Führung und die Bundeswehr


Das Thema ist ja nun schon eine Weile in den Medien.. mal wieder was um meinen Blognamen zu rechtfertigen und etwas Senf von mir.
Ich hole ein wenig aus. Seit ein paar Monaten gehört nun auch unser Facility zu meinem Bereich. Hausmeister, Reinigungskräfte (die versorgen uns mit Kaffee!!) Empfang und alles sowas. Ich hatte zwar eine grobe Vorstellung, was die so den ganzen Tag treiben, aber das ist etwas ganz anderes, als zu wissen, was deren Job ist. Da ich für mich aber den Anspruch habe, genug von den Jobs meiner Leute zu verstehen, dass ich ihn ersten angemessen würdigen, und, so mir Probleme geschildert werden, diese auch wirklich nachvollziehen kann (und auch dass mir niemand was vom Pferd erzählen kann), habe ich einfach mal einen Tag bei Ihnen mitgearbeitet. Ein Tag reicht da nicht wirklich aus, aber sie haben mich ganz schön getrietzt (das Putzen am Vormittag war easy.. die 300 Blumenkübel die ich mit je einer Gießkanne Wasser versorgt habe, war schon heftiger). Es kam gut an, die Jungs und Mädels sahen, dass ich mir nicht zu schade für ihren Job bin, kein komplett abgehobener Vorstand, und wir redeten ganz offen über alles (das hat sich bis heute fortgesetzt). Der eine Tag, bei dem sie mich ein bisschen als Mensch und Kollege kennen lernen konnten hat viel gebracht. Und mir brachte es sehr viel Verständnis für ihren Job.
Nun ist es ja so, dass ich sowohl Tischewischen als auch Kaffeemaschinen reinigen, Blumengießen und Dinge aufhängen durchaus auch zu Hause mache, da hatte ich bereits Vorwissen.
Nun haben wir also eine Verteidigungsministerin, die von Korpsgeist spricht, ja vom falschen Korpsgeist, aber vermutlich überhaupt gar keine Ahnung hat, was das bedeutet.
Die jüngsten Skandale der Bundeswehr sind schlimm, keine Frage. Aber wie soll man sowas einordnen:

So sei es Teil der Ausbildung gewesen, dass Teilnehmer beider Geschlechter sich als lebendige Anschauungsobjekte mit unbekleidetem Genitalbereich präsentierten. Auch wurden ihnen Tampons in den After geschoben, das Ganze wurde auf Videos dokumentiert. Bei den Wachsoldaten soll es wiederum zu Erniedrigungsritualen gekommen sein: Demnach haben die Rekruten sich gegenseitig an Stühle gefesselt und anschließend mit Wasser abgespritzt.

wenn man nicht bei einem Spindsaufen, Schildkrötenrennen, einer Wurmprüfung oder ähnlichem mitgemacht hat? Die Tamponnummer, ok, keine Frage. Sich gegenseitig nackt zeigen? Hmm.. aber das waren Sanis! Die sollten mit Nacktheit zurecht kommen. Privatsphäre ist in einem 6 Personenzimmer sowieso eher Mangelware.. Und OMG, Wachsoldaten haben sich gefesselt und NASSGESPRITZT!!!!
Ich habe in meinen 12 Monaten Grundwehrdienst vieles erlebt und gemacht, was ich früher nicht für möglich hielt. Einiges davon war schon ziemlich eklig. Aber.. es hat funktioniert. Am Ende der Ausbildung habe ich meiner Stube blind, meinem Zug unbedingt und meiner Kompanie absolut vertraut. Full Metal Jacket ist sicherlich nicht mit der deutschen Ausbildung vergleichbar, aber man kann da schon Elemente erkennen. Auch „Eine Frage der Ehre“ sah ich mit ganz anderen Augen als jemand, der eben nicht beim Militär war. Das ist eben kein Job wie jeder andere.
Rechtsextreme bei der Bundeswehr.. glaube ich sofort, dass es hier ein Problem gibt. Heute sicherlich noch mehr, als vor der Aussetzung der Wehrpflicht. Die Bundeswehr hat bei uns doch eher einen bescheidenen Ruf, Hierarchien, Tradition, Uniformen, Werte wie „Ehre“ und das Ganze ziehen doch eher eine „konservative“ Klientel an, und natürlich sind da auch Rechte dabei. Bei uns damals wurde das dann aber scharf geahndet. Im Nachbarzug meinte einer auf einer Zugparty den Hitlergruß zeigen zu müssen, gab ein riesen Nachspiel, und führte zu einigen Disziplinarverfahren und iirc auch zu einer unehrenhaften Entlassung. Dass hier im Fall des Oberleutnants was gewaltig schief lief scheint offensichtlich.
Nun stellt sich also die Verteidigungsministerin hin und attestiert der Bundeswehr „Führungsschwäche“.

