wenn du keine Zeit in das Thema investieren willst.

              Und ich werde nicht versuchen, das zu ändern – keine Sorge.

            • Könnte man meinen. Die Verzerrung von Gleichberechtigung zu Gleichstellung macht einen theoretischen Unterbau allerdings nötig, um ihn Feministinnen um die Ohren hauen zu können.

              Alles natürlich im übertragenen Sinn.

              Gleichberechtigung sollte ein fester Begriff sein, ist er aber leider nicht mehr. Gleichberechtigung wurde heimlich durch Gleichstellung ersetzt. Und hier muss leider der Ansatz erfolgen, warum Gleichstellung eben nicht Gleichberechtigung ist. Das klappt nur durch einen theoretischen Unterbau.😉

            • Du glaubst, dass du Feministen, die 22% Paygap schreien, mit einem theoretischen unterbau kommen kannst? Die meisten sind doch komplett weg von erreichbarkeit durch argumente.

  2. Feminismus versucht eher pseudo-wissenschaftlich eine eher „philosophische Ideologie“ durchzuboxen. Leider hapert es an jeder Ecke im Gebäude „Feminismus“.

    Es wird ja auch nicht versucht im Feminismus etwas metaphysisch zu begründen. Es werden ja angebliche Forschungen – Gender Studies – als nicht wirklich feste Grundlage herbeigezogen.

    Vielleicht ereifern sich Feministen wie Gläubige einer Religion, das kann sein. Ebenso eifernd sind aber auch radikale linke oder rechte.

  3. Vielleicht wäre ein Vergleich mit dem Kommunismus sinnvoll: Als ehrlicher Kampf gegen Unterdrückung und Ungerechtigkeit gestartet, später zur Herrschaft aufgestiegen und letztendlich meilenweit über das Ziel hinausgeschossen, u.a. weil man sich nicht von seinem Feindbild lösen konnte und stattdessen versuchte, das Volk zwangsweise zu besseren Menschen umzuerziehen.

  4. Nicht alles, was hinkt, ist auch ein Vergleich !
    Eine Religion erfordert nun mal etwas übernatürliches, an das geglaubt wird, und sie wird auch in aller Regel nicht mit Pseudowissenschaft begründet.
    Der Feminismus ist einfach eine Ideologie, wie z. B. der Faschismus auch.
    Und da findet man eine Masse von Gemeinsamkeiten.

  5. Welche Kirche hat behauptet die Erde sei eine Scheibe? Die kath. Kirche war es wohl nicht.

    „Wir Menschen neigen zu Vorurteilen und trennen uns ungern von ihnen – taugen sie doch so schön zur Abwertung Fremder und Früherer und schmeicheln damit unserem Selbstbild von Identität und „Fortschrittlichkeit“. So entstand in der europäischen Aufklärung das mächtige Vorurteil eines „finsteren Mittelalters“ (in Englisch: Dark Ages!) zwischen Antike und Renaissance (in Französisch: Wiedergeburt!). Und als griffiges Symbol und Spottbild dafür stand „die Kirche“, die angeblich die Scheibenform der Erde gelehrt und Andersdenkende verfolgt habe. “

    http://www.scilogs.de/natur-des-glaubens/die-erde-eine-scheibe-lehrte-die-kirche-das-je/

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