Die Bundeswehr hat ein Haltungsproblem und sie hat offensichtlich eine Führungsschwäche auf verschiedenen Ebenen

Seit über 3 Jahren ist von der Leyen im Amt. Sie ist die Oberbefehlshaberin. Nicht „Wir haben ein Haltungs- und Führungsproblem“ Nicht „Wir müssen den Fall gründlich aufklären und die richtigen Konsequenzen ziehen“, nein: Die da haben ein Problem. Ich stelle mir gerade vor wie das bei meinen Leuten ankäme, wenn wir einen Fehler produzieren würde und ich mich vor die Presse stellte und Bereich xy Inkompetenz unterstellen würde. Sowohl meine Geschäftleitungskollegen als auch meine Mitarbeiter würden mich grillen. Bei der Bundeswehr ist das nochmal eine Nummer krasser. Die schickt mich mein Leben riskieren, stellt sich aber selbst nicht mal politisch vor mich? Die Bundeswehr hat, im Vergleich zu anderen Armeen schon ein Anerkennungsproblem in der Bevölkerung. Und nun haut noch die, die eigentlich meine Vertretung in der Regierung sein sollte, auf mich ein. Na, der vertraue ich doch mal.
Ein sehr gutes Interview mit Sprenger in der Welt

Die Welt: Dass Fälle wie der des rechtsextremen Soldaten Franco A. so lange im Verborgenen bleiben konnten, sei auch auf die „Führungsschwäche“ der Bundeswehr zurückzuführen, sagt die Ministerin. Darf man öffentlich so über seine Mitarbeiter herziehen?

Sprenger: Eindeutig nein. Die Frage ist, wer hier überhaupt Führungsschwäche personifiziert. Für mich war Frau von der Leyen schon immer eine Fehlbesetzung, weil sie ein Legitimitätsdefizit hat. Aber Führung ist auf Legitimität angewiesen. Wer glaubt, führen zu können, ohne dass ihm die Leute folgen, geht nur spazieren. Die Ministerin ist auf die Zustimmung ihrer Truppe angewiesen – und das ist sichtbar nicht der Fall. Das zeigt, dass sie die eigentliche Führungsschwäche aufweist und nicht die anderen.

Sprengers Buch „Radikal Führen“ kann man übrigens durchaus lesen, da steht einiges Brauchbares drin (wie immer.. nicht alles passt immer und überall)

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11 Gedanken zu „Führung und die Bundeswehr

  1. Wunderts dich wirklich? Zensursula ist ja jetzt nicht die erste Person die aus karriere-politischen gründen diesen Posten erhalten hat ohne geeignet zu sein, oder willst du mir verkaufen das der überwachungs-thomas oder der kopier-theodor besser geeignet waren?
    Und das ist ja nicht auf den Verteidigungsminister posten beschränkt – siehe prohibitions-marlene als drogenbeauftragte… die union hats einfach nicht so damit posten nach faehigkeiten zu verteilen.

    Aber was die rituale bei der Bundeswehr so angeht, du magst da nen anderes Sichtfeld drauf haben, als jemand der das mitgemacht hat – und obwohl ich dir zustimme das z.b. die nackt-nummer kein grosses ding sein sollte, weiss ich das es das für viele ist, und gefühlt scheinen was das thema angeht die jüngeren generationen da dann doch verklemmter, von daher weiss ich nicht ob du und ich da Masstab fuer das moralische Empfinden der Gesellschaft sind oder sein sollten.

    übrigens soweit ich weiss (und das mag veraltet sein) sind mann und frau bei der bundeswehr noch immer nicht auf den selben stuben untergebracht – ich meine mich zu errinern mal gelesen zu haben das norwegen damit in europa vor ein paar jahren den ersten schritt gemacht hat. Wobei keine ahnung vielleicht hat flintenuschi da ja was gemacht als sie damals die bundeswehr famillienfreundlicher machen wollte, so mit kindergaerten an der kaserne und so.

    • „Wunderts dich wirklich? Zensursula ist ja jetzt nicht die erste Person die aus karriere-politischen gründen diesen Posten erhalten hat ohne geeignet zu sein, oder willst du mir verkaufen das der überwachungs-thomas oder der kopier-theodor besser geeignet waren?“
      Ich meine, dass Zensursula eine der ganz wenigen waren, die nie gedient haben (glaub der Struck noch, das war es dann aber).

      „Aber was die rituale bei der Bundeswehr so angeht, du magst da nen anderes Sichtfeld drauf haben, als jemand der das mitgemacht hat “
      Ich hab da einiges mitgemacht 😉 Jungs in der Spätpubertät, eingesperrt, Langeweile, Internet gab’s noch nicht so wirklich… man tut Dinge…. Gott bewahre jemand hat verschuldet, dass man Freitags nachdienen musste.. der hatte keinen Spass..

      Die Bundeswehr ist quasi das genaue gegenteil eines Safe Spaces. Und ja, der Gruppendruck ist heftig.
      „als sie damals die bundeswehr famillienfreundlicher machen wollte, so mit kindergaerten an der kaserne und so.“
      Wenn das einzige Werkzeug in seinem Besitz ein Hammer ist, sieht jedes Problem wie ein Nagel aus.

  2. „Seit über 3 Jahren ist von der Leyen im Amt. Sie ist die Oberbefehlshaberin. Nicht „Wir haben ein Haltungs- und Führungsproblem“ Nicht „Wir müssen den Fall gründlich aufklären und die richtigen Konsequenzen ziehen“, nein: Die da haben ein Problem.“
    Das isses eigentlich .- alles gesagt – komplettes Führungsversagen. Wie kann man seine Leute so dermaßen im Regen stehen, lassen bzw, zur Rettung des eigenen Arsches .in den Regen schubsen?

    Aber mir egal, versagt doch wie ihr wollt ,ich bin Reservist der NVA;-).

  3. https://polldaddy.com/js/rating/rating.jsDanke, dass Du die Bedeutung von „Korpsgeist“ mal ansprichst. Ich wundere mich, dass es niemand in der öffentlichen Debatte mal vernünftig rational erklärt, wozu diese Initiationsrituale und all das Zeug eigentlich dienen:
    Damit zeigen sich „die Kameraden“ gegenseitig (und trainieren das auch), was sie bereit sind für die anderen und die Gruppe zu erleiden. Man braucht hinterher Leute, die sich gegenseitig den Arsch retten auch wenn das gefährlich ist. Und das passiert nur, wenn diese Leute Vertrauen dahingehend haben, dass die anderen es für sie auch tun würden. Dieses Vertrauen muss aufgebaut werden und es ist besser, wenn das vor dem ersten Gefecht passiert.


  4. https://polldaddy.com/js/rating/rating.jsSo sei es Teil der Ausbildung gewesen, dass Teilnehmer beider Geschlechter sich als lebendige Anschauungsobjekte mit unbekleidetem Genitalbereich präsentierten.
    Naja, meinte der Zyniker in mir gerade, da sage noch einer, Gleichberechtigung hätte nicht auch ihr gutes. Früher gab’s das schließlich nur in einer Richtung
    Das ist eben kein Job wie jeder andere.
    Und doch hat es dieser Staat mehr als fünf Jahrzehnte lang für richtig befunden, jeden zum Erlernen und Ausüben genau dieses Jobs zu zwingen, ohne Rücksicht auf die Folgen. (Aber nicht jede, selbstverständlich. Der wertvolleren Hälfte der Bevölkerung hätte man solche Belastungen natürlich nicht zumuten können.)
    Jedenfalls ist die aktuelle Situation offenbar mal wieder gut genug dazu, jeden sich halbwegs berufen fühlenden Trottel vor die heute-journal-Kamera zu lassen, damit er auch mal alternativfaktisch „Ich sage ja nicht, daß wir die Wehrpflicht wieder… Aber mit Wehrpflicht wär‘ das nicht passiert“ aufsagen kann.
    Ganz ehrlich, dem nächsten, der glaubt, unbedingt behaupten zu müssen, Deutschland hätte jemals eine „allgemeine Wehrpflicht“ gehabt, werde ich ansatzlos auf die Schuhe kotzen. So hoch steht’s mir schon wieder.
    Aber ich fürchte, solange der 12a im Grundgesetz steht, wird der feuchte Traum, alles würde besser, wenn man sich doch nur wieder männliches Zwangsvieh halten dürfte, weiter in diversen Köpfen herumspuken…
    B20

    • Die Sache „Bürger in Uniform“ fand ich so falsch nicht. Ging aber bei mir (1993) dann schon schief, weil die meisten verweigerten. Aus meinem Abijahrgang gingen ganze 3 zum Bund. Einer, weil er Waffennarr war, einer, weil er Leistungssportler war, und ich, weil ich meine Verweigerung durchgelesen habe und dann doch lieber nicht lügen wollte.
      Dass es nur ein Geschlecht betraf und auch betrifft.. tja nun… das schlimme Patriarchat halt.. wäre mal interessant zu sehen, ob es bei einer Wiederaufnahme der Wehrpflicht außer von uns auch die Fordereung nach Gleichberechtigung geben würde..

  5. Pingback: Fundstücke: Fefes Füllhorn über Xing, Wikipedia, Computerspiele und Syrien – Geschlechterallerlei

  6. Es ist nicht die Aufgabe eines Mädchens eine Armee zu führen. Für Frau Bundesminister Von der Leyen gilt dies im Speziellen, da diese völlig unfähige Frau bereits als Familien- und Arbeitsministerin versagt hatte und von Mutti auf irgendeinem möglichst unwichtigen Posten untergebracht werden sollte. Dies hat bereits Schröder mit Scharping versucht und ist damit bekanntlich gescheitert.

    Ein Lehrling kann nicht Schreiner lernen bei einem Meister der noch nie einen Hobel in der Hand hatte. Frau Minister hat vom Militär absolut keine Ahnung. Frauen gehören nicht an die Front. Krieg ist kein Spiel und Experimentierfeld für Gender Equality. Soll die Soldatin um drei Uhr Nachmittag zum Taliban sagen: Lieber Muselmann, ach schießen wir doch morgen weiter ich muß jetzt mein Kind von der Feldkita abholen. Das geht nicht!
    Was denken Sie machen die IS-Kämpfer wenn sie ein paar deutsche Soldatinnen einfangen. Deren Scheiden und Popos werden zur Autobahn bis sie qualvoll an inneren Blutungen sterben. Das ist die Wahrheit!

    Die Erniedrigungsrituale bei der Bundeswehr haben eine lange Tradition. Erfunden hat das ganze der französische Kaiser Napoleon. Bis in die 60er Jahre wurden die jungen Männer öffentlich nackt in ihren Dörfern gemustert um einerseits Wehrgerechtigkeit sicherzustellen und andererseits den jungen Männern zu zeigen daß sie kein eigenes Recht mehr über ihren Körper haben. Er gehört jetzt dem Kollektiv. Später haben sich weitere inoffizielle Initiationsriten wie Äquatortaufen u.ä. entwickelt.

    Mut zur Verantwortung ist nicht panisch alles zu jagen was nach rechts aussieht und Bilder von Helmut Schmidt in Wehrmachtsuniform aus den Kasernen zu entfernen sowie den Soldaten zu verbieten traditionelle Lieder zu singen.

    Verantwortung wäre konsequent offen schwule oder andere sexuell gestörte Personen aus Führungspositionen wie Ausbilder zu entfernen um eben in einem Raum wo viele Männer auf engstem Raum konzentriert sind und keinerlei Privatsphäre haben alles zu tun um solche Skandale zu verhindern.

    • Aus welchem Jahrhundert kommst du denn nun daher?
      „Es ist nicht die Aufgabe eines Mädchens eine Armee zu führen“
      Mir ist das Geschlecht des Ministers Wurst. Dass sie nie bei der Bundeswehr war ist zwar eine schlechte Startposition, wenn sie sich aber mit der BW ersthaft beschäftigt hätte, wäre das heilbar (wie bei einem ungedienten Mann übrigens auch).
      „Verantwortung wäre konsequent offen schwule oder andere sexuell gestörte Personen aus “
      Was ein Unsinn…

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